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Norddeutschland Bahn stoppt Verkehr über den Fehmarnbelt
Nachrichten Norddeutschland Bahn stoppt Verkehr über den Fehmarnbelt
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11:02 05.03.2019
Ein ICE auf der Fähre von Puttgarden nach Rødby: Ab Dezember soll damit erst mal Schluss sein. Die Züge werden über Jütland umgeleitet. Quelle: Jan Wulf
Puttgarden

Alarmstimmung auf Fehmarn und in Ostholstein: Koppelt die Bahn den Norden des Kreises vom Fernverkehr ab? Ab Dezember 2019 fahren keine Eurocity-Züge mehr über den Fehmarnbelt. Das hat der Konzern jetzt bestätigt. Ob es für die Menschen auf Fehmarn und im Nordkreis Ersatzverkehre zumindest in Richtung Lübeck gibt, steht offenbar in den Sternen.

Künftig fahren die Züge über den Großen Belt

Es seien Gleisbauarbeiten zwischen Rødby und Kopenhagen, die für die Zugausfälle sorgten, sagt eine Bahnsprecherin auf LN-Anfrage. Man habe sich daher mit der Dänischen Staatsbahn DSB abgestimmt, ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 alle EC-Verbindung über Padborg zu leiten. Das heißt: Von Hamburg aus geht es künftig über Flensburg und die Brücke über den Großen Belt nach Kopenhagen. Wie lange die Arbeiten andauern, dazu sagt die Bahn nichts.

Für Fernreisende wird die Fahrt damit sogar schneller. Sie sparen rund eine Viertelstunde Reisezeit, weil die langwierige Fährfahrt wegfällt. Ziel sei es, „eine schnelle und zuverlässige kundenfreundliche Verbindung zu gewährleisten“, sagt eine Bahnsprecherin. Doch was ist mit den Fehmaranern und mit all jenen, die bislang von Oldenburg aus mit diesen schnellen Zügen nach Dänemark oder auch nach Lübeck pendeln? Gibt es Ersatz? Oder gibt es dafür mehr oder wenigstens längere Regionalexpress-Züge?

Bislang offenbar keine Pläne für Pendler-Ersatzverkehr

Auf diese Fragen hat die Sprecherin offensichtlich keine Antwort. „Wir bitten um Verständnis, dass zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben gemacht werden können. Derzeit werden alle Einzelheiten zwischen den Beteiligten abgestimmt“, antwortet sie nur.

Er ist sauer auf die Bahn: Fehmarns SPD-Bürgermeister Jörg Weber. Die Menschen in der Region würden von dem Konzern schlecht informiert werden. Quelle: GJS

Aber mit welchen Beteiligten bloß? Die Stadt Fehmarn ist jedenfalls nicht darunter, sagt Bürgermeister Jörg Weber. Der Sozialdemokrat ist sauer: Man habe nur „davon gehört – leider nicht von der Bahn selbst“. Und trotz diverser Anrufversuche und Anschreiben habe es bislang auch noch keine Rückantwort des Konzerns gegeben.

Auch Ostholsteins CDU-Landrat Reinhard Sager ist offenbar noch nicht ins Bild gesetzt worden. „Wir gehen davon aus, dass wir als Kreis Ostholstein in die Gespräche eingebunden werden – besonders in der Frage, ob es eventuell Ersatzzüge geben wird“, sagt Sager nur. „Das ist eine Katastrophe für Oldenburg und Ostholstein. Dadurch werden wir komplett abgehängt“, sagt Oldenburgs Erster Stadtrat Jens Junkersdorf.

Auch Fährbetreiber Scandlines ist noch nicht informiert

Nachfrage bei der Bahn: Zählen zu „den Beteiligten“ also weder der Kreis Ostholstein noch die Gemeinden dort? Die Sprecherin: „Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt zu den gegebenen Informationen keine weiteren Angaben machen können.“

Erstaunlich: Auch beim dänisch-deutschen Fährbetreiber Scandlines weiß man noch nichts von den Plänen der Bahnen. „Wir haben noch keine bestätigten Informationen bekommen“, sagt Pressesprecherin Anette Ustrup Svendsen. Sicher sei: Die Fähren würden weiterfahren. Man müsse halt nur bis nach Puttgarden kommen.

„Die Bahn macht, was sie will“

Und auf der anderen Seite des Fehmarnbelts dann auch irgendwie weiter Richtung Kopenhagen. Auch im Kieler Verkehrsministerium weiß man aber bislang nur, dass die Strecke ab Dezember gesperrt wird. Das sei wegen der Gleisertüchtigung auf dänischer Seite im Zuge des Baus der festen Fehmarnbeltquerung schon lange so geplant gewesen. Für Details zu möglichen Ersatzverkehren verweist der Ministeriumssprecher an die landeseigene Nahverkehrs-Planungsgesellschaft Nah.SH. Doch deren Sprecher Dennis Fiedel weiß auch nicht viel mehr. „Das ist nicht unser Spiel“, sagt Fiedel. Beim Fernverkehr „macht die Bahn, was sie will“. Ein Ersatzverkehr sei seines Wissens nach nicht geplant. Der Nahverkehr immerhin laufe ja aber weiter.

Jörg Weber ist empört: „Wir wollen wissen, wie es weitergeht mit den Fahrzeiten von und nach Lübeck!“ Keine Antwort – aber genau so „erleben wir das mit der Bahn immer wieder“, sagt der Bürgermeister.

Wolfram Hammer und Louis Gäbler

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