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Norddeutschland Großes Jubiläum: Die Ente wird 70
Nachrichten Norddeutschland Großes Jubiläum: Die Ente wird 70
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17:02 06.10.2018
Das Ehepaar Susanne (57) und Norbert Schneider (58) aus Bad Schwartau kaufte die Ente vor sechs Jahren. Gemeinsam brachten sie den Wagen auf Vordermann. Quelle: Rabea Osol
Lübeck

Sie ist mehr als nur ein Auto – die Ente verkörpert für viele auch nach 70 Jahren noch immer ein besonderes Lebensgefühl. Am 7. Oktober 1948 stellte der französische Hersteller Citroën das erste 2CV-Modell auf dem Pariser Autosalon vor. Die Besonderheit: Das Fahrzeug war robust, preiswert und funktional. Diese Eigenschaften wurden über die Jahre Teil des unverwechselbaren Charakters der Ente.

Auch der Lübecker Entenfahrer Ulrich Pluschkell weiß den Charme seines Autos zu schätzen: „Die Ente ist unheimlich spartanisch und frei von jedem Schnickschnack.“ Seine rote Charleston-Ente mit Baujahr 1987 bekam der heute 64-Jährige vor zwölf Jahren von seiner Frau zum Geburtstag geschenkt. Seitdem fahren die beiden häufig gemeinsam mit dem Auto durch Europa. Reiseziel sind vor allem die Welt-Enten-Treffen. So tourte das Ehepaar bereits quer durch Skandinavien, das Baltikum sowie durch Tschechien, Frankreich und über die Alpen bis nach Italien. „Das geht aber nur, wenn man sagt, der Weg ist das Ziel“, erklärt Pluschkell. Es ginge in erster Linie darum, das besondere Fahrgefühl zu genießen.

Im Norden pflegen Entenliebhaber ihre fahrenden Schätze

Auch Entenfahrerin Beate Schelewski aus Lübeck findet: „Sobald man einsteigt, hat man Urlaub.“ Sie und ihr Mann Norbert lernten sich Ende der 90er Jahre bei einer internationalen Enten-Tour auf Island kennen. Im Jahr 2000 ließen sich die zwei dann in Lübeck nieder und teilen seither die gemeinsame Leidenschaft. Ihr Charleston-Modell von 1989 kauften sie vor 11 Jahren. In der Freizeit unternehmen die Schelewskis gern Fahrten durch Norddeutschland mit anderen Oldtimer-Freunden. Aber auch quer durch Europa sind sie schon in ihrer Charleston gereist. Die nötige Unterkunft ist stets dabei: Die Rückbank haben sie ausgebaut und den Kofferraum zu einem Bett umfunktioniert. Eine passende Matratze wird dann bei Bedarf einfach hineingelegt und fertig ist das eigene kleine Hotel.

Einen etwas größeren Umbau an ihrer Ente hat die Lübeckerin Uschi Winkelmann vor 18 Jahren vornehmen lassen. Aus einem viertürigen 2CV-Modell wurde ein Cabrio mit zwei Sitzen. Winkelmann kaufte ihr Auto 1988 im Neuzustand und fährt es mittlerweile seit über 30 Jahren. Im März diesen Jahres erhielt das gute Stück sogar ein Oldtimer-Kennzeichen. Darauf ist die 75-Jährige besonders stolz. Mit ihrem Auto hatte sie viele schöne Erlebnisse, wie zum Beispiel zwei Reisen nach Sylt. Hauptsächlich jedoch ist sie mit ihrer Ente in und rund um Lübeck unterwegs. Besonders gern fährt Winkelmann im Sommer ohne Verdeck. „Offen zu fahren ist einfach der Wahnsinn!“, schwärmt sie.

In Bad Schwartau macht Norbert Schneider Eindruck mit seiner Charleston-Ente. Das französische Auto prägte schon seine Kindheit. Der 58-Jährige erinnert sich an Familienreisen im Auto über die Alpen bis nach Italien. Aber auch zum Schlitten ziehen durch Wald und Wiesen eignete sich die Ente der Eltern bestens. So war auch Schneiders erstes Auto eine Ente, mit der er während seiner Ausbildung regelmäßig zwischen Hannover und seinem Heimatort nahe Göttingen pendelte. In seiner Studienzeit begann Schneider, Entenmodelle zu sammeln, was er seither mit Spaß verfolgt.

Die Ente, die er heute fährt, kaufte er vor zwölf Jahren mit seiner Frau Susanne. Das Ehepaar brachte den Wagen gemeinsam auf Vordermann und ist noch heute stolz auf das individuelle Design. Dass die Ente auch bei anderen gut ankommt, erleben die Schneiders oft auf ihren Tagestouren durch Norddeutschland. Susanne Schneider berichtet: „Am schönsten ist es immer, wenn man durch die Gegend fährt und die Leute sich freuen. Da freut man sich einfach mit!“ Auch die anderen Entenfahrer wissen aus Erfahrung: Das Auto vermittelt eine positive Grundstimmung. Wo immer man hinschaut, erfreuen sich die Menschen am außergewöhnlichen Erscheinungsbild der legendären Ente.

Die Ära der Ente

Vor 70 Jahren brachte der französische Autohersteller Citroën die ersten 2CV-Modelle auf den Markt. Vier Personen und 50 Kilogramm Kartoffeln sollten problemlos mit Tempo 60 und „einwandfreiem Komfort“ transportiert werden können.

Der entscheidende Siegeszug der Ente begann in den 50er Jahren. Insgesamt wurden mehr als fünf Millionen Exemplare bis zum Ende der Produktion hergestellt. Auch die Lieferwagenversion, die sogenannte Kastenente, kam gut bei den Käufern an.

Im Ausland verkörpert das französische Auto ein Stück Frankreich – so wie Rotwein und Gauloises. Im Heimatland selbst ist es noch immer ein Symbol für die „30 glorreichen Jahre“ der Nachkriegszeit.

Viele Abenteurer fuhren schon mit einer Ente rund um die Welt. Und auch die Filmindustrie nutzte den Charme des 2CV: Louis de Funès saß als „Gendarm von Saint-Tropez“ am Steuer, sowie Roger Moore als James Bond im Film „Tödliche Mission“.

Das Design der Ente wurde über die Jahre immer wieder an Farbtrends angepasst und der Motor erhielt mehr Leistung. Die klassische Form blieb jedoch immer dieselbe.

1990 rollte in Portugal die letzte Ente vom Produktionsband. Ihren Kultstatus trägt sie bis heute.

Rabea Osol

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