Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Kitas im Land gut mit Personal versorgt
Nachrichten Norddeutschland Kitas im Land gut mit Personal versorgt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:37 28.08.2018
Kinder spielen in der Awo-Kita „Hanna Lucas" in Wedel in einem bunten Bällebad. Eine Studie besagt jetzt: Der Personalschlüssel an den Kitas und Krippen in Schleswig-Holstein hat sich in den vergangenen Jahren verbessert. Quelle: dpa
Kiel

Schleswig-Holsteins Kitas und Krippen stehen hinsichtlich ihrer Personalausstattung gut da. Das geht aus Zahlen der jüngsten Bertelsmann-Studie hervor. Der Personalschlüssel, also die Zahl der betreuten Kinder pro Fachkraft, verbesserte sich demnach seit 2012 leicht – und das, obwohl nach Zahlen des Statistikamtes Nord jetzt deutlich mehr Kinder die Kitas und Krippen besuchen. Der drohende Fachkräftemangel könnte die Lage allerdings verschlechtern.

„Pädagogische Fachkräfte sind nicht vorhanden“

Bis 2025 würden bundesweit mindestens 260 000 pädagogische Fachkräfte zusätzlich benötigt, rechnet etwa der Städte- und Gemeindebund vor. „Diese Fachkräfte sind nicht vorhanden und können auch nicht kurzfristig ausgebildet werden“, sagt dessen Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), zu dem auch die Lübecker Nachrichten gehören.

Und das, obwohl immer mehr Kinder in die Kindertageseinrichtungen drängen. So gibt es allein in Schleswig-Holstein heute 45 Prozent mehr Krippenkinder – das sind Kinder bis zu drei Jahren – als noch 2013. Insgesamt seien es jetzt 25 648. Allein im vergangenen Jahr stieg ihre Zahl um sieben Prozent an. 76 Prozent dieser Krippenkinder besuchten eine Gruppe in einer Einrichtung, 24 Prozent wurden von einer Tagesmutter betreut. 45 Prozent von ihnen wurden pro Tag sieben Stunden oder länger betreut. 2013 hatte diese Quote noch bei 40 Prozent gelegen.

Trotz dieser immer höheren Nachfrage ist es Trägern und Kommunen in Schleswig-Holstein bislang gelungen, den Personalschlüssel immer weiter zu verbessern. Kamen zum 1. März 2012 rechnerisch vier ganztagsbetreute Krippenkinder auf eine Fachkraft, waren es am 1. März 2017 nur noch 3,7 Kinder. In Kindergartengruppen waren es 2012 noch 9,1 Kinder pro Fachkraft, 2017 waren es nur noch 8,4. Zugleich bekamen immer mehr Kita-Leitungen Entlastungsstunden zugebilligt, in denen sie sich nur um die Verwaltung ihrer Einrichtung kümmern können. Nur 13 Prozent der Kita-Leitungen im Norden müssen derzeit noch ohne solche Verwaltungsstunden auskommen, 2014 waren es 28 Prozent.

Auch im Bundesvergleich stehe Schleswig-Holstein damit gut da, heißt es bei der Bertelsmann-Stiftung. Spitzenreiter bei der Personalversorgung der Krippen und Kitas ist weiterhin Baden-Württemberg (eins zu 3,1 und eins zu 7,1), Schlusslicht bei den Krippen ist Sachsen (eins zu 6,4), bei den Kitas Mecklenburg-Vorpommern (eins zu 13,4). Auch innerhalb der Bundesländer gebe es Unterschiede. So liege der Personalschlüssel in den Kitas in Dithmarschen bei eins zu 7,2, in Nordfriesland bei eins zu 9,7. In den Krippen liege er in Dithmarschen bei eins zu 3,3, in Neumünster bei eins zu 4,1.

GEW und Stiftung fordern weitere Erzieher-Stellen

Trotz dieser Zahlen rät Jörg Dräger, Geschäftsführer der Stiftung, den Verantwortlichen im Norden, noch 1580 weitere Erzieher- und 373 Vollzeit-Leitungsstellen zu schaffen. Kosten: 93 Millionen Euro pro Jahr. Um das zu finanzieren, solle der Bund einspringen. Nur so könnten bundesweit einheitliche Qualitätsstandards in der frühkindlichen Bildung gesichert werden. Die Gewerkschaft GEW fordert von der Landesregierung in Kiel ebenso wie die Stiftung die Festschreibung eines Betreuungsverhältnisses von eins zu drei in Krippen und eins zu 7,5 in Kitas.

Dass Land und Kommunen diesen Wünschen nachkommen, gilt als unwahrscheinlich. Derzeit verhandeln sie über eine große Kita-Finanzreform, an deren Ende die Qualität verbessert und gleichzeitig Eltern und Kommunen von Kosten entlastet werden sollen. Kiels FDP-Familienminister Heiner Garg sieht den Kurs der Jamaika-Regierung bestätigt. Schleswig-Holstein stelle bereits im laufenden Jahr deutlich mehr Landesmittel für den Kitabereich zur Verfügung und steigere diese in den kommenden Jahren weiter auf insgesamt 481 Millionen Euro Extra bis 2022. Jetzt müsse aber auch der Bund nachbessern, „wenn er zu echten Qualitätsverbesserungen in den Kitas beitragen will“, sagt Garg. Die CDU-Landtagsabgeordnete Katja Rathje-Hoffmann will im Zuge der Kita-Reform des Landes vor allem auch die großen regionalen Unterschieden in Schleswig-Holstein ausbügeln.

SPD: Jamaika-Regierung ist ideenlos

Kritik kommt von der SPD-Opposition. „Die Antwort auf die Frage, wie diese Landesregierung den Fachkräftemangel in diesem Bereich konkret entgegenwirken will, bleiben CDU, FDP und Grüne den Menschen in Schleswig-Holstein weiterhin schuldig“, sagt die SPD-Sozialpolitikerin Serpil Midyatli. Es müsse wieder attraktiv werden, Erzieherin oder Erzieher werden zu wollen. „Deshalb will die SPD, dass die Ausbildung in Zukunft vergütet wird. Bis auf bloße Ankündigungen der CDU-Bildungsministerin fehlt dazu im Land aber bisher ein Umsetzungsplan.“ Jamaika sei „ideenlos“, und auch ein Einstieg in die Beitragsfreiheit für Eltern sei mit dieser Koalition offensichtlich nicht zu machen, klagt die Sozialdemokratin.

Wolfram Hammer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schon die Getreideernte war schlecht, jetzt lässt auch die Maisernte zu wünschen übrig. Das trifft viele Bauern im Land hart.

28.08.2018

Er kann’s nicht lassen: FDP-Grande Wolfgang Kubicki mischt sich auch von Berlin aus in die Debatte um den SPD-Landesvorsitz ein – und rät seinem langjährigen Lieblingsfeind Ralf Stegner zum Rückzug.

28.08.2018

Zehn Striche und ein Drohnensymbol auf dem Raketenstarter der Fregatte "Lübeck" sorgen für Rätselraten bei Militär-Bloggern und auf Twitter. Die Abzeichen waren bei einem Nato-Einsatz zur Schleuser-Jagd in der Ägäis entdeckt worden.

28.08.2018