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Norddeutschland Die Friesen kommen – von Föhr in die USA
Nachrichten Norddeutschland Die Friesen kommen – von Föhr in die USA
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20:42 07.08.2017
Jan Hinrichsen deutet auf ein Bild, das seine Familie Anfang der 50er Jahre auf einem Auswandererschiff zeigt. Quelle: Foto: Carsten Rehder/dpa
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Dunsum auf Föhr

Grog oder Pharisäer? Gibt es auch auf Föhr, doch typisch Föhr ist der Manhattan, finden viele Insulaner. Denn er erinnert an ein ganz besonderes Stück Geschichte der Insel: Die Zeit der Amerika-Auswanderer. Es gibt wohl keine alteingesessene Familie auf Föhr und auch Amrum, von der nicht mindestens ein Angehöriger in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert ist. Das Auswandererhaus in Bremerhaven hat den friesischen Auswanderern vor einiger Zeit sogar eine Sonderausstellung gewidmet.

Wenn das Einkommen nicht reichte, fuhren viele Männer zur See. Als die Zeit des Walfangs Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Zenit überschritten hatte, fing die Zeit der Auswanderungen an. Viele der Ausgewanderten kamen später zurück auf die Insel – auch die Vorfahren von Jan Hinrichsen. Der großgewachsene Mann steht auf seinem Hof in Dunsum auf Föhr. Seinen Ururgroßvater zog es 1865 als Baumfäller nach New Orleans. „Nach 15 Jahren ist er wiedergekommen“, erzählt der Ururenkel. „Er hat sein verdientes Geld in einen Friesenhof auf Föhr investiert.“ Sohn Robert Hinrichsen ging 1909 zurück in die USA und arbeitete in Jacksonville als Barkeeper, bevor er nach Föhr zurückkam, um den Hof in Klein Dunsum weiter zu bewirtschaften.

Jan Hinrichsens Opa Harry ging 1928 in die USA, wo er ein Delikatessengeschäft im New Yorker Stadtteil Bronx eröffnete. Wegen der vielen Insulaner, die bereits da waren, war es auch nicht weiter tragisch, dass er weder Deutsch noch Englisch sprach, sondern nur Friesisch. Dank der „Friesen-Connection“ kein Problem. Deutsche Großstädte schienen da weiter weg, wie auch der Titel der Ausstellung im Auswandererhaus 2011 suggerierte: „Nach New York: ,In Hamburg kannten wir doch keinen’“.

An die Amerika-Zeit der Hinrichsens erinnern neben Fotos verschiedene Dokumente, die beim Aufräumen des Dachbodens auftauchten. Ein Arbeitszeugnis beispielsweise oder ein Zertifikat, in dem der Urgroßvater Kaiser Wilhelm II. abgeschworen hatte, damit er in den USA arbeiten durfte. Opa Harry Hinrichsen kam mit Sohn und Frau nach dem Zweiten Weltkrieg nach Föhr, es blieb aber bei einem Besuch. „Meiner Oma hat es nicht gefallen. Es war ihr zu rückständig“, sagt Hinrichsen Junior.

Den Vater des jetzigen Hofbesitzers, in der Bronx geboren und echtes New Yorker Stadtkind, zog es Ende der 1950er Jahre zurück auf die Insel und den Hof seiner Vorfahren. Das müsse schon ein kleiner Kulturschock gewesen sein, mutmaßt Jan Hinrichsen. In New York hatten die Hinrichsens einen Farbfernseher und eine Waschmaschine. „In Klein Dunsum gab es nicht einmal fließend Wasser und nur ein Telefon im ganzen Dorf.“

In die USA, wo noch nahe Verwandtschaft lebt, zieht es Jan Hinrichsen nicht auf Dauer. Zum Studium der Landwirtschaft war er allerdings auch da. Und die sechste Generation Amerikafahrer bei den Hinrichsens steht ebenfalls in den Startlöchern: Die älteste Tochter der Hinrichsens geht als Aupair-Mädchen in die USA.

LN

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