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Norddeutschland Diese Frau fordert Torsten Albig heraus
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21:16 30.06.2016
Gesine Stück (49) aus Schilksee tritt am Sonnabend gegen SPD-Ministerpräsident Torsten Albig an. Die frühere Ratsfrau möchte 2017 in den Landtag. Quelle: Fotos: Frank Peter, Rehder/dpa

Die Nord-SPD ist immer für böse Überraschungen gut. Das weiß auch Torsten Albig (53). Am Sonnabend nominieren die sieben Ortsvereine aus dem Wahlkreis Kiel- Nord im Wissenschaftszentrum einen Direktkandidaten für die Landtagswahl 2017. Neben dem Ministerpräsidenten hat auch Gesine Stück (49), ehemalige Ratsfrau aus dem Stadtteil Schilksee, ihren Hut in den Ring geworfen. Der Wahlausgang? Unberechenbar. Albigs Bewerbung um einen Wahlkreis ist alles andere als ein Selbstgänger.

Ministerpräsident Torsten Albig will das Direktmandat für den Wahlkreis Kiel-Nord.

„Ich finde, eine qualifizierte Kandidatin, die einen breiten Erfahrungshorizont hat und mit Familie und Beruf mitten im Leben steht, gehört ins Kieler Team für den Landtag“, schrieb Stück an die Genossen. Sie sehe ihre Bewerbung „als Zeichen für die innerparteiliche Demokratie und gegen Politikverdrossenheit“. Ihre Partei solle deutlich machen, worum es in der parlamentarischen Demokratie gehe: „Nämlich jemanden zu wählen, der die Interessen des Wahlkreises im Parlament vertritt.“

Auch Albig wohnt seit 2002 im Kieler Norden und bezeichnet ihn als persönlichen Lebensmittelpunkt. Er wolle seine Funktionen als Regierungschef und Abgeordneter zusammenführen. „Wer Sorge hat, ich könnte die beiden Aufgaben zeitlich nicht vereinbaren, der kann beruhigt sein“, schrieb er den „lieben Genossinnen und Genossen“. Er werde regelmäßig Bürgersprechstunden abhalten und in den Ortsvereinen präsent sein. Bei einer Forsa-Umfrage der Kieler Nachrichten und der Lübecker Nachrichten hatten sich im April 52 Prozent der Schleswig-Holsteiner mit seiner Arbeit zufrieden gezeigt.

Die SPD kam bei der Sonntagsfrage nur auf 28 Prozent.

Unterschwellig rumort es mal wieder an der Basis. Albig habe seine Bewerbung zu spät mit den Vorsitzenden abgestimmt, heißt es. Übel stieß der Parteiseele jüngst auch ein Interview auf, das Albig der „Bunten“ gegeben hatte. Egal, ob Barack Obama oder Sigmar Gabriel bei ihm anrufen würden – seine Kinder gingen vor, ließ er sich zitieren. Das war halb Scherz, halb dicke Hose – löste in der SPD aber Kopfschütteln aus. Als hätte der Kieler Ministerpräsident zum Weißen Haus einen heißen Draht. „Dreht der jetzt völlig ab?“, fragte ein Parteifreund. „Die SPD funktioniert von unten nach oben“, konstatierte ein Ortsvorsitzender. „Und das ist gut so.“

Sollte die Kieler SPD ihren wichtigsten Mann im Land durchfallen lassen, bräuchte sie sich auf Landesparteitagen erst mal nicht mehr blicken zu lassen. So ganz kann der Kieler Kreisvorsitzende Jürgen Weber die Sorgen nicht von der Hand weisen. Auf der einen Seite gehe es um die politischen Persönlichkeiten, auf der anderen um die politischen Konsequenzen, sagte er. „Ich bin mir sicher, dass die Kieler Mitglieder beides berücksichtigen.“ Der Scherbenhaufen wäre bei Albigs Niederlage gewaltig. Zwar hat der Regierungschef angekündigt, auch im Fall einer Schlappe Platz 1 der Landesliste für sich zu beanspruchen – was ihm den Einzug ins Landeshaus sichern würde: „Aber für den Wahlkampf wäre das ein ziemlich dämlicher Auftakt.“ Eine Empfehlung des Kreisvorstands gibt es nicht.

Insider erwarten für Sonnabend 150 bis 200 Mitglieder. Je mehr kommen, desto günstiger stünden die Chancen für Albig. Dass er sich durchsetzen kann, hat er bei einer Urwahl 2011 im Zweikampf gegen Ralf Stegner schon bewiesen.

Christian Hiersemenzel

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