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Norddeutschland Die „Patriots“ sind auf dem Marsch
Nachrichten Norddeutschland Die „Patriots“ sind auf dem Marsch
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00:00 08.01.2013
Oberfeldwebel Torsten Blohm (30) aus Grimmen. Quelle: Dietmar Lilienthal
Travemünde

Ein Bundeswehrtransporter lässt das Blaulicht flackern. Startsignal für eine besondere Mission: Die „Patriot“-Flugabwehrsysteme rollen aus ihren Kasernen nahe Rostock zum Einsatz in die Türkei. Ihre Technik ist Ende letzter Woche auf 300 Fahrzeugen gut verstaut worden. Gestern erreichten die letzten den Hafen von Travemünde. Heute werden sie auf die Fähre nach Süden verladen.

Es ist der allererste „scharfe“ Einsatz der Einheit überhaupt. Der Bundestag hat ihn Mitte Dezember fast einhellig abgesegnet. Protest gibt es kaum — nur den erfolglosen Appell eines „Rostocker Friedensbündnisses“ an die Hafenarbeiter in Travemünde, die Raketen nicht zu verladen. Hier werde der nächste Krieg vorbereitet, heißt es darin.

Sonntag früh: Daniel von Wolff (22) schiebt in Sanitz Wache am Kasernentor. Er öffnet die Schranke und salutiert den Frauen und Männern am Steuer und im Führerhaus. Mit 60 km/h lassen die Soldaten ihre Lkw und Transporter über die Autobahn rollen. „Insgesamt waren fünf Kolonnen von Sanitz und Bad Sülze aus unterwegs“, sagt Markus Schwer vom Flugabwehrraketengeschwader 2, Mecklenburg-Vorpommern. Schon kurz nach acht sei der erste Konvoi gestartet, Kabinenfahrzeuge, Radar- und Fernmeldegeräte und andere Technik, die die „Patriot“-Raketenabwehrstaffeln für ihren Einsatz brauchen. 150 Soldaten des Geschwaders sollen ab Februar mit Raketenabwehrspezialisten aus den USA und den Niederlanden die Türkei vor Angriffen aus Syrien schützen, dazu kommen 20 Soldaten vom Geschwader 1 aus Husum samt ihrem Kommodore. Der wird das Bundeswehr-Kontingent in der Türkei als erster führen. Oberfeldwebel Torsten Blohm (30) ist dann längst schon wieder zurück in der Heimat.

Der Soldat sorgt dafür, dass die Flugabwehrsysteme heil im türkischen Hafen Iskenderun ankommen. Dorthin wird die Ladung von Travemünde aus verschifft. Bereits morgen sticht die dänische Fähre „Suecia Seaways“ der Reederei DFDS in See — mit über 2500 Tonnen Ladung an Bord. „Ich passe darauf auf, dass die Befestigungen sich nicht lösen und das Material gesichert ist“, sagt Blohm. Man werde voraussichtlich am 21. Januar in Iskenderun festmachen, damit ende seine Mission.

Ein Vorauskommando wird heute schon in der Türkei ankommen. Das soll zum Beispiel für die notwendigen Unterkünfte sorgen. „Zurzeit sieht es danach aus, dass die Soldaten in Hotels untergebracht werden“, sagt Oberstabsfeldwebel Schwer. Vier Monate soll das erste Kontingent im Einsatz sein, dann kommt die Ablösung.

Am Skandinavienkai Süd in Lübeck-Travemünde füllen die Konvois einen eingezäunten Parkplatz. Bei Nieselregen warteten Oberleutnant Christoph Koselack und seine Kollegen am Sonntag auf das nächste „Marschband“, wie es im Militärjargon heißt. Um 11 Uhr kam der erste Konvoi aus Richtung Rostock an, von da an ging‘s im Stundenrhythmus bis 15 Uhr weiter. Koselack, vom Flugabwehrraketen-Geschwader aus Husum, ist für die Logistik vor Ort zuständig. Ruhig wiesen seine Leute und er die vielen Fahrzeuge auf dem Parkplatz ein. Nach dem Einparken verließen die Fahrer und Begleiter ihre Wagen — viele mit dem Mittagessen in kleinen Kühlbeuteln in der Hand — wurden mit weißen Bundeswehr-Bussen in Kasernen in der Umgebung gebracht.

Gegen 12.50 Uhr kündigte Koselack dann „das Marschband aus Warbelow“ an. Und schon rollten sie heran, begleitet und geschützt von Feldjägern, der deutschen Militärpolizei: sieben Abschussrampen für die Patriot-Raketen samt der Radargeräte. Die Raketen selbst werden angeblich „auf anderem Weg“ in die Türkei gebracht — auf welchem, darüber schweigt sich die Bundeswehr aus. Und selbst wenn sie kämen: Verpackt in unauffällige Container, könnte der Laie sie ohnehin nicht von anderem Gerät unterscheiden, heißt es.

Kerstin Schröder und Sabine Risch

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