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Norddeutschland Der Wolf rückt ins Blickfeld der Politik
Nachrichten Norddeutschland Der Wolf rückt ins Blickfeld der Politik
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13:24 11.02.2016
In Schleswig-Holstein sind keine Wolfsrudel heimisch — noch nicht, wie der Nabu meint. Quelle: Fotos: Zucchi, Nietfeld/dpa
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Berlin

An Canis Lupus, oder auf Deutsch dem Wolf, scheiden sich die Geister. Die einen sind froh, dass Isegrimm nach über hundertjähriger Abwesenheit hierzulande wieder heimisch wird und entfachen geradezu eine Wolfs-Willkommenskultur. Die anderen machen sich Sorgen, weil der graue Beutegreifer eine Gefährdung für Nutztiere, etwa für Schafe und Ziegen, sowie selbst für den Menschen darstellen kann. Grimms Märchen lassen grüßen. Nachrichten über angerichtete Schäden, etwa gerissene Schafe, machen Schlagzeilen.

Für ein besseres Image des Wolfes kämpft auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die gestern ein Dokumentations- und Beratungszentrum des Bundes ins Leben rief. Es soll künftig die Länder bei neu auftauchenden Fragen rund um den Wolf unterstützen. „Deutschland ist wieder ein Wolfsland. Das ist ein großer Erfolg für uns Naturschützer. Aber es ist auch eine große Herausforderung, weil das Nebeneinander von Mensch und Wolf wieder gelernt werden muss“, meint die Berliner Ministerin.

Nach Ansicht des Wolfsexperten des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Markus Bathen, ist Schleswig-Holstein gewissermaßen ein „Wolfs-Erwartungsland“. Anders als etwa in Niedersachsen oder in Mecklenburg-Vorpommern sind im Norden noch keine Wolfsrudel sesshaft. „Noch nicht“, betont Bathen. Bislang streifen lediglich einzelne Tiere durch Schleswig-Holstein. Doch das Land zwischen den Meeren habe auf jeden Fall Ansiedlungspotenzial für Isegrimm. Vor neun Jahren wurde der erste Wolf in Schleswig-Holstein gesichtet. Es werden in den nächsten Jahren mehr, erwartet Bathen.

Als erster wurde im Vorjahr der Kreis Herzogtum Lauenburg als Wolfsgebiet ausgewiesen. Denn dort gab es bereits mehrfach Sichtungen und vor allem auch tödliche Wolfsattacken auf Nutztiere. Bei Mölln wurden vor rund einem Jahr 28 Schafe gerissen. Und wenige Wochen später gab es einen Angriff auf eine Schafherde im Kreis Rendsburg-Eckernförde, wobei 52 Tiere getötet wurden. Nach DNA-Untersuchungen wurde es zur Gewissheit: die Übeltäter waren nicht etwa streunende Hunde, sondern Wölfe. 32 Schäden bei Nutztieren wurden 2015 gemeldet. Nicht in jedem Fall konnten Wölfe als Verursacher sicher nachgewiesen werden. Den betroffenen Landwirten wurden rund 32000 Euro Entschädigung gezahlt.

Im Kieler Umweltministerium reagiert man jetzt mit einer Überarbeitung des Wolfsmanagements. Ein mit vielen gesellschaftlich relevanten Gruppen am Runden Tisch erstelltes Positionspapier nimmt die „Wiederbesiedlung Schleswig-Holsteins durch den Wolf“ mit vielfältigen Maßnahmen ins Visier. So sollen etwa die ehrenamtlichen „Wolfsbetreuer“ einen hauptamtlichen Koordinator bekommen. Der Wildpark Eekholt werde seine Erfahrungen mit Isegrimm verstärkt in die Umweltbildung einbringen.

Das Kieler Umweltministerium bietet Tierhaltern Elektro-Zaunanlagen, die sie schnell aufbauen können, um ihre Herden vor Wölfen zu schützen. Minister Robert Habeck zeigte sich einerseits zufrieden darüber, dass sich der Wolf wieder im Land ansiedeln werde. „Aber bei aller Freude darüber sage ich auch, Sicherheit geht immer vor. In allererster Linie gegenüber den Menschen, aber auch der Landwirtschaft. Es muss immer möglich sein, Schafe draußen zu halten“, betonte der Grünen-Politiker.

Reinhard Zweigler

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