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Dolce Vita: Ein Hingucker wird 70

Lübeck Dolce Vita: Ein Hingucker wird 70

1946 wurde in Italien die erste Vespa gebaut — Heute ist sie ein Klassiker und hat auch im Norden viele Fans.

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Timo Neumann (34, v. r.), Joachim Weiß (57), Michael Braun (60), Astrid Neumann (59) und John Bannow (53) sind Mitglieder des Lübecker Vespa-Clubs Nordblech und oft zusammen unterwegs.

Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck. „Sie stinken und sie sind nervtötend laut“: Lange Zeit konnte Dieter Neumann Vespas nichts abgewinnen und meckerte, wenn sein Sohn Timo mal wieder an seinen Maschinen herumschraubte. Doch dann kam sein 50. Geburtstag — und seine Kinder überraschten ihn mit einer extra für ihn fertiggemachten Vespa. „Seitdem bin ich begeistert“, sagt der heute 59-Jährige. Inzwischen besitzt er mehrere der Kult-Roller, sein Liebling ist eine cremefarbene Vespa, Baujahr 1962, mit Beiwagen. „Der ist für ,Bobby‘“, erklärt Neumann und deutet auf seinen schwarzen Terrier-Schnauzer-Mischling. „Er hat sogar eine eigene Brille gegen den Fahrtwind.“

LN-Bild

1946 wurde in Italien die erste Vespa gebaut — Heute ist sie ein Klassiker und hat auch im Norden viele Fans.

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1946 hat der Italiener Corradino D‘Ascanio die Vespa — die Wespe — erfunden. Auch heute noch, 70 Jahre später, begeistert der Motorroller von Piaggio Fans und Sammler. „Die Szene findet immer mehr Anhänger, weil es im digitalen Zeitalter auch mal schön ist, an etwas Altem herumzuschrauben“, sagt Timo Neumann. Die steigende Beliebtheit wirke sich allerdings auf den Preis aus. „Früher gab es Gebrauchte für 700 bis 800 Euro, heute geht nichts mehr unter 1500 bis 2000 Euro.“ Bei neuen Modellen liegt der Einstiegspreis sogar bei 3350 Euro.

Timo Neumann gefällt an der Vespa am besten, dass er so viel selbst machen kann. „Ich bekomme sie immer wieder zum Laufen“, sagt der 34-Jährige. Zudem sei sie eine gute Möglichkeit, um sich zu verwirklichen. „Ich kann mir eine Farbe aussuchen, sie modifizieren. Keine ist wie die andere.“ Auch Mutter Astrid Neumann teilt inzwischen seine Leidenschaft für den italienischen Klassiker. „Ich habe meine Erste vor sieben Jahren zur Silberhochzeit bekommen“, erzählt sie. Es ist eine Vespa VN, Baujahr 1954, bei der die Lampe noch unten angebracht ist. „Damit zu fahren, bringt einfach Spaß“, sagt die 59-Jährige. „Sobald das Wetter es zulässt, geht es los.“

Auch Michael Braun liebt es, mit seiner Vespa herumzufahren. „Im Sommer geht es damit immer in die Stadt“, sagt der Curauer. „Mit meiner Vespa habe ich nie Parkplatzsorgen.“ Der Pansdorfer Christian Papke hat seine Liebe zur Vespa gleich zweimal auf seiner Haut verewigt. Auf den linken Unterarm hat er sich das Wort „Vespa“ tätowieren lassen, auf seinem Bein sind Motorenteile zu sehen. „Ich lebe das voll“, sagt er.

Papkes weiße Maschine ist Baujahr 1983 und voller Kratzer. „Sie wurde noch nie lackiert“, sagt der 31-Jährige. „Ich finde, eine Vespa muss alt aussehen und eine Geschichte erzählen.“ Technisch hat er jedoch einiges an seinem Roller verändert. Statt der üblichen acht verfügt er über 30 PS und ist bis zu 130 Kilometer pro Stunde schnell. „Ich mag es, die Motorradfahrer zu ärgern“, sagt der Kfz-Mechatroniker. „Sie denken, wir sind so langsam, und unterschätzen uns damit total.“

Zum Herumschrauben kommt Christian Papke regelmäßig in die alte Schrotkammer eines ehemaligen Schweinestalls in Groß Steinrade. Sie ist das „Vereinshaus“ des Vespa-Clubs Nordblech. An der einen Seite der Raumes hängen massenhaft Schraubenzieher, Hammer und andere Werkzeuge, auf der anderen stapeln sich Vespa-Bauteile. Daneben gibt es eine Bar und eine gemütliche Sitzecke. An der Decke hängen mehrere Mini-Vespas, auf einem Regal steht eine Vespa-Holzschaukel. Vor zehn Jahren wurde der Verein gegründet, 17 Mitglieder gehören ihm aktuell an. Über den Nachrichtendienst WhatsApp verabreden sie sich spontan zu Touren, im vergangenen Jahr ging es zudem mit dem ganzen Verein zum Zelten nach Fehmarn.

John Bannow ist erst seit drei Wochen dabei, Vespa-Fan ist er aber schon seit fünf Jahren. Damals schenkte ihm seine Frau eine Maschine zu Weihnachten, verziert mit einer Schleife. „Es war eine Überraschung“, sagt der 53-Jährige. Denn bis zu dem Zeitpunkt hatte er sich noch nie mit den italienischen Rollern beschäftigt. Mit dem Geschenk änderte sich das. „Wer ist dafür nicht zu begeistern?“, fragt der Lübecker und blickt liebevoll auf seine braune PX 80, Baujahr 1992. Bannow fährt damit oft zur Arbeit oder zum Eisessen. Am meisten freut er sich, wenn er bei seinen Touren auch anderen Menschen eine Freude machen kann. „An der Ampel bekomme ich oft Daumen hoch gezeigt“, sagt er.

„Mit einer Vespa ist man einfach ein Hingucker“, meint auch Joachim Weiß. Bei dem 57-Jährigen könnte das aber auch an der Farbe seines Rollers liegen. Er ist lila. „Ich habe ihn mir vor zwei Jahren gekauft, und nun wollen ihn alle haben“, berichtet er. „Aber meine Vespa gebe ich nicht mehr her.“

Anfangs nur 3,2 PS

Der Italiener Corradino D‘Ascanio sollte nach dem Zweiten Weltkrieg ein kostengünstiges Transportmittel bauen. Das erste Modell, die Vespa 98, lief 1946 vom Band. Mit 3,2 PS erreichte sie eine Geschwindigkeit von 60 km/h. Kult wurde der Roller auch durch Filme wie „Ein Herz und eine Krone“ mit Audrey Hepburn. Bis 1965 wurden bereits drei Millionen Vespas verkauft.

Von Janina Dietrich

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