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Dorsch-Bestände sollen sich erholen

Luxemburg/Kiel Dorsch-Bestände sollen sich erholen

EU-Minister senken Fangerlaubnis um 56 Prozent. Fischer hoffen auf finanzielle Unterstützung – auch Angler sind betroffen.

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Experten sehen die Bestände des Dorsches – hier ein Exemplar in einem Aquarium – bedroht.

Quelle: A. Heimken/dpa

Luxemburg/Kiel. In der westlichen Ostsee wird künftig weniger Dorsch im Netz oder an der Angel zappeln. In der Nacht zu gestern haben sich die EU-Fischereiminister auf die Reduzierung der Fangmenge um 56 Prozent für das kommende Jahr geeinigt. Erstmalig sollen dabei auch die Fänge von Freizeitfischern angerechnet werden. Während Bundesfischereiminister Christian Schmidt (CSU) von einem „Kompromiss mit Augenmaß“ sprach, warnte der Geschäftsführer der Küstenfischer Nord, Ulrich Elsner, vor einer „Vollkatastrophe“ vor allem für die betroffenen Stellnetzfischer in Schleswig-Holstein. Der Kieler Umweltminister Robert Habeck (Grüne) verlangte Gelder aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds für die dauerhafte oder vorübergehende Stilllegung von Kuttern.

 

LN-Bild

Auch der Landesfischereiverband Schleswig-Holstein forderte eine finanzielle Unterstützung für die Betriebe. Die Fischer im Land tragen zu etwa drei Viertel zum deutschen Dorschfang bei. Sie seien bereit, ihren Teil zur Schonung der Bestände zu übernehmen, sagte der Vize-Vorsitzende Benjamin Schmöde. Um dieses Tal der Tränen durchschreiten zu können, bräuchten sie aber Unterstützung.

Bundesminister Schmidt kündigte an: „Die deutschen Fischer können bei der vorübergehenden Stilllegung und bei der Ausbildung von jungen Fischern finanzielle Unterstützung erhalten. Die Fischer werden nicht alleingelassen.“

Kritik kam von der Umweltorganisation Greenpeace. Erneut hätten sich die Fischereiminister bei der Quotenvergabe den Interessen der Fischereiindustrie gebeugt, anstatt den wissenschaftlichen Vorgaben zu folgen, sagte Greenpeace- Experte Thilo Maack. Damit werde weder dem Dorschbestand noch der Ostseefischerei ein Gefallen getan. Ursprünglich sollte die Fangquote für den Dorsch nach den Vorschlägen der Wissenschaft sogar um 88 Prozent zurückgefahren werden. Dänemark setzte sich dagegen für eine Reduzierung um lediglich 20 Prozent ein. Der EU-Kompromiss liegt nun bei 56 Prozent in der westlichen sowie 25 Prozent weniger Dorsch in der östlichen Ostsee. Bundesminister Schmidt erklärte: „Angesichts der Bestandssituation beim Dorsch war eine schmerzhafte Quotenreduzierung erforderlich.“ Mit „begleitenden Maßnahmen“, etwa einem Fangverbot für die Fischer während der Laichzeit im Februar und im März und Begrenzungen der Fangmengen bei Freizeitanglern, sei man zu einem „vertretbaren Ergebnis“ gekommen. Noch größere Quotenkürzungen seien vermieden worden.

Die Präsidentin des Deutschen Angelfischerverbandes (DAFV), Christel Happach-Kasan, kritisierte unterdessen scharf die Einführung eines Tagesfanglimits für Angler, das während der Laichzeit bei drei und in der übrigen Zeit bei fünf Dorschen liegen wird. Die Regulierung gilt für deutsche, dänische und schwedische Freizeitangler in der westlichen Ostsee. „Doch das wird dem Dorsch nicht helfen, es wird Kontrollkosten verursachen und dem Tourismus an der Küste schaden“, sagte sie den LN. Die Erlaubnis, in der Laichzeit drei Dorsche fangen zu dürfen, lehnte sie als „unverantwortlich“ ab. Das Fangen von Laichdorschen verlangsame den Wiederaufbau des Bestandes. Der DAFV hatte den völligen Verzicht auf das Angeln von Dorsch in der Laichzeit in den Laichgebieten, also in Meeresgebieten tiefer als 20 Meter, angeboten.

Bei anderen wichtigen Fischbeständen in der westlichen Ostsee sieht das Bild dagegen positiv aus. Bei Hering, Sprotte und Scholle wird die Quote erhöht.

Reinhard Zweigler

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