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Norddeutschland Diskussion um Feuerwehr-Rente
Nachrichten Norddeutschland Diskussion um Feuerwehr-Rente
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19:35 18.06.2017
Feuerwehrleute in Schleswig. Auch, weil einige Wehren Nachwuchssorgen haben, wird jetzt diskutiert, ob die Mitglieder eine Rente gezahlt bekommen sollen. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Potsdam/Lübeck

Die kleine Gemeinde mit 313 Einwohnern legt ihren Feuerwehrleuten 150 Euro pro Jahr als Altersvorsorge auf einem Extra-Konto zurück. „Dazu kommen anteilig nach Einsatzstufen noch Zahlungen obendrauf, so dass für aktivere Mitglieder am Schluss 200 bis 300 Euro pro Jahr dabei rauskommen“, erklärt Bürgermeister Andreas Moll (59). Bei Eintritt in das Rentenalter wird das Geld dann schließlich ausgezahlt. „Das ist eine sehr vernünftige Regelung“, betont Moll. Altenhof hat aktuell 26 aktive Feuerwehrleute, die durchschnittlich 30 Einsätze pro Jahr stemmen müssen. „Das ist sehr viel für eine kleine Landgemeinde.“ Als Anerkennung für diese Arbeit habe man 2010 die Feuerwehr-Rente eingeführt.

In Brandenburg will die oppositionelle CDU im Landtag mit der Rente die Nachwuchsprobleme eindämmen. Dort geht die Zahl der ehrenamtlichen Feuerwehrleute immer weiter zurück. Zuletzt ist sie erstmals auf weniger als 40000 gesunken, begründet der Sicherheitsexperte der Fraktion, Björn Lakenmacher, den Vorstoß. Dabei werden die Aufgaben des Brandschutzes im Land zu 95 Prozent von Freiwilligen erledigt. Offenbar gibt es bereits Probleme damit, die Einsatzbereitschaft zu jeder Tageszeit sicherzustellen. Unklar ist allerdings, wie hoch die Rente ausfallen und wer sie finanzieren soll.

An der Finanzierung ist vor drei Jahren auch Fehmarn gescheitert. Der damalige Bürgermeister hatte eine Feuerwehr-Rente prüfen lassen. Anlass war der Personalnotstand in der Ortswehr Meeschendorf.

Die Pläne verliefen jedoch im Sand, die Insel hätte jährlich 37000 Euro aufbringen müssen – das aber können die meisten Kommunen gar nicht leisten. „Experten hatten zudem ausgerechnet, dass die Rendite zu gering ist“, erinnert sich Gemeindewehrführer Volker Delfskamp. Schließlich habe man sich etwas überlegt, was schneller greife: Die Feuerwehrleute auf der Insel können nun mit ihrem Privatwagen kostenlos parken und zur Fitnesserhaltung kostenlos schwimmen gehen. „Das haben die Kameraden so entschieden“, berichtet Delfskamp.

Auch beim Landesfeuerwehrverband in Kiel setzt man eher auf Rabattkarten. „Wenn eine Gemeinde ihrer Feuerwehr etwas Gutes tun will, kann sie freies Parken oder ermäßigten Eintritt ins Schwimmbad ermöglichen“, sagt Sprecher Holger Bauer. Grundsätzlich aber arbeiteten die Kollegen freiwillig und ehrenamtlich. „Und das bedeutet ohne Geld.“

„Das Finanzsäckel der Gemeinde Altenhof ist deutlich besser bestückt als bei anderen“, räumt Moll ein. Das Modell habe viel Interesse geweckt. „Die kritischen Gedanken überwiegen aber“, erklärt Mathias Schütte, Kreiswehrführer in Rendsburg-Eckernförde. „Die Feuerwehr-Rente hat sich nicht durchgesetzt.“ Einzig die Gemeinde Noer in der Nähe von Kiel habe nachgezogen. Auf Fehmarn wird derzeit ein Feuerwehr-Bedarfsplan erstellt. Ob die Rente noch mal Thema wird, ist unklar.

 Julia Paulat

 

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