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Die Plakate der Parteien im Test

Landtagswahl Die Plakate der Parteien im Test

Einen Monat vor der Landtagswahl bewerten Experten für Kommunikation die bunte Wahlwerbung der Kandidaten.

Der freundliche „Banker“ oder doch lieber der heroisch blickende Landesvater? Die Wahlplakate der Spitzenkandidaten sollen die Wähler ansprechen – doch nicht alle Motive und Schriftzüge der zur Wahl stehenden Parteien überzeugen die Jury.

Quelle: WOLFRAM HAMMER, ULF-KERSTEN NEELSEN, LUTZ ROESSLER

Lübeck. Ja, ist denn schon wieder Landtagswahl...? Tatsächlich. Gerade mal vier Wochen sind es noch hin bis zum Urnengang am 7. Mai. Die Wahlplakate, die jetzt allerorten an Laternenpfählen, Zäunen und Extra-Stellwänden auftauchen, künden unmissverständlich davon. Aber sind sie auch gelungen? Die LN haben die „Werkkunstschule Lübeck“, eine Schule für Kommunikationsdesign, gebeten, ausgewählte Plakate von acht Parteien zu bewerten.

Wie finden Sie die Wahlwerbung? Klicken Sie sich hier durch die Plakate der Parteien. Mit den Sternen rechts unter dem Bild können Sie eine Bewertung abgeben.

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„Wir haben sie unseren Schülern vorgelegt“, sagt Christian Lau, Werkkunstschul-Geschäftsführer. Diese seien als Kernzielgruppe der „jungen Wähler“ ja heutzutage schwer für politische Zielsetzungen zu begeistern und daher besonders kritisch. „Sie haben versucht, die politischen Dinge komplett rauszuhalten und wirklich nur auf gestalterische Aspekte einzugehen“, sagt Lau. Also auf die Gestaltung – schließlich werde ein Plakat im Durchschnitt nur 1,7 Sekunden lang betrachtet, zum Beispiel beim Vorbeifahren –, auf Glaubwürdigkeit und Authentizität. Dies sind die Ergebnisse:

SPD: Das Schwarz-Weiß-Plakat mit roter und weißer Schrift, das Ministerpräsident Torsten Albig zeigt, wirkt seriös, sagen die Schüler. Man solle Vertrauen in die Person fassen können. Das etwas martialisch von unten fotografierte Bild könne allerdings zwiespältige Gefühle wecken: Die Pose kann Weitblick und Überblick signalisieren, aber auch übermächtig und sogar überheblich wirken. Albig schaue „über den Betrachter hinaus“. Mit seinen Rot- und Blaugrau-Tönen sei das Plakat aber farblich sehr stimmig, „clean“ und dynamisch. Die gestürzte Schrift in den drei Streifen sei aber kaum lesbar, das weiße Zugband der Jacke durchschneide den Absender.

CDU: Unions-Spitzenkandidat Daniel Günther wirke auf seinem Plakat wie ein „Sympathikus“, wie der „nette Banker von nebenan“. Das könne aber auch wachsam machen: „Der will mir irgendwas verkaufen.“ Alles auf dem Plakat habe seinen Platz, wirke geordnet. Damit hätten die Plakate der CDU insgesamt einen hohen Wiedererkennungswert, das „Corporate Design“ sei sofort klar, für andere Kandidaten der Partei in den Wahlkreisen müsse nur das Foto ausgewechselt werden. Allerdings: Für viele Schüler wirkt das Plakat dadurch auch einfach zu mutlos.

Bündnis ’90/Die Grünen: Das Plakat der Grünen mit Spitzenkandidatin Monika Heinold ist eine klare Sache. An Farben und Hintergrund sei der Absender sofort zu erkennen, der Wiedererkennungswert sei hoch, sagen die Schüler. Allerdings: Bei diesem Motiv passen die verschränkten Arme von der Körpersprache her so gar nicht zur Headline, die „Mut für eine offene Gesellschaft“ fordert und verspricht. Der Einsatz der Schrift sei aber ein Pluspunkt, da sie nicht mit einem Balken unterlegt und tatsächlich mutig und groß vor die Person gesetzt wurde.

