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Norddeutschland Die vielen Gesichter der Trave
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11:39 07.02.2017
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Gießelrade

Fast wäre man vorbeigefahren. Doch eine rote Boje weist den Weg. „124 Kilometer Travequelle – Travemünde“ ist darauf zu lesen. Hier in Gießelrade nahe Ahrensbök (Kreis Ostholstein) entspringt die Trave. „Die Bauern haben sich einst hier wegen der Quelle angesiedelt“, sagt Annegret Saathoff, Betreiberin der örtlichen Heuherberge. Ende der 50er Jahre soll es einen sehr trockenen Sommer gegeben haben, in dem sich die Anwohner der umliegenden Gemeinden Wasser aus Gießelrade geholt haben, wird erzählt. „Der Wasserspiegel ist hier sehr hoch, die Brunnen sind immer voll.“ Annegret Saathoff hat ihre Heuherberge „Bei der Travequelle“ genannt. „Viele Besucher wollen dann auch den Ursprung des Flusses sehen.“

Ein kleiner Quelltümpel, bedeckt mit grünem Entenflott, liegt gleich westlich hinter dem Ortseingang. Von dort verläuft die Trave – obwohl der späteren Mündung in Lübeck schon so nah – zunächst verrohrt Richtung Siblin. Weiter geht es durch Sarau und Travenort, bis die Trave beim Gut Wensin in den Wardersee fließt. In Warderbrück in der Gemeinde Krems II verlässt sie den See wieder. Hier wird sie so breit, dass erste Wassersportler den Fluss nutzen können.

Hanno Soltau wohnt direkt neben dem Fluss. Nur ein paar Schritte, ein paar Treppenstufen hinab, und er kann sein Kajak zu Wasser lassen. „Die meisten fahren bis zur Herrenmühle“, erzählt der 20-Jährige. Allerdings sei die Trave im Sommer stark zugewachsen. Zudem müsse man auf den Wasserstand achten. An der Einstiegsstelle zeigt ein Holzschild den Pegelstand an. Derzeit steht es auf „Grün“. Keinen halben Meter tief ist das Wasser hier, Muscheln und Wasserschnecken sind am Grund zu sehen.

Bei Bad Segeberg erreicht die Trave ihren westlichsten Punkt, dreht nach Süden ab und fließt munter durchs Travetal, vorbei am Kloster Nütschau bis nach Bad Oldesloe. Die Trave zählt neben der Treene zu den am schnellsten fließenden Gewässern in Schleswig-Holstein.

Von den früheren Mühlgebäuden an der Strecke ist nicht mehr viel zu sehen. Sie sind in Privatbesitz wie etwa die ehemalige Kupfermühle bei Dreggers, in der zuletzt Zettler Nudeln hergestellt wurden.

Einzig in Stormarns Kreisstadt dreht sich bis heute unermüdlich ein Mühlrad. Vom Restaurant „Zur Mühle“ in der Fußgängerzone geht es immer dem Rauschen nach. Dieter Syllwasschy (80) aus Bargteheide zeigt seinen achtjährigen Enkeln Finlay und Leif, wie die Wasserkraft funktionierte. Heute läuft das Mühlrad allerdings ohne Funktion. In der ehemaligen königlich-dänisch-privilegierten Kornmühle, 1798 errichtet, sind heute sechs Wohnungen und ein Weinhaus untergebracht. „Bei offenem Fenster rauscht es ganz schön“, berichtet Ernst Dreger (65), Inhaber des Weinhauses Alte Mühle. Noch bis Mitte der 60er Jahre sei dort Mehl hergestellt worden. Die Säcke seien auf den Mühlenplatz hinuntergerutscht, erinnert sich eine Kundin.

Immer wieder hört man Wasser gurgeln – auch dort, wo Trave und Beste zusammenfließen. Ganz in der Nähe wohnt Walter Kientopf (69). Direkt an seinem Haus liegt idyllisch ein Kanu im grünen Travewasser, Weidenzweige hängen tief über der Wasseroberfläche. „Meist sind wir Richtung Segeberg unterwegs“, sagt der Rentner, der seit vier Jahren in Bad Oldesloe wohnt. Auch die untere Trave könnte befahren werden. „Doch da müssten wir das Boot umtragen“, sagt er.

Rund 30 Kilometer windet sich die Trave in vielen Kurven nun nach Osten. Auf dem Abschnitt bis Klein Wesenberg und Hamberge ist der Fluss teilweise begradigt worden. „Dadurch bietet sich ein guter Blick in die Landschaft“, verrät Lothar Krebs, Inhaber vom Kanu-Center, das Kanadier und Kajaks verleiht. Vor allem Menschen aus der Region würden Kanus mieten. „Sie wohnen in der Nähe des Flusses und wollen die Trave besser kennenlernen.“ Bei Reinfeld unterquert der Fluss die Autobahn und trifft in Lübeck-Genin auf den Elbe-Lübeck-Kanal. „Da wird es maritimer. Das ein oder andere Sportboot ist zu sehen“, sagt Lothar Krebs.

Schließlich erreicht der Fluss Lübeck. Hinter der Possehlbrücke knickt er links ab. „Da geht es am Domviertel, dem Holstentor, den Salzspeichern und am Museumshafen vorbei. Man hat einen wunderschönen Blick auf die Stadt“, schwärmt Lothar Krebs. Schließlich legt die Trave noch einmal erheblich an Breite zu, bevor sie in Travemünde in die Ostsee fließt. Von dort schieben sich die großen Fähren hinaus aufs Meer.

 Julia Paulat

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