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Norddeutschland Die Perle an der Schlei
Nachrichten Norddeutschland Die Perle an der Schlei
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20:58 06.01.2018
100 Meter über Stadt und Schlei: Der Blick aus dem Café im Wikingturm ist auch bei schlechtem Wetter beeindruckend. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat (6), Dpa
Schleswig

Zu Beginn eine geballte Ladung Kultur und Wissen: Gleich zwei Landesmuseen können Besucher in dem auf einer Insel gelegenen Barockschloss Gottorf durchstreifen. Die Sammlungen der Kunst und Kulturgeschichte reichen vom hohen Mittelalter bis zur Kunst der Gegenwart. Hinzu kommt aktuell die Sonderausstellung „Luthers Norden“. Zu den zentralen Exponaten der Sonderausstellung gehören Gemälde, die von der Reformation inspirierte Bildwelten zeigen, darunter Werke von Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge.

Weiter in die Vergangenheit zurück geht es in der archäologischen Abteilung. In der Eisenzeitausstellung ruht etwa das „Kind von Windeby“ – die Moorleiche eines Jungen aus dem 1. Jahrhundert, die in den 1950er Jahren bei Eckernförde gefunden wurde.

Abseits der Ausstellungen ist auch das Schloss selbst sehenswert. In seiner mehr als achthundertjährigen Geschichte wurde es mehrfach umgebaut und erweitert. Im Laufe der Zeit wandelte es sich von einer mittelalterlichen Burg über eine Renaissancefestung zu einem Barockschloss.

13 Uhr: Zu Tisch in der Schleimöwe. Nach dem umfangreichen Museumsbesuch braucht es eine Stärkung. Das Fischrestaurant „Zur Schleimöwe” befindet sich im alten Schleswiger Fischerviertel Holm – ebenfalls Ziel der Tagestour. Hier serviert Inhaberin Rina Panitzsch (70) seit bald 30 Jahren frischen Fisch, vor allem aus der Schlei. „In der Küche mache ich alles selbst“, sagt Panitzsch. Am Morgen bringen die Fischer den Fisch, dann beginnt für die 70-Jährige der Arbeitstag.

Sie hat viel zu tun, denn die Karte ist umfangreich: Es gibt Hering, Scholle, Aal, Barsch, Forelle und mehr. „Am beliebtesten ist der Gourmet-Teller“, sagt Rina Panitzsch. „Die Gäste bekommen ein Stück Steinbeißer, Rotbarschfilet und ein Stück Lachsfilet.“ Und das zu moderaten Preisen im gemütlichen Ambiente: „Das Haus ist über 200 Jahre alt“, erzählt die 70-Jährige. Bevor es zur „Schleimöwe“

geworden ist, sei einst ein Kolonialwarenladen darin gewesen, später dann eine Kneipe für die Schlei-Fischer.

14 Uhr: Spaziergang durch den Holm Raus aus dem Fischrestaurant und rein in die Geschichte der Siedlung: „Holm“ bedeutet im dänischen Sprachgebrauch „kleine Insel“. Dicht an dicht reihen sich hier geduckte Häuschen aneinander; einst – und zum Teil immer noch – von den Holm-Fischern bewohnt.

Entstanden ist der Holm etwa im Jahr 1000. Wegen des Fischfangs wurde direkt an der Schlei gebaut, und bis zum 20. Jahrhundert war die Siedlung durch das Holmer Noor vom Festland getrennt. Heute ist der Holm ein Stadtteil Schleswigs und mit dem Festland verbunden. Zentrum des Holms ist ein kleiner Friedhof mit eigener Kapelle. Fast alle Bewohner des Viertels können aus ihren Fenstern auf diesen Ort blicken. So auch Maike Hansen. Im Erdgeschoss ihres Hauses verkauft die 48-Jährige etwas ganz Besonderes: Taschen, Schmuck und Gürtel aus Fischleder. „Jedes Stück ist handgenäht“, erzählt Hansen.

„Die Schlei-Fischer bringen mir die Häute, ich säubere sie und lege sie drei Wochen lang in Tee ein.“ Nach der Trocknung vernäht Maike Hansen das Leder. „Das Handwerk ist mein zweites Standbein geworden“, sagt sie. „Es passt einfach in dieses Viertel.“ Maike Hansen ist nicht die einzige Kunsthandwerkerin auf dem Holm. Wer mit offenen Augen an den Häusern vorübergeht, entdeckt Glaskunst und andere Kleinigkeiten, die zum Verkauf angeboten werden. Öffnungszeiten gibt es zumeist keine. Stattdessen klingelt man bei Interesse einfach an der Tür.