FDP: Das Plakat mit Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki kommt bei den Schülern nicht gut weg. Es mache einen leicht überheblichen Eindruck, vor allem in Verbindung mit der Headline „Wollen reicht nicht, man muss es auch können“. Unangenehm wirke, dass es inhaltlich Bezug auf das SPD-Plakat nehme – „Wir wollen das“, heißt es da in einer der gestürzten Zeilen –, anstatt eigene Positionen zu vertreten. Die Farbkombination pink-gelb-blau passe optisch nicht zum Foto. Die hellblaue Schrift sei auf dem hellen Hintergrund nicht optimal lesbar.

SSW: Auch fürs Leuchtturm-Plakat der Partei der dänischen und friesischen Minderheit gibt es mehr Kritik als Lob von den Schülern. Es erinnere doch sehr an Nordseeurlaub, so ihr Urteil. Die Schlagzeile liefere keine konkrete Aussage. Schlagzeile und Foto seien dadurch beliebig mit anderen Parteien austauschbar.

AfD: Das AfD-Plakat erntet ebenfalls eher Kritik. Der Aufbau der Schrift im Hintergrund sei nicht lesbar. Erst bei näherer Betrachtung ließen sich die Schlagworte lesen: „Wachstum statt Blockade.“ Sie machten das Plakat aber inhaltslos. Die Headline sei austauschbar.

Die Linke: Das Plakat der Linken kommt bei den Schülern ziemlich gut an. Es benenne in der Schlagzeile ein konkretes Problem – „Kein Kind soll mittags hungern“ – und arbeite nicht nur mit Worthülsen. Die Schlagzeile sei zudem gut lesbar und gleich auf den ersten Blick zu erfassen. Das Bildmotiv berühre den Betrachter. Die Gefahr dabei: Es wirke sehr pessimistisch.

Piraten: Das Totenkopf-Plakat der Piraten sei anders, es falle auf – aber das eher negativ, sagen die Schüler. Der Slogan „Totgesagte leben länger“ sei unsensibel gewählt, weil in Berlin gerade ein Piraten-Abgeordneter einen Bekannten getötet haben soll und sich dann selbst umbrachte. Mit dem Totenkopf-Motiv assoziiere man zudem eher ein Tattoostudio.

„Zum Schluss haben die Schüler abgestimmt“, sagt Lau – welches Plakat überzeugt mich, berührt mich, gefällt mir aus gestalterischer Sicht am besten? Ergebnis: Die Grünen liegen mit zwölf Stimmen vorn, die Linke bekam neun, die SPD vier Stimmen, der SSW eine Stimme. CDU, AfD, Piraten und FDP gingen leer aus.

LN-Matinee: Kandidaten im Beichthaus

Mitten in der heißen Wahlkampfphase bitten die Lübecker Nachrichten vier prominente Kandidaten zu einer Matinee. CDU- Spitzenkandidat Daniel Günther, Grünen-Spitzenkandidatin Monika Heinold, FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki und SPD-Landeschef Ralf Stegner stellen sich am Sonnabend, 22. April, den Fragen der LN-Leserinnen und -Leser. Die Matinee im Beichthaus des Europäischen Hansemuseums beginnt um 11 Uhr.

>> Hier können Sie sich anmelden!

So können Sie dabei sein: Melden Sie für sich und eine Begleitperson Ihren Wunsch an, als Zuschauer ins Beichthaus zu kommen. Wenn mehr Anmeldungen eingehen, als Plätze zur Verfügung stehen, entscheidet das Los. Anmeldeschluss ist am Dienstag, 11. April. Bis zum 18. April informieren wir Sie per E-Mail, ob Sie bei der Veranstaltung dabei sein können.

Die Schule der Jury

Die Werkkunstschule ist eine private Schule und seit 30 Jahren in Lübeck ansässig. Dort können junge Leute ab 16 Jahren mit mittlerem Schulabschluss oder Abitur eine siebensemestrige Ausbildung in Kommunikationsdesign absolvieren. Zu den Lerninhalten zählen Gestalten, Zeichnen, Schrift und Illustration, aber auch Kunstgeschichte und Darstellende Geometrie. Es werden zudem Kenntnisse in Corporate Identity, Produkt- und Web-Design, Zeitschriftenlayout und Fotografie vermittelt. Die Ausbildung schließt mit einem Diplom ab.

 Wolfram Hammer

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