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Der schwere Abschied von den Kita-Hühnern

Bad Segeberg Der schwere Abschied von den Kita-Hühnern

Die Vogelgrippe ist ausgebrochen. Die daraus folgenden Hygiene-Auflagen stellen nicht nur große Mastbetriebe vor Probleme - auch private Geflügelhalter sind betroffen. So etwa der Bad Segeberger Kindergarten St. Marien, wo die Kinder besonders traurig für die Ausgangssperre für Hühner sind.

Den kleinen Stall darf Michael Modrow, Leiter des Segeberger Kindergartens St. Marien, nur noch mit Schutzanzug betreten. FOTO: NEELSEN

Quelle: Neelsen

Bad Segeberg. Die Hühner laufen frei über das Gelände des Bad Segeberger Kindergartens St. Marien; jede Gruppe hat einen Hühnertag, an dem die Kinder den Stall ausmisten, Eier holen, die Vögel füttern und ihnen Wasser geben. Normalerweise. Doch seit die Vogelgrippe in Schleswig-Holstein grassiert, herrscht für die sieben seltenen Vorwerkhühner Ausgangssperre – für Kindergartenleiter Michael Modrow ein unhaltbarer Zustand: „Das ist Tierquälerei.“ Die Kinder hätten eine tiefe Bindung zu den Tieren aufgebaut, erklärt Modrow.

Trotzdem müssen die Hühner heute Abend geschlachtet werden. „Die Entscheidung ist schweren Herzens gefallen“, sagt er. „Es tut mir furchtbar leid. Aber es ist die einzig richtige Entscheidung. Die Kita ist ein hoch sensibler Bereich.“ Eine verendete Reiherente, infiziert mit dem hochaggressiven Erreger H5N8, war am Großen Segeberger See gefunden worden, die gesamte Kreisstadt ist nun Sperrbezirk. Die Kita liegt nur etwa 400 Meter vom See entfernt – mitten im ausgewiesenen Restriktionsgebiet. Deswegen darf Modrow die Tiere auch nicht an einen anderen Ort bringen. „Wir haben eine Verantwortung. Die steht über allem“, erklärt er.

Beim Schlachten wird Michael Modrow nicht dabei sein. „Das geht mir richtig nah“, sagt der Kita-Leiter. „Ich weiß noch gar nicht, wie ich es den Kindern beibringen soll.“ 180 Kinder werden an drei Standorten betreut, allein in der Kita an der Marienkirche sind es 120. Sie sollen im naturnahen Hort von Beginn an eine Beziehung zur Umwelt aufbauen und keine Ängste, sagt Modrow. Er möchte ihnen aber den Anblick ersparen, wie Mitarbeiter in weißen Schutzanzügen und mit Desinfektionsmittel ausgerüstet die Tiere versorgen.

„Wir müssen sehen, wie es jetzt weitergeht“, sagt der Pädagoge. „Die Trauer ist erst einmal groß.“ Er selbst sieht den Sinn der Aufstallungspflicht ein, die Bedingungen im Kindergarten St. Marien geben eine artgerechte Haltung jedoch nicht her – zumal der Zeitraum des Ausnahmezustands keineswegs abzusehen sei. „Die Arbeit mit Desinfektionsschleusen und Schutzanzügen können wir nicht leisten.“

Auch andere private Geflügelhalter sind von den Anordnungen des Kieler Landwirtschaftsministeriums betroffen. Ab morgen gelten auch für kleine Haltungen besondere Hygienemaßnahmen. Ställe dürfen nur noch mit Schutzkleidung betreten werden, vor den Eingängen müssen Desinfektionsmatten liegen oder -wannen stehen. Verstöße können mit Bußgeld bis zu 30000 Euro geahndet werden.

„Wir werden uns daran halten“, erklärt Torsten Nagel, Landesvorsitzender der Schleswig-Holsteinischen Rassegeflügelzüchter. „Wir haben kostbare Bestände. Es wird alles unternommen, sie nicht zu gefährden. Alles andere wäre fahrlässig.“ Nagel selbst züchtet seit mehr als 40 Jahren Kölner Tümmler, eine alte Taubenrasse.

„Wenn es unseren Tieren nicht gut geht, geht es auch uns nicht gut“, betont der Vorsitzende. Die Züchter umsorgen ihre Vögeln daher besonders: Die Ställe würden einmal mehr gesäubert, die Hühner bekommen zusätzlich Obst und Gemüse. Die Landesschau in Neumünster, das Aushängeschild der hiesigen Rassegeflügelzüchter, musste indes wegen der Vogelgrippe abgesagt werden. „5000 Tiere aus ganz Deutschland wären gekommen“, sagt Nagel. Er hofft nun, dass der Ausnahmezustand nicht so lange anhält.

Mit Sperrbezirken gegen die Ausbreitung der Vogelgrippe

Elf Restriktionsgebiete wurden mittlerweile in Schleswig-Holstein von den zuständigen Kreisveterinärbehörden eingerichtet. Das teilte das Kieler Umweltministerium gestern Abend mit. Neun der Zonen wurden nach Feststellung der Geflügelpest bei Wildvögeln festgelegt, zwei nach amtlich festgestellten Ausbrüchen bei Hausgeflügel. Der H5N8-Erreger ist vermutlich von Zugvögeln aus Russland nach Mitteleuropa getragen worden. Im Sommer wurde er bei Wildvögeln in Zentralrussland, in Sibirien und der Mongolei nachgewiesen.

 Jan Dresing

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