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Norddeutschland Die Kassette hat noch immer viele Fans
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21:16 17.06.2016
Die Lübeckerin Ina Eschenburg (29) hört auf Kassette am liebsten „Die drei Fragezeichen“. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen (2), Olaf Malzahn, Alexander Heinl/dpa

Es ist ein festes Zu-Bett- geh-Ritual: Jeden Abend sucht sich Lasse (2) eine Kassette von Benjamin Blümchen oder Bibi Blocksberg aus, steckt sie in seinen roten Rekorder und lauscht dann zusammen mit seiner Schwester Finnja (1) der Geschichte. So wie es seine Mutter Nadine Siebuhr früher auch gemacht hat. Die Sereetzerin ist mit den Tonträgern groß geworden.

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Mark Forster will sein neues Album auf dem alten Tonträger herausbringen. Auch im Norden halten viele Liebhaber der Technik die Treue.

1991, als die Musikkassette (MC) ihre absolute Hochzeit hatte, war sie fünf Jahre alt. 78,4 Millionen Exemplare wurden in dem Jahr nach Angaben des Bundesverbands Musikindustrie deutschlandweit verkauft. Seitdem sind die Verkaufszahlen gesunken. Im vergangenen Jahr gingen nur noch rund 100000 Exemplare über die Ladentheken, erneut ein Minus von 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Aber es gibt immer noch viele Kassetten-Liebhaber, die regelmäßig zu den alten Tonträgern greifen – auch im Norden. Der Lübecker Andreas Liebert zum Beispiel kauft sich die Alben seiner Lieblingsbands am liebsten auf MC. Doch das ist gar nicht so einfach. „Es gibt kaum große Bands, die noch Kassetten herausbringen“, sagt der 29-Jährige. Die amerikanische Indie-Rock-Band Death Cab for Cutie sei eine der wenigen Ausnahmen, und auch der deutsche Sänger Mark Forster hat kürzlich angekündigt, dass es sein neues Album „Tape“ auf MC geben wird.

„Kassette ist einfach cool. Ich bin damit groß geworden, habe Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen gehört“, sagt Liebert. Natürlich habe seine Leidenschaft für das alte Medium viel mit Nostalgie zu tun. „Kassette zu hören, das ist für mich im Schneidersitz vor einer Stereoanlage zu sitzen und auf Play oder Record zu drücken“, sagt er. „Oder einen Bleistift zu nehmen und das Band einzudrehen, wenn es mal wieder herausgeflattert ist.“ Der BWL-Student macht selbst Musik und betreut zudem mehrere andere Bands. Zwei von ihnen hat er bereits davon überzeugen können, ihre Musik auf Kassetten zu veröffentlichen.

Auch Ina Eschenburg greift immer mal wieder zur Kassette – am liebsten ganz klassisch zum Schlafengehen. „Ich habe als Kind viel ,Die drei Fragezeichen’ gehört. Mit 16 oder 17 Jahren habe ich die Serie dann wieder für mich entdeckt“, sagt die heute 29-Jährige. Seitdem hält sie in Elektromärkten immer Ausschau, ob es dort noch Kassetten über das Junior-Detektivteam gibt. 13 Stück hat sie inzwischen zusammen, ihre bisher letzte ergatterte sie vor ein paar Monaten bei Saturn in Lübeck.

Manchmal höre sie „Die drei Fragezeichen“ auch über den Streamingdienst Spotify. Aber das sei doch etwas anderes, schon weil dabei das klassische Seitenwechseln fehle. Zudem habe die Kassette noch einen praktischen Vorteil: „Der Rekorder geht von alleine aus, wenn die Kassette zu Ende ist“, sagt die Lübeckerin. „Dann ist es nicht so schlimm, wenn ich während des Hörens einschlafe.“

Die meisten Kassetten, die Nadine Siebuhr ihren Kindern vorspielt, stammen noch aus ihrer eigenen Kindheit – genauso wie die beiden dazugehörigen Aufbewahrungskoffer. Ihre Mutter hat alles aufgehoben, nur den Rekorder hat sie extra auf dem Flohmarkt gekauft. „Beim Hören der Kassetten kommen Erinnerungen hoch“, berichtet die 29-Jährige. „Als ich das erste Mal wieder eine Kassette für meine Kinder angemacht habe, war es, als hätte ich sie gestern erst gehört.“ Wenn Lasse und Finnja mal krank sind, läuft der Rekorder sogar den ganzen Tag. „Kassetten sind die beste Medizin“, sagt Nadine Siebuhr und lächelt. „Das war bei mir früher schon so.“

Umsatz sinkt weiter

525 Millionen Euro Umsatz wurden 1991 laut dem Bundesverband Musikindustrie allein in Deutschland mit Kassetten gemacht. Es war der Spitzenwert. Seitdem geht es abwärts. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz nur noch bei rund einer Million Euro, ein Minus von 21 Prozent im Vergleich zu 2014. Einige prophezeien der Kassette allerdings ein ähnliches Comeback wie der Schallplatte. Deren Umsätze stiegen 2015 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 30 Prozent auf 50 Millionen Euro.

Janina Dietrich

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