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Norddeutschland Der Witwer von Anna-Lena U.: „Sie war eine starke Frau“
Nachrichten Norddeutschland Der Witwer von Anna-Lena U.: „Sie war eine starke Frau“
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22:28 01.11.2013
Sie wurde nur 29: Anna-Lena U.
Schwerin

In dem bislang so betont nüchternen Prozess im Mordfall der 29-jährigen Anna-Lena U. wird gestern, am dritten Verhandlungstag vor dem Schweriner Landgericht, erstmals die ganze menschliche Tragödie des Verbrechens vom 7. Juli spürbar. Die 2. Große Strafkammer ruft Matteo C. in den Zeugenstand, den Ehemann der Ermordeten.

Der 33-jährige Luft- und Raumfahrtingenieur erscheint vor Gericht in beeindruckender Weise ruhig und gefasst. Selbst dem Anblick des Angeklagten Norman L. hält C. ohne erkennbare Aufwallungen von Zorn oder Trauer stand. Der 45-jährige L. indes, der die Maske des Unbeteiligten weiterhin aufrechterhält, wagt es nicht, C. direkt anzusehen, wirft nur kurze Blicke aus den Augenwinkeln in Richtung des Zeugen und Nebenklägers.

„Er hat das Leben von drei Familien zerstört, das unserer eigenen, von ihren Eltern und von meinen Eltern“, antwortet Matteo C. deutlich auf die Frage von Richter Robert Piepel, was der Tod von Anna-Lena U. für die Angehörigen bedeutet habe. Seit dem Mord an seiner Frau vergehe kein Tag, an dem er nicht an sie denken müsse. Auch der gemeinsame zweijährige Sohn sei bisher nicht über den Verlust der Mutter hinweggekommen.

Vater und Sohn leben inzwischen in Frankreich unweit der Schweizer Grenze, wo sich seine Schwester tagsüber um den Kleinen kümmert, sagt der Italiener, dessen Worte von einer Dolmetscherin übersetzt werden. Bevor das Schicksal auf grausame Weise zuschlug, hatte die junge Familie große Pläne. Zusammen wollten sie in die Schweiz gehen, wo C. eine gute Stelle antreten konnte. Im August sollte der Umzug über die Bühne gehen. Aber die Träume zerbrachen auf die schlimmste nur vorstellbare Weise.

Manchen kommen im Gerichtsaal die Tränen, als C. beschreibt, was für ein Mensch Anna-Lena U. war. Eine starke Frau sei sie gewesen, ausgebildete Physiotherapeutin, freundlich, selbstbewusst, ein Mensch mit vielen guten Freunden. Ungerechtigkeiten und Missstände habe sie nie auf sich sitzen lassen und immer direkt zur Sprache gebracht. „Wenn irgendein Mann sie angegriffen oder belästigt hätte, sie hätte sich zu wehren gewusst und sich nicht einschüchtern lassen“, sagt Matteo C.

Musste die 29-Jährige deshalb sterben? Weil sie sich gegen die Übergriffe von Norman L. zur Wehr setzte? Die Persönlichkeit des Angeklagten deutet darauf hin. Jörg S., ein früherer Freund von Norman L., zeigt dem Gericht die jähzornige, aufbrausende Seite des Angeklagten auf, die der so vehement zu verbergen sucht. „Ungefähr drei Mal“ sei er Zeuge gewesen, wie L. seinen Töchtern „mit voller Wucht“ ins Gesicht geschlagen hatte. „Das kam so überraschend, so aus dem Nichts heraus“, sagt S. Aus Loyalität zu seinem Freund habe er darüber geschwiegen. „Ich wusste nicht, was ich machen sollte“, erklärt der Lübecker. Bei einer Gelegenheit habe er L.‘s Verlobte auf die Prügel angesprochen. Aber die sei nur ausgewichen, habe nicht darüber reden wollen.

Dass die Polizei nach dem Mord so schnell auf die Spur von L. gekommen ist, klingt im Gericht fast wie eine Fügung des Schicksals. Ein Siebenjähriger hatte am 8. Juli in Tatortnähe beim Spielen im Sand ein Cutter-Messer gefunden und es einer Kriminalbeamtin gegeben. „Das allein war schon ein unglaublicher Zufall“, erinnert sich die 33-Jährige. Mit dem Jungen, seiner Mutter und deren Freund sei sie zur Fundstelle zurückgekehrt. Dort habe man sich unterhalten, wobei der Freund beiläufig mit den Füßen im Sand scharrte — und ein Butterfly-Messer zutage förderte: die Tatwaffe, die dank DNA-Spuren zu Norman L. führte. „Das war verrückt“, sagte die Kriminalbeamtin. „Wäre mir das nicht selbst passiert, ich könnte es nicht glauben.“

„Er hat

das Leben

von drei Familien zerstört.“
Matteo C. (33),

Ehemann von Anna-Lena U. (†29)

Oliver Vogt

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