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Norddeutschland Die Bäderbahn wird stillgelegt
Nachrichten Norddeutschland Die Bäderbahn wird stillgelegt
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15:22 09.10.2014
Der Bahnhof in Timmendorfer Strand kann geschlossen werden, wenn die neue Trasse kommt. Quelle: Latzel
Kiel

Der Kreis Ostholstein und vor allem die Gemeinden Timmendorfer Strand und Scharbeutz hatten bis zuletzt für eine Beibehaltung der alten eingleisigen Strecke für den Regionalverkehr gekämpft.

Hier verläuft die neue Trasse - Grafik und alle Infos zur Hinterlandanbindung

Mit Fertigstellung des Fehmarnbelttunnels sollen zwei neue elektrifizierte Gleise auf 55 der 88 Schienenkilometer zwischen Bad Schwartau und Puttgarden entstehen, voraussichtlich in Nähe der Autobahn A 1 (LübeckHeiligenhafen). Sämtlicher Personennahverkehr auf der Schiene werde auf dieser künftigen Trasse erfolgen, stellt die Landesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Patrick Breyer (Piraten) klar.

„Wir werden nicht aufgeben“, reagiert Gudula Bauer (CDU), stellvertretende Bürgermeisterin von Timmendorfer Strand. Die Verbindung sei für Berufspendler genauso wichtig wie für Urlauber. Die Bäder könnten auf die Linie nicht verzichten, zumal neue Bahnhöfe weit außerhalb der Orte liegen werden. Für Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU) hat das Land nicht überzeugend dargelegt, dass die vom Kreis gewünschte 2+1-Lösung aufgegeben werden muss. „Das Spiel ist noch nicht abgepfiffen“, zeigt sich auch Sager kämpferisch.

Der Fahrgastverband Pro Bahn verweist darauf, dass die Nachfrage auf der Bahnstrecke Lübeck — Neustadt in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. In der Sommersaison würden in Spitzenzeiten bis zu 1000 Fahrgäste pro Stunde transportiert.

Der Kieler Parlamentarier Breyer (Piraten) sagt: „Die Einstellung der Bäderbahn verschlechtert die touristische Anbindung der Bäder enorm und droht zu hohen Fahrgastrückgängen zu führen.“ Mit dieser Entscheidung verschlimmerten sich „die katastrophalen Folgen der geplanten festen Querung für die Region nochmals“.

Ein Gutachten der Bahn zeigt nach Angaben des Verkehrsministeriums, dass neue Bahnstationen wegen ihrer größeren Entfernung zu den Gemeindezentren zwar geringer frequentiert werden. Die lokalen Rückgänge der Fahrgastzahlen im südlichen Streckenabschnitt würden aber im nördlicheren Abschnitt durch die deutlich schnelleren Verbindungen aufgefangen. Die Prognose geht deshalb unterm Strich von gleichbleibenden Fahrgastzahlen zwischen Lübeck und Fehmarn aus.

Für das Kieler Verkehrsministerium ist der „Letter of Intent“ möglicherweise ein wichtiger Baustein in den Verhandlungen mit der Bahn. Mit der Vereinbarung wird ausgeschlossen, dass Güterzüge in einem Notfall über die alte Strecke geschickt werden können — beispielsweise wenn die neue Trasse nicht rechtzeitig zur Tunneleröffnung 2021/22 fertig ist.

„Solche Absichtserklärungen können Knotenlöser sein“, erklärt Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) vielsagend. Mit der Stilllegung der Strecke erlischt die Betriebsgenehmigung. Ein öffentlicher Schienenverkehr darf dann nicht mehr stattfinden.

Curd Tönnemann

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