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Dias haben noch immer ihre Fans

Lübeck Dias haben noch immer ihre Fans

Peter Baustian fotografierte 65 Jahre lang auf diese Weise. Er hat 14300 Aufnahmen.

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Lübeck. Aus zwei Glasscheiben und Klebeband bastelte sich Peter Baustian Anfang der 1940er Jahre seine Dia-Rahmen selbst. „Die hat man sich vom Glaser in der Größe fünf mal fünf Zentimeter zuschneiden lassen“, erzählt der begeisterte Hobby-Fotograf aus den Anfangsjahren der Diafilm-Fotografie. Diese mühselige Handarbeit übernahmen bald professionelle Unternehmen. Doch in Zukunft müssen die Freunde der analogen Technik vielleicht wieder selbst Hand anlegen, immer weniger Firmen bieten diesen Service an. Zuletzt kündigte das Oldenburger Unternehmen Cewe – nach eigenen Angaben europaweit führend im Bereich Fotoservice – an, vom kommenden Jahr an keine Dias mehr zu rahmen. Der Grund: Es gibt keine Ersatzteile für die Maschinen.

LN-Bild

Peter Baustian fotografierte 65 Jahre lang auf diese Weise. Er hat 14300 Aufnahmen.

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Ein Freund hatte Peter Baustian vor mehr als 70 Jahren auf die Diafilm-Fotografie aufmerksam gemacht. Das erste Foto stammt aus dem Jahr 1941 – 14299 weitere sollten folgen. Der 93-Jährige bewahrt sie gut sortiert in 286 Magazinen in einem Schrank auf. Kästen mit der Aufschrift „DDR-Grenze“ stehen da unter Dias von Spanien, darüber sind welche von der „Sail 89“ zu finden. Ordnung ist für den ehemaligen Bilanz-Buchhalter sehr wichtig. In einem schwarzen Ordner hat er für jedes Diamagazin eine Karteikarte. So kann er ganz schnell nachschlagen, dass das Dia mit der Bergansicht, dem Hochsitz und seiner Frau im Jahr 1975 in Ettenhausen in der Nähe vom Chiemsee (Bayern) aufgenommen wurde.

Einige Dia-Rahmen sind mit roten Punkten versehen. „Das sind die Knüller, die mir am besten gefallen“, erklärt der Lübecker. Denn die 14300 Dias bleiben nicht nur in seinem Schrank, Baustian zeigt sie auch regelmäßig bei Vorträgen der Photographischen Gesellschaft Lübeck (PGL) deren Mitglied er ist. „Ich bin bereits für vier Vorträge im Jahr 2017 angefragt“, erzählt der Rentner. Die Themen hat er sich auch schon überlegt: Typisch Gotland, typisch Mallorca, typisch Lanzarote und typisch Santorin.

Wie diese Destinationen zeigen, stammen viele von Baustians Bildern aus dem Urlaub. Der leidenschaftliche Fotograf, der schon etliche Preise gewonnen hat, hat seine Kamera immer dabei. Auch im Krieg machte er mit seiner Voigtländer Vito Bilder. „Früher konnte man alles fotografieren, selbst im Krieg“, sagt der Lübecker. „Das hat sich inzwischen geändert.“

Auch die Präsentation seiner Vorträge hat sich mittlerweile gewandelt. Der passionierte Fotograf zeigt seine Bilder über einen Beamer. 6000 Dias hat Baustian bereits digitalisiert. Auf seinem Computerbildschirm ist gerade ein Beispiel zu sehen – das Holstentor vor blauem Himmel. „Das war eines meiner ersten Dias“, erzählt der 93-Jährige. Noch immer hat er einen Dia-Projektor in seinem Arbeitszimmer stehen, im offenen Durchgang zum Wohnzimmer kann er eine Leinwand herunterziehen. Bis 2006 hat er mit Diafilmen fotografiert, dann ist auch er auf die Digitalfotografie umgestiegen.

„Man muss mit der Zeit gehen“, sagt Baustian, den die neue Technik zudem überzeugt hat. „Das ist ganz praktisch.“

Baustian ist damit keine Ausnahme, wie Ulrich Salomon, Filialleiter bei Photo Dose in Lübeck berichtet. Auch ältere Kunden wagten sich vermehrt an die neue Technik heran. Er glaubt nicht, dass die analoge Fotografie ausstirbt. „Das wird eine Nische bleiben“, sagt Salomon. Bei Photo Dose gibt es nach wie vor Diafilme zu kaufen, Dia-Projektoren sind allerdings nicht mehr erhältlich. Drei bis vier Prozent der Kunden, schätzt Salomon, kaufen noch analoge Filme. 8,99 Euro kostet ein Diafilm mit 36 Bildern.

Nicht nur ältere Kunden wählen analoge Filme, auch jüngere interessieren sich dafür. „Bei denen geht es dann eher um den künstlerischen Aspekt“, sagt Salomon. Generell liegt die analoge Fotografie bei jungen Leuten wieder im Trend. „Die finden das einfach toll“, sagt Verkäuferin Bente Möller. Einer Kundin musste sie erst einmal zeigen, wie man denn überhaupt den Film in die Kamera einlegt. Weitere Informationen wollte sich die junge Frau im Internet besorgen – bei YouTube.

Julia Konerding

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