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Norddeutschland Dolmetscher belastet Angeklagten
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20:18 06.09.2016
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Kiel/Boostedt

Im Prozess gegen zwei Flüchtlinge aus Afghanistan, denen die Staatsanwaltschaft schweren sexuellen Missbrauch eines Vierjährigen in der Landesunterkunft Boostedt (Kreis Segeberg) vorwirft, forderte die Verteidigung des wegen Beihilfe mitangeklagten Asylbewerbers (29) gestern die Aufhebung des Haftbefehls. Gegen seinen Mandanten bestehe kein dringender Tatverdacht, sagte Rechtsanwalt Thomas Jung.

Laut Anklage stand der ältere Mitangeklagte Schmiere, während sich der mutmaßliche Haupttäter (22) auf der Toilette der Landesunterkunft in Boostedt an dem vierjährigen Kind verging. Dabei soll der 29-Jährige den Bruder (8) des mutmaßlichen Opfers mit einem Messer bedroht haben. Nach Angaben des Verteidigers wurde sein Mandant vor Gericht nicht von dem Achtjährigen wiedererkannt. Zudem soll der Junge Aussehen und Kleidung des 29-Jährigen unzutreffend beschrieben haben. Auch das angebliche Tatmesser und weitere belastbare Beweise fehlten.

Der Vater der beiden Jungen will den Haupttäter noch in der Toilettenkabine mit heruntergelassenen Hosen gestellt und geschlagen haben. Diese Angaben des Vaters hatte ein amtlich bestellter Arabisch-Dolmetscher (54) für die Polizei übersetzt. Gestern bestätigte der Dolmetscher die Aussagen. Nach seiner Erinnerung hatte das erst vier Jahre alte Opfer detaillierte Aussagen zum sexuellen Missbrauch durch den Haupttäter gemacht. Zunächst jedoch habe der verschüchterte Junge überhaupt nichts sagen wollen.

Erneut gehört wurde auch der Security-Einsatzleiter (29) der Landesunterkunft, der gegen 21.45 Uhr wegen einer drohenden Schlägerei zum Tatort gerufen worden war. Er bestätigte, der Vater des Opfers habe den Vorfall so geschildert, wie es in der Anklage steht. „Als wir den Täter auf dem Flur gesehen haben, hatte er immer noch den Hosenstall auf“, fügte der Zeuge hinzu.

Die Darstellung der Anklage wurde gestern zudem durch ein Gutachten gestützt. Die bei dem Kind und dem Angeklagten gefundenen DNA-Spuren wiesen auf den 22-Jährigen als mutmaßlichen Täter hin, sagte ein Gutachter des Landeskriminalamtes gestern vor dem Landgericht aus. Die sichergestellten DNA-Spuren ließen die Darstellung des Angeklagten, er habe dem Vierjährigen nur auf die Toilette helfen wollen, als sehr unwahrscheinlich erscheinen.

Über den Antrag der Verteidigung, den Mitangeklagten aus der U-Haft zu entlassen, will die Jugendkammer bei der Fortsetzung am morgigen Donnerstag entscheiden. gey

LN

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