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Die „Peking“ kommt später

Lübeck Die „Peking“ kommt später

Das Schwesterschiff der „Passat“ verlässt erst zur Jahreswende New York. Künftig wird es Museumsschiff in Hamburg.

In New York vor Anker: Seit Mitte der 70er Jahre liegt die „Peking“ an der Ostseite Manhattans im East River fast im Schatten der Brooklyn Bridge. Das Museumsschiff ist aber äußerst marode und kann von Besuchern gar nicht mehr betreten werden.

Quelle: Imago

Lübeck.  Eigentlich hatte die „Peking“ bis Ende Juni von New York nach Deutschland gebracht werden sollen. So war es beim Verein „Freunde der Viermastbark Peking“ im Dezember zu lesen. Aber daraus wird nichts. Voraussichtlich Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres wird der Segler jetzt auf die Reise über den Atlantik gehen, sagte Michael Müller, Sprecher der Stiftung Hamburg Maritim. Und ob er tatsächlich zunächst nach Deutschland kommt, ist auch fraglich.

Die „Peking“ ist das Schwesterschiff der „Passat“, die seit fast sechs Jahrzehnten als Museumsschiff in Travemünde liegt. Sie gehörten zu den „Flying P-Linern“, jener Flotte besonders schneller und stabiler Handelsschiffe der Hamburger Reederei Laeisz, von der heute noch vier existieren. Die „Pommern“ ist ein Museumsschiff im finnischen Mariehamn, die „Padua“ heute unter dem Namen „Krusenstern“

als russisches Segelschulschiff unterwegs. Die 115 Meter lange „Peking“ aber rottet in New York vor sich hin.

Sie war schon 1932 außer Dienst gestellt worden und diente danach als stationäres Internatsschiff im englischen Rochester. Mitte der 70er Jahre wurde sie nach Amerika verkauft. Ihr maroder Rumpf musste zunächst auf einer schottischen Werft instand gesetzt werden, bevor sie 1976 pünktlich zur 200-Jahr-Feier der amerikanischen Unabhängigkeit in New York einlaufen konnte. Dort liegt sie seither im Southstreet Seaport Museum in Manhattan, im East River zwischen Wall Street und Brooklyn Bridge, und ihr Zustand ist erbärmlich.

Das Schiff kann inzwischen nicht mehr von Besuchern betreten werden, sagte Michael Müller von der Hamburger Stiftung. Das sei zu gefährlich. Es werde jetzt zunächst in eine New Yorker Werft gebracht und dort seefest gemacht. Nach den Herbststürmen im Atlantik solle es in einem Schwimmdock nach Europa transportiert und hier restauriert werden. Das muss nicht zwingend auf einer Werft in Elsfleth passieren, wie es anfangs noch geheißen hatte. Aufträge dieser Größenordnung müssen europaweit ausgeschrieben werden. Wenn eine Werft in Italien das beste Angebot hat, geht sie eben erst einmal nach Italien.

Transporte im Schwimmdock seien nicht ungewöhnlich, sagte Müller. In den USA gefertigte Binnenschiffe für Europa, Yachten, die von der Neuen in die Alte Welt verlegt werden sollen – das Verfahren sei üblich und lange erprobt. Allerdings empfehle es sich, dafür die Tornadosaison abzuwarten.

Das New Yorker Museum war zur Jahrtausendwende finanziell ins Schlingern geraten und hatte versucht, die „Peking“ zu verkaufen. Als sich niemand fand, wollte man sie gar verschenken. Jetzt soll der Viermaster als Museumsschiff nach Hamburg gehen, möglich gemacht durch 120 Millionen Euro, die der Haushaltsausschuss des Bundestages Ende vergangenen Jahres für den Aufbau eines Deutschen Hafenmuseums in Hamburg bewilligt hat. Darin enthalten sind 26 Millionen für den Rücktransport und die Sanierung der „Peking“.

Nach der Restaurierung soll das Schiff dauerhaft in Hamburg vor Anker gehen, wo es vor mehr als 100 Jahren bei Blohm + Voss auch gebaut wurde. Aber wo genau das sein wird, ist fraglich. Der Standort des Deutschen Hafenmuseums sei offen, sagte Stiftungssprecher Müller. „Darüber wissen wir gar nichts, nicht im Ansatz.“ Der Senat habe dabei ein Wort mitzureden, die Hamburg Port Authority, es säßen bei der Entscheidung jedenfalls „viele Leute im Boot“. Das „Hamburger Abendblatt“ hatte jüngst auch von möglichen Standorten in Altona, der Hafen City oder sogar südlich der Elbe berichtet.

Gleichwohl: Für die Stiftung ist die „Peking“ das „bislang größte Projekt“, erklärte Laeisz-Geschäftsführer Nikolaus H. Schües, der auch dem Stiftungskuratorium vorsitzt.

Drei Jahre werden veranschlagt für die Sanierung, um die sich die Stiftung Maritim Hamburg kümmert. Spätestens zur Eröffnung des Deutschen Hafenmuseums soll die „Peking“ an das neue Haus übergeben werden. Und zwar als stationäres Museumsschiff. Wenn sie doch mal bewegt werden sollte, so Müller, dann nicht aus eigener Segel- oder Motorkraft, sondern mit Hilfe von Schleppern.

Von Blohm + Voss gebaut, von der Reederei Laeisz betrieben

Die „Peking“ lief 1911 bei der Hamburger Werft Blohm + Voss vom Stapel. Die Viermastbark ist 115 Meter lang, gut 14 Meter breit und gehörte zu den „Flying P-Linern“, Schiffen der Hamburger Reederei Laeisz, deren Namen alle mit „P“ begannen.

Die Frachtsegler waren in der Salpeterfahrt eingesetzt. Ausgehend, so die Stiftung Maritim Hamburg, wurden Exportwaren für Chile geladen, da konnte auch schon mal ein Steinway-Flügel für Auswandererfamilien dabei sein. Auf der Rückfahrt war der Laderaum voll mit Guano-Säcken, ein wichtiger Grundstoff für Dünger. Bei jedem Törn wurde Kap Hoorn zweimal umsegelt.

Die „Peking“ brachte es auf 34 Umseglungen, bevor sie 1932 auf ihre letzte kommerzielle Reise ging. Mit der „Padua“ (heute „Krusenstern“) lief 1926 der letzte Fracht-Rahsegler vom Stapel. Damit gehörten der Reederei Laeisz während ihrer 100-jährigen Geschichte 86 Segelschiffe, 66 von ihnen hatten ein „P“ vorn im Namen.

 Peter Intelmann

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