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Die Neuen im Landtag

Kiel Die Neuen im Landtag

Am Dienstag kommt das Parlament in Kiel zur ersten Sitzung der neuen Legislaturperiode zusammen – 24 Abgeordnete geben dort ihren Einstand.

Kiel. Start frei für die 19. Legislaturperiode: Wenn die 73 Abgeordneten des neu gewählten Landtags am Dienstag in Kiel zu ihrer ersten Sitzung zusammenkommen, sind auch 24 Parlaments-Neulinge dabei. Neun sind es bei der CDU, fünf bei der SPD, einer bei den Grünen, vier bei der FDP. Die fünf AfD-Abgeordneten sitzen sowieso erstmals im Parlament. Nur der SSW tritt mit den drei Abgeordneten aus der vergangenen Wahlperiode an. Welche Ziele haben sich die Neuen gesetzt? Die LN baten sieben von ihnen um Auskunft.

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Am Dienstag kommt das Parlament in Kiel zur ersten Sitzung der neuen Legislaturperiode zusammen – 24 Abgeordnete geben dort ihren Einstand.

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Lasse Petersdotter (Grüne) ist nicht nur Parlamentsneuling, sondern mit 27 Jahren zugleich der jüngste Landtagsabgeordnete. „Ich will im Parlament die Perspektive der jungen Generation einnehmen“, sagt er denn auch. Die nämlich sei in der Politik dramatisch unterrepräsentiert. „In Baden-Württemberg zum Beispiel sind nur fünf von 112 Abgeordneten unter 30 – da gibt es selbst mehr Stefans im Parlament.“ Eine nachhaltige Finanzpolitik ohne neue Schulden gehört für Petersdotter zu einer vernünftigen Politik für die junge Generation dazu, und eine gute Hochschulpolitik, um die sich der Kieler besonders kümmern will. Islamwissenschaft hat er studiert, seinen Bachelor gemacht. Politik-Erfahrung bringt er mit, hat neben dem Studium bei der Grünen-Fraktion gearbeitet, war Chef der Grünen Jugend und Asta-Chef an der Uni Kiel.

Peer Knöfler (CDU) hat schon viel Kommunalpolitik betrieben in seinem Leben. In Großenbrode ist der 49-Jährige Gemeindevertreter, sitzt im Amtsausschuss, im Kreistag, ist im Tourismus aktiv. Die Förderung des Landes für diesen Bereich einfacher zu machen, das wäre eines seiner Ziele. „Mein Hauptaugenmerk liegt aber auf der Bildung“, sagt der Berufsschullehrer für Sport und Technik, Kfz-Technik im Besonderen. Einen pädagogischen Hintergrund zu haben, sei wichtig, damit man auch eine Vorstellung davon habe, wie politische Entscheidungen in den Schulen ankommen.

Lehrer aber sind im Landtag wenige vertreten. In der CDU- Fraktion hat nur Landtagspräsident Klaus Schlie diesen Beruf mal ausgeübt – bis 1996. Ganz generell will Knöfler die Landespolitik näher an die Menschen vor Ort heranbringen. Momentan sei sie leider oft noch „ganz weit weg“.

Kathrin Wagner-Bockey (SPD) billigt sich erst einmal eine Einarbeitungsphase im Landtag zu. Auch die 49-jährige Polizistin bringt aber schon viel politische Erfahrung mit, arbeitet seit 2000 in der Geesthachter Stadtvertretung mit, zuletzt als SPD-Fraktionsvorsitzende. Im Landtag wird sie Sprecherin ihrer Fraktion für Polizei-Politik sein. Gute Politik für die Beamten und die Innere Sicherheit zu machen, das ist daher auch eines ihrer Ziele. Und die Zusammenarbeit Schleswig-Holsteins und Hamburgs zu verbessern. Denn wie eng die Lebensbeziehungen zwischen den beiden Ländern im Hamburger Umland sind, weiß Kathrin Wagner-Bockey selber nur zu gut. Sie pendelte bislang täglich in die Elbmetropole, wo sie Dienst als Kripo-Beamtin tut. Dass sie absehbar in der Opposition in die Landtagsarbeit startet, enttäuscht die 49-Jährige nur ein wenig. „Ich bin froh, dass ich meinen Wahlkreis direkt gewonnen habe.“

Lukas Kilian (CDU) und die Sozialdemokratin Wagner-Bockey werden in Sachen Metropolregion womöglich schon bald an einem Strang ziehen. „Wir müssen die Zusammenarbeit mit Hamburg stärken“, sagt nämlich auch der 30-jährige Rechtsanwalt aus Glinde. „Ich komme ja aus dem tiefsten Süden des Landes. Und wenn die Menschen hier sagen, sie fahren in die Stadt, dann meinen sie Hamburg.“ Außerdem müsse es in Schleswig-Holstein einen fairen Ausgleich zwischen Gemeinden und Land geben, bei den Finanzen zumal. Mit Kommunalfinanzen kennt er sich aus, sitzt seit neun Jahren als Abgeordneter im Stormarner Kreistag, leitet dort den Verkehrsausschuss. Die A 20 fertig zu bauen und die B 404 zur A 21 zu erweitern, sind daher zwei weitere Ziele, für die sich Kilian einsetzen will.

