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Norddeutschland Im Norden werden jetzt Nandus abgeschossen
Nachrichten Norddeutschland Im Norden werden jetzt Nandus abgeschossen
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17:16 15.04.2019
Die Zahl der Nandus wächst. Jetzt werden die Tiere erstmals gejagt. Quelle: Christian Charisius/dpa
Schlagsdorf

Weitere 40 bis 50 Tiere der einzigen wildlebenden Nandu-Population Europas sollen bis Jahresende erlegt werden.Die abgeschossenen Nandus sollen untersucht werden, um herauszufinden, ob sie neben Pflanzen auch kleine Tiere fressen und die Fauna im Biosphärenreservat Schaalsee schädigen. Die großen Laufvögel hatten sich am Ratzeburger See in der Vergangenheit kräftig vermehrt. Sie stammen von einer Handvoll Tieren ab, die um die Jahrtausendwende aus einem privaten Gehege bei Lübeck ausgebrochen waren.

Anbohren der Eier war erfolglos

Die bisherigen milderen Versuche, das Wachstum der Population zu einzudämmen – wie das Anbohren und damit Unfruchtbarmachen von Eiern – sind weitgehend erfolglos geblieben. Trotzdem soll es dieses Jahr erneut versucht werden. Von Frühjahr 2018 bis Herbst 2018 wuchs die Zahl der Nandus sprunghaft von 205 auf 566 - obwohl 190 gefundene Eier unfruchtbar gemacht worden waren, wie Backhaus sagte.

In der Bildergalerie sehen Sie viele weitere Eindrücke der am Ratzeburger See (Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern) lebenden Nandus.

Bei der jüngsten Zählung im März 2019 sichteten Ranger und Landwirte 362 Tiere. Das ist zwar gut ein Drittel weniger als in Herbst, allerdings sterben im Winter stets viele Jungtiere. Im Vergleich zu vor einem Jahr gibt es jetzt 76,6 Prozent mehr Nandus. Auch die von ihnen besiedelte Fläche ist gewachsen, wie der Minister sagte.

Gute Lebensbedingungen

Die eigentlich in Südamerika heimischen Nandus finden in der norddeutschen Tiefebene hervorragende Bedingungen. Sie lieben eiweißreiche Pflanzen und bedienen sich mit Vorliebe auf Rapsfeldern. Aber auch Weizenfelder seien betroffen, sagte Backhaus. Ernteeinbußen seien die Folge. In diesem Jahr soll es erstmals eine Entschädigung für betroffene Bauern geben. Bisher liege ein Antrag vor.

Tiere mit GPS-Sendern

Backhaus will jetzt klären lassen, ob der Nandu als invasive Art einzustufen ist, die Schäden an der heimischen Flora und Fauna anrichtet - worauf Naturschützer schon seit längerem hinweisen. Um das herauszufinden, sollen voraussichtlich im Mai auch drei Tiere mit einem GPS-Sender versehen werden. Außerdem werden die abgeschossenen Vögel untersucht, ob sie neben Pflanzen auch kleine Tiere fressen. Bisher fallen Nandus unter das Washingtoner Artenschutzabkommen.

Die 17 bislang geschossenen Nandus sind den Angaben zufolge von ansässigen Bauern mit Jagdschein erlegt worden. Den Landwirten sei freigestellt worden, ob sie die toten Tiere entsorgen oder ob sie das Fleisch essen wollen, sagte Bettina Gebhard vom Biosphärenreservat Schaalsee. „Ob es schmeckt, kann ich nicht sagen.“

dpa