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Norddeutschland Diebstahl an der Selbstzahlerkasse
Nachrichten Norddeutschland Diebstahl an der Selbstzahlerkasse
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18:40 25.09.2018
Ikea war Vorreiter bei den Kassen ohne Kassierer. Quelle: dpa
Kiel/Lübeck

Das war nicht im Sinne des Erfinders: Anstatt die eingekauften Waren bei Ikea zu bezahlen, nutzten eine Frau (50) und ein Mann (22) in Kiel die Selbstzahlerkasse zum Klauen. Sie füllten in einen Karton Waren im Wert von 1000 Euro, den Strichcode auf der Schachtel manipulierten sie, so dass nur 7,99 Euro fällig waren. Das bemerkte allerdings eine Mitarbeiterin. Ist für Selbstzahlerkassen also die Zeit noch nicht reif?

Doch, meint Ikea-Sprecherin Nathalie Schmoll. „Es gibt keine nennenswerten Verluste durch den Missbrauch der Selbstbedienungskassen.“ Die meisten Kunden seien ehrlich. Ikea kontrolliere nur stichprobenartig. Die Möglichkeit, Waren selbst einzuscannen, komme an. „Das läuft schon gut.“

Edeka macht gute Erfahrungen

Nicht nur bei Ikea, auch in Filialen anderer Ladenketten, wie etwa Baumärkten oder Lebensmittelgeschäften, werden inzwischen Selbstzahlerkassen genutzt. Bei Edeka im Lübecker Luv-Center stehen seit zwei Jahren neben sechs normalen auch vier Selbstscankassen. „Vor allem die Jüngeren nehmen das an“, hat Marktleiter Martin Neumann beobachtet. „Die Älteren trauen sich oft nicht und stehen lieber Schlange.“ Kameras und eigens abgestellte Mitarbeiter sollen aufpassen, dass nichts ohne zu bezahlen aus dem Laden geschmuggelt wird. „So etwas bleibt nicht aus“, weiß Neumann. Der Anteil unehrlicher Kunden indes sei gering. „Unter fünf Prozent“, schätzt der Marktleiter. Mehr Selbstzahlerkassen möchte er derzeit aber nicht. „Für unseren Markt haben wir genug.“

„Viele haben das Selbst-Scanning in der Erprobung, weil es das beste System zu sein scheint“, weiß Dierk Böckenholt, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes (HV) Nord in Kiel. „Das ist eine Umstellung für die Unternehmen und die Verbraucher.“

Märkte wollen Personal sparen

Die Vorteile des Selbstscannens lägen auf der Hand: Es sei ein Service für die Kunden, die nicht in der Schlange an der Kasse stehen wollten. Zum anderen spare es Personal. Böckenholt: „Die Entwicklung wird dadurch forciert, dass in den Tarifverträgen des Handels die Kassierer aus Sicht der Unternehmen relativ hoch eingruppiert sind.“ Die gute Bezahlung der Kassierer sei gerechtfertigt gewesen in einer Zeit, in der Kassen noch nicht selbst das Rückgeld errechneten und die Kassierer die Preise auswenig lernen mussten. „Da es bei den Tarifen diesbezüglich zu keiner Einigung kommt, suchen die Unternehmen nach kreativen Lösungen, dazu gehörten auch die Selbstzahlerkassen.“

Noch sei indes die ideale Lösung nicht gefunden, da für die Kontrolle ebenfalls Personal benötigt werde. Lösungsansätze seien zum Beispiel Gewichtskontrollen, die zeigen sollen, ob der eingescannte Artikel wirklich der richtige sei. „Daran wird noch gearbeitet.“ „Amazon Go-Läden“ ohne Kassen, in denen der Einkauf automatisch über Handy-App abgerechnet werde, seien in Deutschland noch eine Zukunftsvision. „Der Weg wird dahin gehen“, glaubt Böckenholt.

Marcus Stöcklin

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