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Norddeutschland Doppelmord: Muss Dennis N. lebenslang hinter Gitter?
Nachrichten Norddeutschland Doppelmord: Muss Dennis N. lebenslang hinter Gitter?
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10:10 17.12.2015
Auf dem Hof in Haale wurden am 18. November 2014 eine 57-Jährige und ihre Mutter (83) ermordet. Quelle: dpa
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Kiel

Im Prozess um den Doppelmord an zwei Frauen auf einem Pferdehof in Haale (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hat der Staatsanwalt gestern lebenslange Haft für den Angeklagten gefordert. Weil Dennis N. (29) im November 2014 aus nichtigem Anlass kaltblütig zwei Menschen getötet und dabei drei Mordmerkmale erfüllt habe, sah der Ankläger eine besondere Schwere der Schuld.

Sollte die Schwurgerichtskammer in ihrem Urteil am kommenden Montag dem Antrag folgen, könnte der Automechaniker nicht mit vorzeitiger Haftentlassung nach 15 Jahren rechnen. Für die Angehörigen der Opfer schloss sich Rechtsanwalt Thomas Görtzen an. Die Verteidigung forderte Freispruch. Kein einziger unmittelbarer Tatbeweis belaste den nicht vorbestraften Mann, der von Zeugen als freundlich und zuvorkommend beschrieben worden war.

Im Zuschauerraum im Schwurgerichtssaal gab es keinen freien Platz mehr, als Staatsanwalt Torsten Holleck die Ergebnisse des Indizienprozesses zusammenfasste. Der Angeklagte bestreitet, Tatwaffen liegen nicht vor, Augenzeugen gibt es nicht. Trotzdem schließt Holleck schon zu Beginn seines anderthalbstündigen Plädoyers „vernünftige Zweifel“ an N.s Täterschaft aus. Nach Hollecks Worten hatte der hochverschuldete Angeklagte ein Motiv, war am Tatort und hat kein Alibi. Die Aussage zweier Entlastungszeugen, die sich erinnert haben wollen, zur Tatzeit mit N. in dessen Werkstatt gewesen zu sein, seien unglaubhaft.

Aus Sicht der Lübecker Verteidiger Kai Wohlschläger und Christian Schumacher sind die 7900 Euro, die der Angeklagte als Vorauszahlung für einen nie gelieferten Transporter von der Besitzerin des Pferdehofs (57) erhielt, kein Motiv für einen Mord: Bei 43 000 Euro Schulden habe die Tat seine Geldprobleme nicht gelöst.

Zur Entlastung von Dennis N. erklärte gestern dessen Schwester (31), sie hätte ihm jederzeit 8000 Euro leihen können. Zu Prozessbeginn hatte die Zeugin noch die Aussage verweigert. Nun sagt sie, sie habe Dennis N. öfter mal Geld geliehen und stets zurückerhalten. Ihren Bruder nannte sie einen „Überlebenskünstler“.

„Er versuchte, sich Geld zu leihen, stopfte Löcher nur kurzfristig“, stellte Staatsanwalt Holleck fest. Bei der letzten Konfrontation mit Regina F. auf ihrem Hof sei jedoch Ärger programmiert gewesen. Die als resolut bekannte Pferdehalterin war selbst pleite. Ganze 38,57 Euro hatte sie zuletzt auf ihrem Konto.

Zeugen bestätigten, dass die Hofbesitzerin am Tatabend fest mit der Übergabe eines seit Wochen versprochenen Transporters rechnete. „Es gab keinen Ärger“, behauptete dagegen Dennis N. früher gegenüber der Polizei. Für die Anklage ist dies „nicht vorstellbar“. Regina F. sei am Ende ihrer Geduld gewesen, so Holleck. Sein Fazit: „Der Angeklagte hat nachweislich in unzähligen Punkten gelogen.“

„Der Angeklagte hat nachweislich in unzähligen Punkten gelogen.“
Torsten Holleck, Staatsanwalt

Thomas Geyer

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