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Norddeutschland Dreckschleudern am Bau: Experten fordern Rußfilter
Nachrichten Norddeutschland Dreckschleudern am Bau: Experten fordern Rußfilter
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16:15 27.10.2017
Baumaschinen - wie hier am Lübecker Lindenteller - seien nicht mal für ein Prozent der Feinstaubbelastung in den Städten verantwortlich, kontert Ilona Klein, Sprecherin des Zentralverbandes des Baugewerbes in Berlin, die Vorwürfe. Quelle: Holger Kröger (Archiv)
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Kiel

„Egal ob Bagger, Walze oder Radlader – die Dieselrösser vom Bau sind ein riesiges Umwelt- und Gesundheitsproblem“, sagt Ralf Olschewski, Bezirksvorsitzender der IG Bau in Holstein. Bauarbeiter hätten durch sie ein besonders hohes Risiko für Lungen- oder Kreislauferkrankungen. Und auch die Anwohner von Baustellen würden unter der Luftverschmutzung leiden. In Innenstädten mit Umweltzone könne es sogar zu der grotesken Situation kommen, dass die Bauarbeiter ihre älteren Diesel-Pkw am Stadtrand stehen lassen müssen, aber in der City dann mit ungefilterten Diesel-Maschinen umher fahren würden, heißt es bei der Gewerkschaft.

Bei den Arbeitgebern hält man dagegen. „Baumaschinen sind nicht mal für ein Prozent der Feinstaubbelastung in den Städten verantwortlich“, sagt Ilona Klein, Sprecherin des Zentralverbandes des Baugewerbes in Berlin. Eine Filterpflicht mache daher keinen Sinn, zumal die Filter für Baumaschinen keine Massenware und sehr teuer seien. Die Mitarbeiter sollten sich auf besonders staubigen Baustellen ohnehin mit Masken schützen.

Der Baugewerbeverband Schleswig-Holstein informiert seine Mitgliedsbetriebe immerhin über Nachrüstmöglichkeiten, heißt es in Kiel. Tatsächlich gibt es von der Berufsgenossenschaft 2000 Euro Unterstützung für Unternehmen, die nachträglich einen Partikelfilter einbauen lassen, sagt Ralf Olschewski. Doch das reiche nicht aus. Es könne nicht sein, dass für Diesel-Fahrzeuge ein Filter vorgeschrieben sei und über verschärfte Abgasnormen diskutiert werde, während man bei besonders großen Luftverpestern wie Radladern „beide Augen zudrückt“.

Tatsächlich würden die meisten Lkw mit modernster Filtertechnik fahren, sagt Thomas Rackow vom Güterverkehsverband. Die Maut, die Spediteure zahlen müssten, hänge schließlich von der Euro- Norm des Fahrzeugs ab. Wer mit abgasarmen Euro-6-Motoren fährt, zahlt am wenigsten. Das rechne sich bei gut 125 000 Kilometern pro Fahrzeug und Jahr schnell. Außerdem würden die Laster meist nach fünf bis sechs Jahren ohnehin gegen neue getauscht. Spannend werde das Thema aber für die Paketdienste. Weil einige Innenstädte demnächst wohl ganz für Diesel gesperrt werden, würden sie verstärkt auf Elektroantriebe setzen.

Von Umweltschützern kommt derweil Unterstützung für den Vorstoß der IG Bau. „Das ist schön“, sagt Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund Nabu. Allerdings sei das Ganze auch ein Problem in der Landwirtschaft. Stephan Gersteuer vom Bauernverband allerdings winkt ab. Moderne Schlepper und Mähdrescher hätten längst entsprechende Filter.

Von Wolfram Hammer

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