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Norddeutschland Der neue Feuerwehrmann kommt aus Armenien
Nachrichten Norddeutschland Der neue Feuerwehrmann kommt aus Armenien
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11:58 17.01.2017
Wehrführer Alexander Kasch (r.) aus Klein Rönnau erklärt Karo Ghazaryan die Wasserpumpe. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
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Klein Rönnau

Alarm! „Rauchentwicklung in der DRK-Kleiderkammer!“, ruft Wehrführer Volker Urbschat (47). Gruppenführer Jannik Plath (24) zögert nicht. Seine Feuerlösch-Staffel, sechs Männer der Freiwilligen Feuerwehr Klein Rönnau (Kreis Segeberg), rückt aus. Weit hat sie es nicht: Die DRK-Kleiderkammer ist kaum zehn Meter entfernt, der Hydrant gleich daneben. Ungemein praktisch für eine Übung.

 

Karo Ghazaryan gelangte 2015 aus Armenien nach Deutschland.

„Löschwasserentnahme!“, ruft Plath. Alexander Kasch (26) und Karo Ghazaryan (40) richten den Schlauch auf das Dach der Kleiderkammer, eine Wasserfontäne sprüht hervor. Karo, ein armenischer Christ, ist erst seit einem Jahr dabei. 2015 kam er mit Frau und Kind als Asylbewerber in Klein Rönnau an.

„Auf Karo ist Verlass“, meint Urbschat anerkennend. „Er ist gerade als neues, vollwertiges Mitglied bei uns aufgenommen worden.“ Karo strahlt. Ein Jahr Probezeit liegt hinter ihm. Für ihn geht ein großer Wunsch in Erfüllung: Mitmachen, dazu gehören, Feuerwehrmann sein.

Die Abstimmung läuft

Die LN suchen im Norden monatlich nach den „Helden von hier“! Der Helfer von nebenan, die freundliche Krankenschwester, der
schnelle Handwerker als Retter in der Not: Sie bestimmen jeden Monat neu, wer Ihr persönlicher LN-Held ist.

Den Anfang machen im Januar die Feuerwehrleute. So geht’s: Kandidaten können im Internet nominiert werden. Der Kandidat wird „freigeschaltet“, wenn sein Einverständnis vorliegt. Ab dann kann abgestimmt werden.

Für den Sieger oder die Siegerin richten die LN ein Fest aus. Der Preis ist ein Pokal, der bei einer Überraschungsparty durch den Paten überreicht wird.

Und gewinnen kann auch jeder, der seine Stimme abgibt: Die LN verlosen wertvolle Preise.

Jetzt mitmachen unter www.helden-von-hier.de!

Als Flüchtling bei der Feuerwehr – damit ist Karo im Norden bislang allerdings noch eine große Ausnahme, stellt Melf Behrens vom Landesfeuerwehrverband in Kiel fest. „Ich kenne vielleicht zehn bis 20 von landesweit 1350 Freiwilligen Feuerwehren, in denen so eine Integration gelungen ist.“ Oft scheitere diese an den Sprachkenntnissen.

Bedauerlich, denn vielfach fehlt den Freiwilligen Feuerwehren der Nachwuchs. Ein Grund, warum der Landesfeuerwehrverband mit der türkischen Gemeinde das Projekt „Mehr WIR in der Wehr“ ins Leben gerufen hat. Damit sollen Menschen mit Migrationshintergrund und Flüchtlinge gewonnen werden. „Angesichts von Mitgliederschwund und Landflucht kann jede Wehr über neue Mitglieder froh und dankbar sein“, merkt Innenminister Stefan Studt an. Es sei ein zentrales Anliegen der Regierung, diese Strukturen zu stärken.

In Klein Rönnau kam der Kontakt wie von selbst zustande. „Damals bauten wir an unserem Gerätehaus“, erinnert sich der Wehrführer. Karo, dessen Deutschkurs im Nebengebäude stattfand, sah interessiert zu. Als gelernter Maurer und Stuckateur fasste er gleich mit an. Auch die Löschübungen beobachtete er neugierig. „Da haben wir ihn einfach gefragt, ob er nicht mitmachen will“, sagt Urbschat. Karo wollte: „Ich bin sehr froh, dass ich aufgenommen wurde.“

In der Truppmann-Ausbildung, die ungefähr einen Monat dauert, erwarb er die nötigen Grundkenntnisse. „Es waren noch zwei Anwärter dabei, die haben ihm geholfen“, so Urbschat. Die Prüfung hat Karo inzwischen bestanden, im September folgt der zweite Teil der Ausbildung.

Rund 15 von 25 Einsätzen hat Karo Ghazaryan vergangenes Jahr bereits mitgemacht. „Wenn es was zu tun gab, war er immer gleich vorne mit dabei“, lobt Urbschat.

Zwar ist die Feuerwehr für Karo so etwas wie eine Berufung, doch auch eine richtige Arbeitsstelle sucht er noch. „Ich hoffe, dass ich bald eine bekomme“, sagt er. Sein Deutsch ist schon recht gut, mit seiner Frau besucht er weitere Kurse.

Sie ist Buchhalterin und Industriekauffrau, kümmert sich um die dreijährige Tochter. „Ich kann ja auch nicht immer nur zu Hause sitzen“, bemerkt Karo augenzwinkernd. „Das gefällt mir nicht und meiner Frau auch nicht.“

 Marcus Stöcklin

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