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Norddeutschland Die Wächterin der Guinness-Superlative
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21:23 07.09.2016
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Hamburg

. Geht es bei Gesprächen auf Partys um Berufe, ist sie meist erstmal zurückhaltend. „Anderenfalls versuchen die Leute sofort, irgendetwas vorzumachen, das sie besonders gut können“, sagt Lena Kuhlmann. Das passiere jedes Mal. „Hinterher fragen sie dann meist: Reicht das?“ Tut es in der Regel aber nicht. Denn die 30-Jährige weiß, wovon sie spricht.

Lena Kuhlmann hat ihren Traumjob gefunden. Quelle: Gollnow/dpa

Sie ist Deutschlands einzige Schiedsrichterin für das Guinness Buch der Rekorde. Ein- bis zweimal die Woche entscheidet die gebürtige Niedersächsin über Gelingen oder Scheitern. Ihr Job besteht aus viel mehr als nur dem Stoppen von Zeiten oder dem Zählen von Teilnehmern einer Rekordwette. „Die Vorbereitung der Rekordversuche nimmt oft viel Zeit in Anspruch, im Vorwege gilt es, die Abläufe mit den Rekordlern zu klären und die Regeln abzustecken“, sagt Kuhlmann.

Sie ist oft mehrere Tage unterwegs, meist an den Wochenenden. Ihre Arbeitsorte heißen dann Philippinen, Rumänien, Moskau oder Hannover. Seit Anfang des Jahres ist sie selbstständige Richterin im Auftrag von Guinness World Records. Kuhlmann ist fasziniert von der Leidenschaft mancher Rekordler – und interessiert sich für die Geschichte dahinter. Angetan hat es ihr ein Mann, der die meisten Wasserballons innerhalb einer Minute an seinem Körper zerplatzen ließ. „Er hält auch den Weltrekord für einen 100-Meter-Lauf in Clogs“, sagt die Schiedsrichterin.

Jede Woche treffen nach Guinness-Angaben etwa 1000 Anmeldungen ein. Allein in Deutschland gab es in diesem Jahr bereits 899 Anträge. „2016 gab es bisher 40 neue abgenommene Rekorde in Deutschland“, sagt eine Sprecherin. Mehr als 40 000 Rekorde sind insgesamt gelistet. Heute wird das neue Guinness-Buch vorgestellt. Wie wird man Weltrekord-Schiedsrichterin? „Ich habe einfach bei Guinness angerufen“, sagt Kuhlmann.

Das war Ende 2015. Die ehemalige Kommunikations-Expertin einer Werbeagentur war von einer Weltreise zurückgekehrt. In einem Fernsehbericht erzählte ein Schiedsrichter von den Reisen, der Jagd nach Rekorden. „Reisen ist meine Leidenschaft“, sagt sie.

Die Hamburgerin hatte Glück. Ein deutscher Schiedsrichter wurde gerade gebraucht. Nötig seien Kommunikationstalent, Integrität, Sensibilität für andere Kulturen, Durchsetzungsvermögen und innere Ruhe, wenn es rundherum wild werde, sagt Kuhlmann. Unter ihren Kollegen seien Rechtsanwälte genauso wie Schauspieler.Würde sie bei einer guten Idee auch mal ein Auge zudrücken? „Nee, das wird nie passieren“, sagt sie. Nicht alles ist absurd. Oftmals steht bei den Rekorden der Charity-Gedanke im Vordergrund. Kuhlmann war bereits Schiedsrichterin bei einer Kirchen-Aktion auf den Philippinen, bei der Ärzte die meisten Ultraschall-Untersuchungen innerhalb von acht Stunden absolvierten, insgesamt 7152. Die positive Energie hat sie beeindruckt. An ihrem Job fasziniert die Norddeutsche die Grenzenlosigkeit der Superlative.

Nach einem Dreivierteljahr steht für Lena Kuhlmann fest: Sie hat ihren Traumjob gefunden. Die nächste Auslandsreise ist bereits in Planung. Es geht nach Barcelona. Sie will den Rekord über die meisten Städte, die am gleichen Tag einen Zehn-Kilometer-Lauf ausrichten, überprüfen.

LN

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