15 Uhr: St.-Johannis-Kloster. Vom Herzen des Fischerviertels sind es zu Fuß nur wenige Minuten bis zum St.-Johannis-Kloster. Die Anlage liegt ebenfalls direkt an der Schlei und gilt als besterhaltene mittelalterliche Klosteranlage Schleswig-Holsteins. Hier führt Priörin Ina von Samson-Himmelstjerna nach Anfrage über das Gelände und durch die Räume des Klosters.

Durch eine unscheinbare Tür geht es hinein in den Kreuzgang des ehemaligen Benediktinerinnenklosters. „Gegründet wurde es im 12. Jahrhundert“, erzählt die Priörin. Nach der Reformation sei es dann zum adeligen Damenstift geworden. Nonnen und Konventualinnen prägten das Ensemble, zu dem – neben Kreuzgang und Klostergarten – mehrere frei stehende Häuser, eine Klosterkirche, Kapitelsaal und Remter gehören. „Das Kloster beherbergt viele Schätze“, sagt die Priörin. „Darunter auch die sogenannte Bellmannorgel, auf der Carl Gottlieb Bellmann, der 1811 Kantor in St. Johnnis wurde, das Schleswig-Holstein-Lied komponiert haben soll.“

16 Uhr: Dom zu Schleswig. Der St. Petri-Dom in der Norderdomstraße ist vom Kloster zu Fuß in rund zehn Minuten erreichbar. Im Jahr 1100 begannen die Arbeiten an der romanischen Basilika, die sozusagen der Grundstein für den heutigen Dom bildet. Wie so viele Bauwerke hat sich die Gestalt des Schleswiger Doms über die Jahrhunderte mehrfach gewandelt. Die letzte große Bauperiode erlebte der Dom von 1888 bis 1894. Die Kaiser Wilhelm I. und II. ließen den Westturm bauen. Der neugotische Turm ist mit 112 Metern der dritthöchste Kirchturm Schleswig-Holsteins.

17 Uhr: Kuchen im Wikingturm. Wut, Protest und Demonstrationen. Viele Schleswiger haben Anfang der 1970er Jahre vergeblich gegen den Bau des monumentalen Wikingturms an der Callisenstraße nahe Schloss Gottorf gekämpft – und verloren. Das markante Hochhaus mit 27 Stockwerken wurde gebaut und steht noch heute. Ganz oben gibt es ein Café, das, auch wenn sich über den Bau selbst sicher streiten lässt, eine grandiose Aussicht über Schleswig und die Schlei gewährt.

 Von Luisa Jacobsen

Was man noch wissen sollte

Schloss Gottorf: Die Ausstellungen sind von November bis März dienstags bis freitags von 10 bis 16 Uhr sowie Sonnabend und Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die Sonderausstellung „Luthers Norden“ ist noch bis zum 28. Januar zu sehen.

Kunsthandwerk auf dem Holm: Die Werkstatt von Maike Hansen befindet sich in der Süderholmstraße 29a. Eine telefonische Anmeldung ist möglich unter der Nummer 046 21/208 48.

Holm Museum: In der Süderholmstraße 2a gibt es ein kleines offenes Museum. Mit historischen und neuen Fotos dokumentiert es den Wandel des Stadtteils. Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr.

Kloster St. Johannis: Die Klosteranlage ist frei zugänglich. Klosterkirche, Remter und Kapitelsaal können nur mit Führung besucht werden. Anmelden kann man sich bei Priörin Ina von Samson-Himmelstjerna. Sie ist dienstags und mittwochs zwischen 10 und 12.30 Uhr in ihrem Büro im Kloster zu erreichen: 046 21/242 36. Die Schleswiger Touristeninformation bietet ebenfalls Führungen an. Unter www.ostseefjordschlei.de gibt es Infos.

Restaurants und Café: Die Schleimöwe hat täglich von 11.30 bis 14 Uhr und von 17 bis 22 Uhr geöffnet. Das Café und Restaurant im Wikingturm hat von 12 bis 22 Uhr geöffnet. Montags ist Ruhetag. Im Januar und Februar ist auch dienstags geschlossen.

Anfahrt: 140 Kilometer trennen Lübeck und Schleswig. Am schnellsten geht es mit dem Auto über die A 7 (knapp zwei Stunden). Mit der Bahn muss man ab Lübeck Hauptbahnhof zwischen 2 und 2,5 Stunden einplanen.

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