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Die Ausbildung zum Badearzt ist kostspielig — was viele abschreckt

Malente Die Ausbildung zum Badearzt ist kostspielig — was viele abschreckt

Die Zahl der Kuren geht zurück — Für viele Mediziner lohnt sich die Zusatzqualifikation nicht mehr — Auch Dr. med Albert Zapp aus Bad Malente-Gremsmühlen spürt den Wandel.

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Albert Zapp führt seine Praxis in Malente. Er ist 67 Jahre alt — und hat schon mal an Ruhestand gedacht.

Quelle: Felix König

Malente/Scharbeutz. Schleswig- Holstein hat 36 Heilbäder. Bad Malente-Gremsmühlen trägt sogar das Prädikat Kneippheilbad. Albert Zapp führt eine eigene Praxis im Kurort.

„Ein ganzer Industriezweig für die Kurbetriebe ist verloren gegangen.“

Dr. med. Albert Zapp, Badearzt aus Bad Malente-Gremsmühlen

Er ist Badearzt. Inzwischen ist der Mediziner 67 Jahre alt — der Ruhestand sei schon ein Thema für ihn. So geht es vielen Medizinern mit der Zusatzausbildung für physische Therapie und Balneologie. Von insgesamt 82 Badeärzten in Schleswig-Holstein sind 46 über 60 Jahre alt. Das geht aus einer Liste der zuständigen kurärztlichen Verwaltungsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe hervor. Nachfolger sind rar, weil sich die Ausbildung nicht mehr lohnt. Betroffen von dem Negativtrend sind vor allem die 36 Kurorte im Land. Wenn sie keinen Badearzt, der offene Kuren verschreiben darf, in ihrer Gemeinde nachweisen können, droht der Verlust des Heilbad-Prädikats.

Die Zahl der Kuren sei total zurückgegangen. Hatte er vor Jahren noch etwa 1200 Patienten, die ambulante offene Badekuren bei ihm durchgeführt haben, kann er jetzt die jährliche Zahl der Kurgäste an einer Hand abzählen. „Ein ganzer Industriezweig für die Kurbetriebe ist verloren gegangen“, sagt Albert Zapp. Orten müsse es gelingen, durch ihre Infrastruktur Patienten anzuziehen. Ansonsten lohnen sich offene Kuren nicht mehr für einen privaten Anbieter wie den Badearzt. „Heutzutage sind offene Kuren keine Einnahmequelle mehr“, so Zapp. Er würde jedem Mediziner von dieser Zusatzausbildung abraten. „Die Kosten stehen in keinem Verhältnis mehr zu den Einnahmen“, sagt er. Viele Patienten lassen sich inzwischen lieber in Rehakliniken stationär behandeln als bei einem Badearzt. Die Behandlungsfälle in Kurorten lagen laut der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) im Jahr 2006 noch bei 112 320 bundesweit, im vergangenen Jahr ließen sich nur noch 46 073 Patienten beim Arzt behandeln.

Badearzt Klaus Nagel aus Scharbeutz ist inzwischen 74 Jahre alt. Mit ihm praktizieren noch zwei andere Badeärzte in der Gemeinde — alle sind über 60 Jahre alt. Inzwischen überlegen sich viele Mediziner drei Mal, ob sie die Zusatzausbildung machen. Die Ausbildung sei mit Geld und Zeit verbunden. Außerdem müsse die entsprechende Patientenzahl auch vorhanden sein. Ulf Heinke findet den Trend sehr schade. „Die Kur ist sehr wichtig. Das System halte ich für gut“, sagt der Badearzt aus Niendorf. Aus medizinischer Sicht lohne sich die Ausbildung, weil sie eine Zusatzqualifikation bedeutet. Er plädiert jedoch für eine kürzere Ausbildung.

Das Heilbad muss nicht nur einen praktizierenden Badearzt im Ort nachweisen, der sich mit Mooranwendungen, Heilmitteln und dem örtlichen Klima auskennt. Das Landesministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie prüft auch das Vorhandensein der örtlichen Heilmittel, eines Kurparks, einer Einrichtung zur Abgabe und Anwendung der Kurmittel, ungestörter Park- und Waldanlagen sowie einer Diätberatung während der Kurzeit. Ein Ostseeheilbad muss außerdem die Lage am Meer, klimatische Eigenschaften, eine entsprechende Luftqualität, einen gepflegten Badestrand und eine Strandpromenade vorweisen. Das Ministerium prüfte vor allem die Luftqualität und das Vorhandensein ortsgebundener Heilmittel wie das Meerwasser. Laut Ministerium kam es dabei auf Wunsch einiger Gemeinden zur Zurückstufungen vom Seeheilbad zum Seebad wie beispielsweise in Hohwacht.

Auch Scharbeutz lege wohl keinen Wert mehr auf den Status, sagt Klaus Nagel. Ein Badearzt wäre also nicht mehr erforderlich. Allgemeinmediziner Klaus Nagel bleibt jedoch seinen Patienten noch erhalten. „Ich mache weiter so lange, wie ich gesund bleibe. Ich habe ja nichts anderes gelernt“, so Nagel.

Von Beke Zill

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