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Norddeutschland Ab 2019 sollen alle gestrichenen Züge wieder rollen
Nachrichten Norddeutschland Ab 2019 sollen alle gestrichenen Züge wieder rollen
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20:43 26.09.2018
Ein Zug der DB auf dem Lübecker Hauptbahnhof. Bis Ende des Jahres sollen auch die jüngst wegen Lokführermangels gestrichenen Verbindungen wieder aufgenommen werden. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck/Kiel

 Die Bahn will jetzt Zugführer aus südlicheren Bundesländern nach Lübeck beordern. Etappenweise sollen dann die wegen Lokführermangels gestrichenen Morgen- und Abendverbindungen wieder aufgenommen werden. Bis Ende des Jahres sollen alle Züge wieder rollen. Das hat DB-Regio-Vorstandsvorsitzender Jörg Sandvoß gestern in Kiel versprochen.

Anfang September fehlten plötzlich 27 Lokführer

Anfang September hatte die Meldung Bahnpendler in der Hansestadt und dem Südosten des Landes aufgeschreckt: 27 Lokführer fehlen dem Verkehrsunternehmer im Norden. Allzu viele Bewerber seien in den Ausbildungen durchgefallen, Personal sei generell Mangelware. Betroffen von den Streichungen waren und sind die Strecken Lübeck-Lüneburg, Lübeck-Kiel, Lübeck-Neustadt-Fehmarn und Lübeck-Travemünde-Strand. Die Bahn musste einen Ersatzverkehr mit Bussen und Taxis einrichten.

Kiels FDP-Verkehrsminister Bernd Buchholz war auf der Zinne. Denn auch auf der Marschbahn von Hamburg nach Sylt war es schon seit Monaten zu Zugausfällen und Verspätungen gekommen. Der Liberale hatte der Bahn bereits Zahlungen gestrichen, drohte mit weiteren Strafgeldern. Gestern kam Sandvoß zum Krisengespräch nach Kiel.

Notprogramm: Von der DB Cargo zur DB Regio

Und der DB-Manager versprach Abhilfe. Nicht nur rund um Lübeck sollen die Züge demnächst wieder richtig rollen. Auch auf der Marschbahn wolle man mehr Lokführer einsetzen. Man habe bereits neun ab Mitte Oktober in den Norden beordert, 14 weitere sollen bis Jahresende folgen. Zum Teil wurden sie in der Güterzug-Sparte DB Cargo abgezogen, müssen jetzt noch auf die Triebwagen geschult werden und die Strecken kennenlernen, sagt Sandvoß. Außerdem starte man eine Ausbildungsoffensive.

In jedem Zug der Marschbahn werde zudem künftig ein Mechaniker mitfahren, der Störungen etwa an den Türen sofort beheben könne, so der DB-Regio-Vorstand. Es gebe auch mehr Personal für die Grundinstandsetzung der Züge und Triebwagen, insgesamt 23 Techniker. Reparaturen seien dann rund um die Uhr und sieben Tage die Woche möglich. Außerdem sollen neue Züge, Triebwagen und Loks eingesetzt werden.

Schleswig-Holsteins FDP-Verkehrsminister Bernd Buchholz strich der Bahn Millionenzahlungen. Jetzt verspricht der Konzern Verbesserungen. Quelle: dpa

Buchholz hofft, dass die Pendler und Bahnreisenden jetzt ordentlich bedient werden. Er werde sich das jetzt weiter sehr genau ansehen. „An den Taten werden Sie gemessen“, gab er Sandvoß mit auf den Weg. Versprechungen habe er in den letzten Monaten von der Bahn viele gehört. Erfüllt habe sich bislang keine. Er behalte sich daher vor, weitere Strafzahlungen einzubehalten – bislang sind das 2,75 Millionen Euro, die der Bahn-Vorstand gestern auch akzeptierte.

Würden die Maßnahmen der Bahn wirken, sei er aber auch bereit, mit dem Teil der Strafzahlungen, der nicht als Entschädigung an die Pendler ausgezahlt wurde und wird, die Anschaffung neuer Loks und Wagen zu unterstützen, betonte der Minister. „Wir wollen uns als Land ja nicht an den Strafzahlungen bereichern. Wir wollen, dass der Betrieb funktioniert und die Fahrgäste zufrieden sind.“

Die Bahn will Vertrauen zurückgewinnen, sagt Jörg Sandvoß

Insgesamt will die DB Region in den kommenden 15 Monaten 16 Millionen Euro für die Verbesserungen einsetzen. „Wir müssen und werden für einen verlässlicheren Betrieb auf der Strecke zwischen Hamburg-Altona und Westerland sorgen“, sagte Sandvoß. Die Bahn wolle verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Die DB Netz hatte bereits im Juli ein Sanierungsprogramm für die Infrastruktur der Marschbahn über 160 Millionen Euro angekündigt.

Wolfram Hammer

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