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Nachrichten Norddeutschland Die Glücksfee aus der Lotto-Zentrale
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21:57 18.05.2016
Bei Regina Uhls Job hätte es doch ein bisschen mehr sein dürfen, also Glück. Denn Glück ist ihr Job. Sie ist die Lotto-Glücksfee von Schleswig- Holstein.

Regina Uhl (55) spielt regelmäßig Lotto, seit 36 Jahren schon. Einmal hat sie 1000 Mark gewonnen. „Zu D-Mark-Zeiten. Damit konnte ich eine große Rechnung bezahlen.“

Regina Uhl gratuliert den Gewinnern als Erste. Den LN erzählt sie, was sie bei ihrem Job am Telefon alles zu hören bekommt.

Was für ein Glück! Obwohl: Bei Regina Uhls Job hätte es doch ein bisschen mehr sein dürfen, also Glück. Denn Glück ist ihr Job. Sie ist die Lotto-Glücksfee von Schleswig- Holstein.

„Der anonyme Spielkunde meldet sich telefonisch bei uns“, verrät die Angestellte von Nordwest-Lotto in Kiel. „Das nehme ich dann auf, vergleiche Spielauftragsnummer und Anschrift.“ Und dann gratuliert sie. „Ich sage: ,Herzlichen Glückwunsch.’ Und die Leute sind erleichtert und aufgeregt.“

Kein Wunder. Nicht selten geht es um Millionengewinne. „Wir hatten im Land alleine dieses Jahr schon fünf Lotto-Millionäre“, sagt Uhls Kollege, Lotto-Anwalt Florian Blömer (37). In den letzten zehn Jahren gab es 44 Lotto-Millionäre aus Schleswig-Holstein. Und im vorigen Jahr wurden 126 Millionen Euro an Gewinnen ausgeschüttet.

Die Reaktionen der Glücklichen bekommt Regina Uhl am Telefon natürlich mit. „Eine ältere Dame sagte mal zu mir: ,Ich bin jetzt 71. Das hätte mich doch ein paar Jahre früher treffen können!’“ Wie hoch der Gewinn war? „Ein paar Milliönchen waren es schon.“

Neidisch sei sie aber nie. „Gar nicht. Dann sollte man den Job nicht machen“, findet Regina Uhl. „Man freut sich mit.“ Manche der plötzlich unverhofft reich gewordenen Anrufer sind so gut aufgelegt, dass sie gleich Spendierhosen anhaben. „Dürfen wir Ihnen was Gutes tun?“, werde sie gelegentlich von den Gewinnern gefragt, so Uhl. „Das muss man dann ablehnen.“ Florian Blömer zuckt die Achseln. „Das ist der Job.“ Reich wird man nicht, dafür ist man wer. Nur 15 weitere Glücksboten gibt es in Deutschland, pro Bundesland einen. Sie erfahren, wie Regina Uhl, oft als Erste, was die Gewinner mit dem Geld vorhaben. Zum Beispiel: „Ein Eigenheim kaufen, eine schöne Reise“, entsinnt sich Uhl. Bei manchen Älteren sei der erste Gedanke, früher in Rente gehen zu können. Das Luxus-Auto als Wunsch werde dagegen nicht so häufig genannt.

„Wenn es weniger Geld ist, so um die 100000 Euro, sagen die Leute: ,Es hätte ja etwas mehr sein können. Aber typisch: Wenn ich gewinne, ist die Kasse leer.’“ 400000 Euro dagegen seien eine Summe, die nicht mehr in Frage gestellt werde. Uhl: „Prima“, höre ich dann. „Das ist toll. Damit kann ich was anfangen.“

Kaum jemand wolle spontan der dritten Welt helfen oder etwas für die Armen tun. „So weit sind die Anrufer in dem Moment noch nicht“, nimmt die Lotto-Dame ihre Gewinner in Schutz. „Mit so einem Ereignis muss man erst mal klarkommen. Das ist schon ein einschneidendes Erlebnis.“ Manchmal muss man sich direkt Sorgen machen: „Wenn es um größere Summen geht, raten wir, das lieber zu verschweigen und nur von einer kleineren Summe zu sprechen“, sagt Blömer. Es sei auch ratsam, mit den frisch gewonnenen Lottomillionen zu einer größeren Bank zu gehen. „Das fällt dort weniger auf.“ Die Gewinner in Schleswig-Holstein seien jedoch allesamt bisher sehr vernünftig gewesen. Blömer weiß von keinem Fall, in dem jemand sein neues Vermögen gleich verjuxt habe.

Auch er spiele im übrigen regelmäßig Lotto, bekennt der Anwalt. Sein höchster Gewinn betrug bisher 10,80 Euro. Während Regina Uhl von einer Eigentumswohnung träumt, würde Blömer von einem eventuellen Hauptgewinn sein Haus abbezahlen. Und sonst? „Tja“, überlegt er. „Was würde ich denn damit machen? Hmm . . .“

 Marcus Stöcklin

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