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Die flauschigen Küken haben es gerne warm

Neumünster Die flauschigen Küken haben es gerne warm

Erste erfolgreiche Winterbrut der Humboldt-Pinguine im Tierpark Neumünster.

Verena Kaspari (l.) und  Ines Petersen vom Tierpark Neumünster stellt den Nachwuchs vor: zwei vier Wochen alte Humboldt-Pinguin-Geschwister.

Quelle: Neelsen

Neumünster. Eigentlich hat es gerade gar keine Lust, gewogen zu werden. In der kleinen Höhle, neben seinem Kumpel mit dem flauschigen Dunengefieder, war es auch viel wärmer. Nun, draußen im Tierpark Neumünster, misst das Thermometer knapp zwei Grad, und es regnet. Aber da muss so ein Humboldt-Pinguin-Küken nun mal durch. „Tschiep, tschiep“, macht Pflegerin Ines Petersen zur Beruhigung und hebt den erst gut einen Monat alten Vogel auf die Waage. „1552 Gramm“, vermeldet sie, doch der kleine Humboldt-Pinguin will nur eines — ins Warme. Und versucht, sich im Schoß der Pflegerin zu verstecken. Sein Geschwistervogel, der zwei Tage vor ihm geschlüpft ist, verkriecht sich ebenso.

Pinguine, so denkt man, sind die Kälte gewöhnt. Doch bei dieser Art ist das so eine Sache. „Die Humboldt-Pinguine sind Südamerikaner“, sagt Verena Kaspari, Zoologische Leiterin im Tierpark Neumünster. „Sie sind Plusgrade gewöhnt.“ Aus diesem Grund war es bisher auch so schwierig, eine Winterbrut in Neumünster groß zu ziehen. Denn: „Humboldt-Pinguine haben ihre Bruthöhlen normalerweise in Guano, in dem ein ganz besonderes Mikroklima bei zehn Grad und aufwärts herrscht“, erklärt Kaspari. Guano entsteht bei der Verwitterung von Seevögel-Kot auf Kalkstein oder kalkreichem Boden.

Seitdem Guano als Düngemittel in der Landwirtschaft verwendet wird, beraubt der Mensch den Pinguin zunehmend seines Lebensraums. Aber auch schrumpfende Fischbestände und Wetterphänomene wie „El Niño“

machen den Tieren zu schaffen. „Sie stehen auf der Liste der bedrohten Vogelarten“, sagt Kaspari. „Dass wir hier nun eine Winterbrut haben, ist ein echter Zuchterfolg.“

Erste erfolgreiche Winterbrut der Humboldt-Pinguine im Tierpark Neumünster.

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Denn damit es die Humboldt-Pinguin-Eltern auch bei Minusgraden schön gemütlich haben, mussten die Mitarbeiter des Tierparks erst einmal mit dem Nestbau herumexperimentieren. Zuerst wurde die Durchlüftung der Bruthöhle durch mehr Löcher verbessert, Bimssteine sorgen für eine bessere Isolierung des Nestes. Auch Teppich und ein paar Sägespäne kamen schließlich zur Dämmung hinzu. „Unsere Erfahrungen damit haben wir auch an andere Tierparks mit Humboldt-Pinguinen weitergegeben“, sagt Kaspari.

Fischgeruch zieht durch das Seevogel-Gehege. Bei den noch namenlosen Küken, bei denen auch erst eine DNA-Untersuchung der Federn Aufschluss über das Geschlecht geben kann, geht es nach dem Wiegen erst einmal ans Füttern. Sprotten stehen auf dem Menüplan, etwa 15 täglich. Noch müssen die Pflegerinnen den Küken bei der Essensaufnahme helfen. Der eine oder andere Fisch landet quer im Schnabel, bis der Nachwuchs ihn im Stück verschlingt. Dass Petersen als Verantwortliche auch ein Stück weit Muttergefühle entwickelt hat, kann sie nicht leugnen. Doch die 39-Jährige sagt auch: „ Wir versuchen, den Kontakt auf die Fütterungszeit zu beschränken und die Tiere nicht zu doll zu betüdeln — die Pinguine sollen schließlich Pinguine bleiben.“

Und die werden schnell groß: Schon in etwa zwei bis drei Wochen beginnt die Mauser — die Tiere bekommen dann ein schwimmtaugliches Kleid. Vielleicht gibt es aber bald auch noch mehr Nachwuchs bei den insgesamt zwölf Pinguinen: Bei weiteren Eiern sind die Tiere noch nicht geschlüpft.

Berühmter Namenspate
1834 beschrieb der Forscher Franz Julius Ferdinand Meyen erstmals die Pinguin-Art, die er laut eigenen Angaben nach Alexander von Humboldt benannte. Doch auch wenn Humboldt die Pinguine mutmaßlich nie gesehen hat, wird das Klima im Lebensraum der Art entscheidend von dem nach ihm benannten kalten „Humboldtstrom“ im Südpazifik beeinflusst.

Lena Modrow

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