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Die zwei Quellen der Schwartau

Eutin Die zwei Quellen der Schwartau

Offiziell entspringt der Fluss im Dodauer See nahe Eutin – Sechs Mühlen säumten früher seinen Weg.

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Bärbel (53) und Kristian (48) Holz spazieren mit Chow-Chow „Lilly“ am Fluss entlang durch den Bad Schwartauer Kurpark.

Quelle: Fotos: Dirk Silz

Eutin. „Da hinten fließt sie“, sagt Hans-Henning Koerth und blickt aus dem verstaubten Fenster seines alten Kornspeichers. Er geht die hölzerne Treppe hinunter, öffnet das schwere Tor und bahnt sich einen Weg durchs Grün. Dort plätschert das Wasser der Schwartau über ein paar Steine, es riecht frisch und ab und an kann der 73-Jährige hier sogar einen Fisch fangen. „In dieser verrückten Welt ist es schön, einen Ort der Ruhe zu haben“, sagt Koerth und blickt auf das beruhigende Wasser. Er lebt seit mehr als 20 Jahren in einer Eigentümergemeinschaft in der Braaker Mühle. Jede Entwicklung des Flusses hat er mitbekommen. „Früher wurde das Wasser hier angestaut, da konnte man sich unter die Steine stellen und sich im Sommer wie unter einem Wasserfall abkühlen“, erzählt er.

LN-Bild

Offiziell entspringt der Fluss im Dodauer See nahe Eutin – Sechs Mühlen säumten früher seinen Weg.

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Ein paar Meter zuvor, direkt neben dem alten Mühlgebäude, fließt die Schwartau mit der Braaker Au zusammen. Viele sagen, hier liegt die Quelle des Flusses. Denn die Braaker Au führt mehr Wasser als die Schwartau und gilt damit als Quellgewässer. „Aber das stimmt nicht“, meint Koerth, „wenn ich in den Wald gehe, dann ist die Schwartau schon vorher da.“ Der Zusammenfluss an der Braaker Mühle wird deshalb als „falsche Quelle“ bezeichnet. Die richtige liegt im Dodauer See nahe Eutin. Menschenleer liegt das Gewässer in einer Senke. Nur ein einziges Haus grenzt daran. Ein paar Kormorane fliegen übers Wasser, ein Storchennest wartet in luftiger Höhe auf seine Bewohner und eine Ringelnatter wärmt sich auf einem Stein. Als kleines Rinnsal bahnt sich die Schwartau aus dem See einen Weg unter der B 76 entlang durch den Wald.

Als sie rund 20 Kilometer weiter, vorbei an Kesdorf und Pönitz, in Gleschendorf ankommt, ist sie bereits ein paar Meter breit. „Früher konnten wir hier schwimmen“, erzählt Peter Möller, „wir haben in einem Gurkenglas Weißfische gesammelt und mit dem Kescher Hechte und Barsche gefangen.“ Diese Zeiten sind fast 50 Jahre her. Heute betreibt der 56-Jährige mit seiner Frau die „Mühlen-Bäckerei“

direkt an der Schwartau. Der Fluss ist eingewachsen und hat einen grünen Belag. An Baden denkt in Gleschendorf niemand mehr. Die Brötchen und der Kuchen der Möllers sind dagegen gefragt. Das Backhaus, eine alte Mühle, ist voller Erinnerungen. Schon Möllers Großeltern und sein Onkel waren hier Bäcker. Nebenher hat der Großvater am Hamburger Hansa-Theater gearbeitet. Charlie Chaplin hat ihm dort einen Zylinder geschenkt, Peter Möller hält ihn in Ehren. Doch auch die Schwartau hat Erinnerungen hinterlassen. „Einmal haben sich Äste verfangen und das Wasser gestaut bis es über die Ufer getreten ist. Da schwammen die Mülltonnen über den Hof und die Umkleiden standen unter Wasser“, erzählt Möller.

Die Schattenseiten der Schwartau kennt auch Familie Ströh. Sie betreibt die Hobbersdorfer Mühle und produziert dort seit 1914 Mühlen- und Futterprodukte. „2001 war die Jahrhundertflut, da ist alles abgesoffen. Sogar die Silos sind vollgelaufen“, erzählt Philip Ströh (27). Die gute Seite der Schwartau: Sie versorgt das Unternehmen mit Energie. Schon vor 200 Jahren wurde die Mühle durch die Wasserkraft angetrieben. 40 Kilowatt die Stunde schafft die Turbine unter Wasser derzeit. Das Familienunternehmen hat ein eigenes Wehr, mit dem der Wasserstand nach strengen Vorgaben per Hand geregelt werden kann.

Im Bad Schwartauer Kurpark ist die Schwartau wieder zur Ruhe gekommen. Hier fügt sie sich in eine Idylle aus Seen und grünen Wiesen ein. „Wir gehen jeden Tag zwei Mal mit dem Hund hier lang“, erzählen Kristian und Bärbel Holz, „es ist richtig hübsch und direkt vor der Haustür.“ Nur wenige Kilometer weiter hat die Schwartau ihren Weg geschafft. Sie schlängelt sich unter den Bahnschienen hindurch an dem Bodendenkmal „Alt-Lübeck“ vorbei in die Trave. Gesehen wird sie hier nur noch von Zugreisenden, Radfahrern, Spaziergängern oder Seglern. Auch Martina Linke macht eine Radtour auf dem Weg, der Bad Schwartau und Dänischburg verbindet. „Es ist sehr schön hier“, sagt sie, „so idyllisch.“

Maike Wegner

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