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Norddeutschland Die Musikhochschule wird aufgewertet
Nachrichten Norddeutschland Die Musikhochschule wird aufgewertet
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22:15 12.09.2013
Sie nahmen im Oktober vor einem Jahr ihr Studium an der Musikhochschule Lübeck (MHL) auf: Kim Lisa Kroehnert (20), Karl Unger (20), Ariane Jahn (21) und Melissa Pape (20, v. l.). Nach den Plänen der Landesregierung wird die MHL das Zentrum für die Musiklehrer-Ausbildung. Quelle: Foto: Roeßler

Einen exzellenten Ruf als Künstler-Schmiede hat Lübecks Musikhochschule längst. Jetzt soll die Hansestadt durch sie auch zum Zentrum der Musiklehrer-Ausbildung für Schleswig-Holsteins Schulen werden. Das sieht das Reformkonzept zur Lehrerausbildung der parteilosen Bildungsministerin Wara Wende vor. Gestern hat sie es in Kiel vorgelegt.

Bisher werden in Lübeck nur Gymnasiallehrer fürs Fach Musik ausgebildet, neun sind es zurzeit. Ab Sommer 2014 will man hier Jahr für Jahr mindestens 25 Studienanfänger gewinnen, und das sowohl fürs Lehramt an Gymnasien, als auch für das an Grund- und Gemeinschaftsschulen. Dazu soll der Studiengang „Master of Education“ im Fachbereich „Musik vermitteln“ ausgebaut werden, sagt Rektorin Inge-Susann Römhild.

Damit das Angebot für Studenten attraktiv wird, soll in ihrer Hochschule eine ganze Menge ganze Menge umstrukturiert werden. Ein zweites Unterrichtsfach können die jungen Nachwuchslehrer, wenn zusätzlich zur Musik gewünscht, bislang nur an der Uni Hamburg studieren. Künftig soll es auch Kooperationen mit der Uni Kiel und der Uni Flensburg geben. Flensburg ist bislang die einzige weitere Hochschule im Land, die Musiklehrer ausbildet, allerdings nur für die Grundschulen und die Sekundarstufe I. Möglicherweise, so Inge-Susann Römhild, könnten diese Studenten bald für ein oder zwei Jahre nach Lübeck kommen, um hier geballt das Fachwissen der Musikhochschule aufnehmen zu können. Zum Pendeln, wie es zwischen Lübeck und Hamburg noch möglich ist, sei die Distanz nach Flensburg einfach zu weit.

An der Musikhochschule selber will die Professorin und Rektorin den Fachbereich „Darstellendes Spiel“ ausbauen. Das ist in vielen Schulen mittlerweile eigenständiges Unterrichtsfach geworden. Somit könnten junge Leuten künftig in Lübeck ein komplettes Lehrerstudium mit zwei Fächern absolvieren, sagt Römhild. Allerdings müsse das Land den jungen Leuten im Anschluss an ihr Studium auch in ausreichender Zahl Referendariatsplätze zur Verfügung stellen. Daran habe es zuletzt gehapert, viele Studenten seien in andere Bundesländer abgewandert. Dabei hat das Land großen Bedarf an Musiklehrern, kann viele Stellen an den Schulen gar nicht mehr besetzen. Musik gilt als Mangelfach, heißt es auch aus dem Bildungsministerium in Kiel. Das Studium ist hart, die Voraussetzungen hoch, viele junge Leute setzen dann lieber gleich auf eine Karriere als Künstler.

400 000 Euro jährlich stellt das Bildungsministerium der Musikhochschule künftig extra bereit, um die Lehrerausbildung zu verbessern. Das Geld werde unter anderem gebraucht, um die bislang befristeten Professuren für Musikdidaktik langfristig zu sichern und bis zu drei weitere vakante Professuren besetzen zu können, sagt die Rektorin.

In der Stadt kommt die Entscheidung aus dem Bildungsministerium gut an. „Das ist eine sehr erfreuliche Stärkung und Erweiterung der Hochschule und ihres Aufgabenspektrums, die ich sehr begrüße“, sagt Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Er verspricht: Sollte Unterstützung seitens der Stadt erforderlich sein, werde man „darüber sicher sehr kurzfristig ins Gespräch kommen“.

Es sei der Musikhochschule Lübeck „eine Freude, in die Neustrukturierung der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung mit einbezogen worden zu sein“, sagt Inge-Susann Römhild. In der Ausbildung an der Hochschule berücksichtige man ja schon lange die in den Schulen immer wichtigeren Aspekte Inklusion, Heterogenität sowie Internationalität, Medien-Kompetenz und Interdisziplinarität, insbesondere im pädagogischen Studiengang „Musik Vermitteln“. Die Studenten würden auch während ihrer Praxisphasen an den Schulen gut betreut, sagt Inge-Susann Römhild. Und während Künstler gegenüber neuen Techniken manchmal sehr skeptisch seien, käme es dort zu sehr modernen Projekten. Da bringe ein junger Student den Kindern „Tristan und Isolde“ nahe, indem er sie auf iPads musizieren lässt.

Wolfram Hammer

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