Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Die Zahl der Unfälle steigt: Oft fehlt es an Rücksichtnahme

Kiel Die Zahl der Unfälle steigt: Oft fehlt es an Rücksichtnahme

Fahrer missachten die Vorfahrt, blinken nicht oder fädeln sich falsch ein, mit fatalen Folgen — Polizei kontrolliert das selten und achtet mehr auf Temposünder.

Voriger Artikel
Mehr Unfälle und weniger Verkehrstote im Norden
Nächster Artikel
Tödliches Ehedrama im Vier-Sterne-Hotel

Kiel. Die Zahl der Verkehrsunfälle im Norden steigt wieder. Die Polizei ist ratlos. Sie will mit Videowagen noch mehr Raser und Drängler aufspüren. Doch die sind schon längst nicht mehr für die Mehrzahl der Toten und Verletzten auf den Straßen im Land verantwortlich.

Es ist ein festgefahrenes Ritual: Immer im Frühjahr stellen Polizei und Innenminister in Kiel den „Verkehrssicherheitsbericht“ vor. Für 2015 sagt der: 85220 Verkehrsunfälle, 5621 mehr als 2014, ein Plus von 7,1 Prozent. Verletzte: 16409, plus 2,4 Prozent. Immerhin: Mit 107 Menschen, darunter zwei Kinder, starben 14 Personen weniger im Straßenverkehr als 2014, der zweitniedrigste je registrierte Wert. „Wer rast und drängelt, gefährdet sich und andere. Das ist nicht tolerierbar“, sagt Minister Stefan Studt (SPD) und kündigt den besseren Einsatz der Videowagen auf Autobahnen und einen „Blitzer-Marathon“ an. Das hat er fast so auch schon vergangenes Jahr gesagt. Genützt hat es nichts.

Kein Wunder. Bei nur noch 3680 der 20018 von der Polizei aufgenommenen Unfälle war „nicht angepasste Geschwindigkeit“ die Ursache, und selbst das muss nicht bedeuten, dass die „zulässige Höchstgeschwindigkeit“ überschritten war. In 4521 Fällen aber war es die „Missachtung der Vorfahrt“, die zum Unfall führte, gerade auch beim Einfädeln von Beschleunigungsstreifen auf Autobahnen und Schnellstraßen. 4403-mal waren „Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren“ schuld. Bei den Senioren über 65 waren solche Vorfahrts- und Abbiegefehler in 70 Prozent der 3131 von ihnen verursachten Unfälle (mit 28 Toten) Ursache. Stärkere Kontrollen der Polizei dagegen: Fehlanzeige.

„Wir kommen an bestimmte Delikte einfach nicht ran“, erklärt Vize-Polizeidirektor Joachim Gutt auf Nachfrage. Am Rande der Veranstaltung stellen Polizei-Praktiker das etwas anders dar: Es sei derzeit auch politisch gar nicht opportun, solche Delikte — Rücksichtslosigkeiten wie falsches Einfädeln, gefährliches Spurwechseln, Schneiden oder Nicht-Blinken — zu verfolgen. „Kennen Sie noch die Aktion ,Hallo Partner, danke schön‘?“, fragt ein Beamter — mit der hatte die Polizei ab den 70er Jahren bundesweit für ein rücksichtsvolleres Verhalten und mehr Hilfsbereitschaft im Verkehr geworben. „Dass die Autofahrer sich an diese Regeln der Partnerschaft ganz weitgehend nicht mehr halten, das ist mittlerweile die wahre Unfallursache Nummer eins in Deutschland.“ Kontrollen aber, zum Beispiel von Brücken herab auf Einfädelspuren von Autobahnen, seien sehr zeit- und personalaufwendig — und fänden daher schlicht nicht mehr statt.

Immerhin so viel sagte die Landespolizei gestern dann noch zu: Man wolle den „Mitteleinsatz“ bei der Verkehrsüberwachung bezogen auf die Straßen- und Deliktsarten prüfen. Dem ADAC ist das zu wenig.

Geschwindigkeitskontrollen und Videowagen seien gut und wichtig. „Sie dürfen aber nicht alles sein“, sagt Automobilclub-Sprecher Ulf Evert. Wenn die Polizei andere Delikte nicht überwachen könne, müssten eben unfallträchtige Straßen von der Verkehrsführung und dem Straßenzustand her besser und sicherer gebaut werden. Und dafür müsse die Politik dann eben auch das Geld bereitstellen.

199 Unfälle mit Pedelecs

4675 von 20018 von der Polizei aufgenommenen Unfällen ereigneten sich 2015 auf den Autobahnen im Land (plus 21,1 Prozent). Schuld sind vor allem die vielen Baustellen, heißt es. Es gab dort sechs Tote. 199-mal waren Elektrofahrräder (Pedelecs) an Unfällen beteiligt, häufig wurden sie von Senioren gefahren.2743 Unfälle (plus 14,1 Prozent) geschahen unter Beteiligung von Güter- Lastkraftwagen. Dabei starben 30 Menschen, 16 davon auf Bundesstraßen.

Von Wolfram Hammer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den November 2016.

Was für einen Adventskalender haben Sie?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und vieles mehr in Lübeck und Umgebung.

Tatort-Blitzkritik

Immer sonntags, direkt nach dem Tatort gibt es die Kritik auf LN Online. Reden Sie mit!

TV-Vorschau

Unsere Kolumne zeigt, wo sich das Einschalten lohnt.

Beltquerung

Politik und Bahn planen die Hinterlandanbindung zur Beltquerung. Alle Infos hier.

Schulen

Wir stellen Ihnen Schulen vor - damit Sie die richtige Wahl für Ihr Kind treffen.