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Norddeutschland Die Meisterschaft der Melker
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13:14 25.04.2018
Teilnehmerin Ida Krüwel legt das Melkgeschirr an. Ihr macht die Arbeit mit den Tieren viel Spaß. Quelle: Foto: Philipp Schulze/dpa
Echem

Spitzentiere liefern im Jahr mehr als 14 000 Liter, die Durchschnittsleistung liegt hierzulande bei etwa 8000 Litern. Einen gewichtigen Anteil haben die Melker, alle zwei Jahre suchen sie ihre Besten. Der 35. Bundeswettbewerb im Melken wird seit Sonntag in Niedersachsen ausgetragen, in Drage und in Echem.

„Es gibt zwei verschiedene Typen von Melkständen im Wettkampf“, sagt Agrar-Ingenieurin Nicola Vohralik von der Deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft (DLG), die den Wettbewerb veranstaltet. „Das hier ist ein Fischgräten/Side by Side-Kombimelkstand speziell für die Ausbildung“, sagt sie in der lichtdurchfluteten Halle. Die Tiere stehen dabei schräg in Fischgrätenanordnung oder mit dem Hinterteil zur Melkergrube in der Mitte, sechs Holsteiner auf jeder Seite. „Auch drehbare Karussell-Melkstände gibt es, aber nicht hier im Wettkampf.“

Die drei niedersächsischen Teilnehmer zeigen gerade ihre Fertigkeiten, sie vertreten Bremen mit. Ida Krüwel ist 19 Jahre alt und kommt aus Hasbergen bei Osnabrück. „Als erstes melken wir vor, dann wird die Milch untersucht“, erklärt die fröhliche junge Frau den Journalisten beim Schaumelken, der eigentliche Wettbewerb soll nicht gestört werden. Das Vormelken geschieht mit der Hand, wie früher.

Nach dem Reinigen der Zitzen setzt Krüwel kundig die sogenannten Melkbecher des Geschirrs an. Die Pumpen laufen, auch bei den anderen beiden Kandidaten beginnt die Milch durch die Schläuche zu strömen.

„Das ist perfekt, wir haben es hier mit wahren Kuhflüsterern zu tun“, sagt Richter Klaus-Dieter Quade. „Sie haben die Kühe gut vorbereitet, so dass sie die Milch gern hergeben.“ Der Melker müsse Gefühl für die Tiere haben, betont Quade. „Er muss ruhig sein, damit er keinen Stress verbreitet, das ist das wichtigste.“ Es geht um Abschnitt 2b „Kontaktaufnahme und Umgang mit der Kuh“ auf dem Bewertungsbogen.

Das Ausbildungszentrum kann sich über mangelnden Nachwuchs nicht beklagen, im Gegenteil. Bereits etwa 20 Prozent sind Frauen. „Der Umgang mit Tieren und Maschinen lockt mich, auch die Abwechslung“, sagt Krüwel, sie möchte Landwirtschaft studieren.

Insgesamt 36 Teilnehmer haben sich bei den Landesentscheiden für das Finale qualifiziert. Der Gewinner muss nicht nur melken können, sondern auch umfassende Fachkenntnisse in der Milchproduktion samt Hygiene-Vorschriften vorweisen. Der eigentliche Wettbewerb umfasst drei Disziplinen. Praktische Melkarbeit, der Test auf Eutergesundheit und eine schriftliche Prüfung gehören dazu. „Der Test war sehr knifflig“, sagt Krüwel.

Mit einem Griff an das Euter prüft sie, ob das Tier ausgemolken ist. Dann tunkt sie die Zitzen einzeln in einen kleinen gelben Becher mit jodhaltiger Flüssigkeit. „Das heißt Dippen, es dient der Pflege und der Desinfektion“, erklärt Quade. Kurz zuckt das Tier mit dem rechten Hinterlauf. „Im Winter stellen wir das vorher auf die Heizung“, verrät Krüwel.

Dann stapfen die Kühe gemächlich zurück in ihren Stall. Die Kuhfladen werden beseitigt, das Melkgeschirr gesäubert. „Das Melken hat bei mir gut geklappt“, zeigt sich Ida Krüwel zufrieden. „Am Ende wird es um Sekunden und Bruchteile von Punkten gehen.“

Erst heute Abend steht fest, wer am besten abgeschnitten hat. Der Gewinner wird eine kleine Statue bekommen – eine Kuh, das ist doch klar.

 Von Peer Körner

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