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Norddeutschland Die Frühlingskur für das Fahrrad
Nachrichten Norddeutschland Die Frühlingskur für das Fahrrad
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00:04 06.03.2016
Bunte Helme mit kleinen Extras wie eingebautem Rücklicht sind besonders gefragt, wie David Nolte (27) zeigt.
Lübeck

Die Klingel ziert eine kleine pinke Häkelbordüre, am Weidenkorb auf dem Gepäckträger ranken Blüten und das Hinterrad ist mit einem bunten Häkelschutz verziert. An Kathi Haas‘ „Sonntagsschlitten“, wie sie ihr Fahrrad für die Feiertage nennt, bleiben die Blicke hängen. „Meine Mama hat den Schutz selbst gehäkelt, in totaler Kleinstarbeit, und ihn mir dann zu Weihnachten geschenkt“, sagt die 28-Jährige, die den Lübecker Fahrradblog „2Rad“ betreibt und für ihre Fotos gerade mit dem Deutschen Fahrradpreis ausgezeichnet worden ist. Nach genauerer Betrachtung der hiesigen Fahrradszene ist ihr aufgefallen, dass die Lübecker seit ein, zwei Jahren immer kreativer mit ihren Drahteseln werden: Dass sie die Fahrräder zunehmend mit kleinen Details individualisieren. „Besonders in ist es jetzt, sich Obstkörbe oder Vintage-Holzkisten auf die Gepäckträger zu schnallen“, sagt Haas. Aber auch Accessoires wie anklemmbare kleine Blumenvasen, Getränkehalter oder Vintage-Sattel treten verstärkt auf. „Das Fahrrad ist inzwischen ein richtiges Trend-Objekt geworden“, sagt die Bloggerin. „Egal, ob auf Kleidung oder Aufklebern, überall taucht es als Symbol auf.“

Die Klingel ziert eine kleine pinke Häkelbordüre, am Weidenkorb auf dem Gepäckträger ranken Blüten und das Hinterrad ist mit einem bunten Häkelschutz verziert.

Inspirationen fürs Rad

Auf dem Blog „2Rad Lübeck“ ist zu sehen, wie Fahrradfahrer ihre Stahlrösser mit liebevollen Details ausgestattet haben: https://www.facebook.com/luebecks2radler/. Auch in Hamburg gibt es unter dem Namen „We are Traffic“ ein Blogprojekt, bei dem stolze Fahrradfahrer ihre vielfältigen Drahtesel präsentieren: http://www.wearetraffic.de/

Dass die Wertschätzung des zweirädrigen Stahlrosses zunimmt, beobachtet auch David Nolte vom Lübecker Fahrradgeschäft Rückenwind. „Es wird immer mehr zum Statussymbol“, sagt der Geschäftsinhaber.

Viele Kunden wünschten auf einmal nicht nur eine hochwertige Ausstattung, sondern hätten auch immer häufiger ausgefallene Technikwünsche. „Und auch das Sicherheitsbewusstsein hat zugenommen, wo dann verschiedene Accessoires ins Spiel kommen“, sagt Nolte. Sicherheitswesten, Reflektorbänder — und vor allem bunte Helme. „Wir sind selbst überrascht davon, wie groß die Nachfrage plötzlich ist“, sagt der 27-Jährige und zeigt ein Modell, das gerade besonders beliebt ist: Auf der Rückseite hat der Helm ein Rücklicht, unter dem eine Art „Kofferraum“ eingebaut ist. Darin ist ein Regenschutz für den Kopfschutz versteckt. Aber nicht immer geht es nur um Sicherheit, häufig auch einfach um nettes Aussehen. „Die bunten großen Klingeln und die Sattelüberzüge sind schon länger der Renner“, sagt Nolte.

Das kann Chris Tiede vom Fahrradgeschäft MTB Market in Lübeck bestätigen. Neben Dingdong-Klingeln und Skater-Helmen mit Marienkäfer- oder Melonenmuster sind hier neuerdings auch Handtaschen für Fahrräder sehr gefragt. „Die gibt es dann, wenn man möchte, farblich passend und mit Halterung“, sagt Tiede. Auch verschiedenfarbige Stoff- oder Weidekörbe bauen die Fahrradfahrer neuerdings an ihre Drahtesel, doch da muss man mit dem Wetter aufpassen: „Da die Körbe aus Naturmaterialien sind, sollte man sie besser nicht zu sehr der Witterung aussetzen“, sagt der 35-Jährige. Auch Blumenverzierungen seien nach wie vor sehr beliebt.

Blumen hatte Kirsten Prüß noch nie an ihrem Fahrrad, einem schlanken, schwarzen Chopper, dafür aber andere individuelle Details. Das tiefer gelegte Fahrrad mit den dicken Reifen ist so schon ein Hingucker, doch die 38-Jährige hat noch ein paar Raffinessen eingebaut: Die Lampe ist eine alte umgebaute Motorradlampe, der Lenker von einem alten BMX-Rad, die Halterungen mit rotem Glitzer sind ebenfalls „Vintage“ und die Klingel sieht aus wie eine schwarze Billardkugel. „Das ist komplett Marke Eigenbau“, sagt die überzeugte Fahrradfahrerin — die unter anderem Büxstrap-Hosenschutz aus Recycling-Materialien entwickelt hat. Denn wenn auch bei den Fahrradfahrern der Frühling ausbricht: Auf schlechtes Wetter sollte man trotzdem immer vorbereitet sein.

Von Lena Modrow

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