Annabell Krämer (FDP) will erst einmal „im Landtag ankommen“, will schauen, welche Aufgaben für sie anzupacken sind. Ihr Steckenpferd seien in jedem Fall die Finanzen, sagt die 46-jährige Diplom-Kauffrau. Schon im BWL-Studium in Kiel hat sie sich für Wirtschaftspolitik begeistert, ist 1998 in der FDP aktiv geworden. In Quickborn ist sie seit 2013 Fraktionsvorsitzende der Liberalen in der Stadtvertretung. Auch in der Jugendpolitik war sie dort aktiv. Für die Kommunen will sie sich besonders stark machen. Es wäre schön, wenn die am Ende der fünf Jahre wieder „mehr Luft zum Atmen haben“, sagt die 46-Jährige. Dass sie jetzt im Landtag sitzen darf, empfinde sie als großartig. „Ich mache seit 1998 Politik aus Leidenschaft, mit Herzblut. Ehrenamtlich. Jetzt kann ich diese Leidenschaft auch zum Beruf machen.“

Heiner Dunckel (SPD) startet mit 63 Jahren quasi noch einmal neu durch. Der Flensburger ist dort an der Uni Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie. Jetzt wird er für die SPD-Landtagsfraktion Sprecher für Hochschul-Politik. Interessieren würde ihn aber auch „das Bildungsthema“ von der Kita bis zur Uni. „Ich kenne das alles aus eigenem Miterleben, habe selber vier Kinder, zwei kleine und zwei große“, sagt Dunckel. Bildung müsse gebührenfrei werden, dafür wolle er sich einsetzen. Außerdem für den Arbeitsschutz in einer digitalisierten Berufswelt. Noch lieber hätte er das als Teil einer SPD-Regierungsfraktion getan, gibt Dunckel zu. Er gehe aber auch in der Oppositionsrolle davon aus, dass sich gute Argumente am Ende immer durchsetzen. Für die zu streiten, „das traue ich mir in jeder Rolle zu“, sagt der Wissenschaftler.

Doris von Sayn-Wittgenstein (AfD) will sich ebenfalls „erst einmal einarbeiten“, sich dann aber vor allem auch für den ländlichen Raum einsetzen. Der liegt der 63-jährigen Schwentinentalerin am Herzen. Ihr Vater war Landwirt. „Vielleicht kann ich Impulse in Richtung Bauernschaft zur Stärkung der Direktvermarktung setzen“, sagt sie. Mitte der 80er Jahre war sie mal Mitglied in der CDU. „Die Stoltenberg-Partei hatte es mir angetan mit ihren alten Werten wie Heimat zum Beispiel.“ Doch es habe in der Partei vor Ort zu viele Querelen gegeben. Vor fünf Jahren ging sie dann zur AfD. Das Kind aus dem Haus, der Mann habe keinen Hund haben wollen, „und so viele Seidentücher kann man dann ja gar nicht batiken, dass einem nicht langweilig wird“, sagt Doris von Sayn-Wittgenstein und lacht. Und dann sei sie eben in die Politik gegangen.

Die neue Ära beginnt mit der alten Regierung

Am Dienstag tritt in Kiel der neue Landtag zusammen. Wolfgang Kubicki hält als dienstältester Abgeordneter die Eröffnungsrede. Dann wird das Präsidium gewählt. Ein neuer Ministerpräsident soll erst am 28. Juni gewählt werden, weil die Koalitionsverhandlungen noch laufen. So lange bleibt die alte Regierung im Amt. Außer den sieben porträtierten Politikern sind auch diese Abgeordneten neu dabei: Für die CDU Tim Brockmann, Claus Christian Claussen, Wolf Rüdiger Fehrs, Andreas Hein, Volker Nielsen und Ole-Christopher Plambeck und Ingbert Liebing (saß bislang im Bundestag), für die SPD Kerstin Metzner, Özlem Ünsal und Stefan Weber, für die FDP Dennys Bornhöft, Stephan Holowaty und Kay Richert und für die AfD Frank Brodehl, Jörg Nobis, Claus Schaffer und Volker Schnurrbusch.

Wolfram Hammer

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