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Norddeutschland Diebesbanden knacken Luxusautos per Funksignal
Nachrichten Norddeutschland Diebesbanden knacken Luxusautos per Funksignal
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12:44 02.03.2018
In Stormarn und im Herzogtum Lauenburg häufen sich die Fälle, bei denen hochwertige Autos gestohlen werden, die mit dem sogenannten Keylessgo-System ausgestattet sind.  Quelle: Markus Carstens
Bad Oldesloe/Ratzeburg.

In Siek war es ein Daimler-Benz C 250 im Wert von 35 000 Euro, in Barsbüttel ein Audi Q7 und ein Mercedes 218 AMG (beide etwa 95 000 Euro), in Trittau erneut ein Mercedes AMG und zuletzt in Schwarzenbek zwei weitere Mercedes mit einem Wert ebenfalls im hohen fünftstelligen Bereich: Gleich sechs Diebstähle von Keylessgo-Fahrzeugen hat die Polizei in den vergangenen zwei Wochen registriert. Einzig der Pkw aus Trittau wurde sichergestellt, nachdem die Täter nach einer Verfolgungsjagd den Wagen auf der Autobahn Richtung Osten stehen ließen. Die Diebesbande allerdings entkam unerkannt.

„Autodiebstähle sind momentan ein Schwerpunkt“, sagt Rena Bretsch, Sprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg. „Wir ermitteln in alle Richtungen, sind mit Zivilstreifen unterwegs und fahren Sondereinsätze.“

Oldesloer Autohändler Rolf Witthöft zeigt mit einem Mazda das Keyless-Schließsystem.

Betroffen sind laut ADAC alle Hersteller, die nicht mehr nur hochwertige Fahrzeuge mit dem komfortablen System ausrüsten, sondern mittlerweile auch schon Mittelklasse-Wagen. Statt eines klassischen Autoschlüssels hat der Halter einen Funkschlüssel. Kommt er damit in die Nähe seines Autos, kann er die Tür per Knopfdruck öffnen und genauso auch den Motor starten. „Autos und Motorräder mit dem Keyless-Schließsystem sind deutlich leichter zu stehlen“, sagt ADAC-Sprecher Hans Pieper und verweist auf eine Untersuchung des Automobilclubs an mehr als 140 Modellen. „Mit einer selbst gebauten Funk-Verlängerung konnten alle mit Keyless ausgestatteten Autos sekundenschnell geöffnet und weggefahren werden, ohne Einbruchsspuren zu hinterlassen“, sagt Pieper. Das gehe auch dann, wenn der Schlüssel im Haus liegt oder der Besitzer mit Schlüssel in der Hosen- oder Jackentasche im Biergarten sitzt. Bauteile für so eine Funk-Verlängerung gebe es in jedem Elektronik-Laden für rund 100 Euro.

Der ADAC sieht daher die Autobauer in der Pflicht nachzurüsten. „Wir weisen schon länger auf das Problem hin, aber die Hersteller denken trotzdem nicht an ein Update“, sagt Pieper. Eine Möglichkeit, das Signal abzuschotten, sei übrigens, den Funkschlüssel in Alufolie einzuwickeln.

Autohändler Rolf Witthöft aus Bad Oldesloe glaubt, dass diese sechs Fälle nur die Spitze des Eisbergs sind. Auch bei ihm wurden schon Keylessgo-Autos vom Hof gestohlen. Danach ließ Witthöft einen Zaun um das Gelände errichten. Vor allem in den reichen Gegenden am Hamburger Rand seien Autodiebstähle ein großes Problem, so Witthöft. Auch bei den Kfz-Versicherern ist das Problem virulent. „Wir können bestätigen, dass Fahrzeuge mit Keylessgo-Systemen vermehrt gestohlen werden“, sagt Heiko Wischer, Sprecher der Provinzial in Kiel. „Allerdings können wir keine Aussage darüber treffen, ob dieser Anstieg jeweils mit der Manipulation dieser Technik zu tun hat oder ob die Diebstähle nicht durch andere Methoden, den Pkw zu knacken, gelangen.“ In jedem Fall würden die Diebstähle wie alle anderen auch reguliert.

Von Markus Carstens

Keyless Go

Keyless Go beschreibt ein System, um ein Fahrzeug ohne aktive Benutzung eines Autoschlüssels (also „keyless“, zu deutsch „schlüssellos“) zu entriegeln und durch das bloße Betätigen des Startknopfes zu starten. Ermöglicht wird das durch einen Keyless-Go-Schlüssel mit Chip, den der Fahrzeuglenker mit sich führt. „KEYLESS GO“ ist eine eingetragene Wortmarke der Daimler AG. Der Autobesitzer muss den Schlüssel nur bei sich tragen, zum Öffnen ist kein Tastendruck am Schlüssel nötig. Sobald er sich seinem Fahrzeug nähert, erkennt dieses per Funk den Schlüssel. Beim Berühren des Türgriffs (oder Drücken eines Tasters am Türgriff) öffnet die Zentralverriegelung. Bei Motorrädern wird das Lenkerschloss entriegelt. Gestartet wird ohne Zündschlüssel durch Druck auf einen Taster. 

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