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Norddeutschland Drei Wochen schneller: Rader Hochbrücke ist wieder frei
Nachrichten Norddeutschland Drei Wochen schneller: Rader Hochbrücke ist wieder frei
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22:27 08.11.2013
Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD, r.) und Torsten Conradt, Direktor des Landesbetriebes Verkehr, räumen die Sperrschilder beiseite.

Bei strahlendem Sonnenschein hat Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) gestern die Teilsperrung der Rader Hochbrücke wegen Reparaturarbeiten aufgehoben. Damit ging eine 15 Wochen dauernde Gedulds- und Nervenprobe für Auto- und Lastwagenfahrer auf der Autobahn A 7 mit immer wieder kilometerlangen Staus zu Ende. In jeder Fahrtrichtung konnte aus statischen Gründen nur eine statt zwei Spuren befahren werden, Fahrzeuge über 7,5 Tonnen mussten zeitraubende Ausweichstrecken in Kauf nehmen. Für Schwertransporter über 44 Tonnen bleibt die Brücke über den Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg vorerst gesperrt, da die Statik hierfür noch berechnet werden muss.

Mit Arbeitshandschuhen trug Meyer um 10.32 Uhr eigenhändig ein mobiles Sperrschild an der A 7 beiseite. Kurz darauf rief ein verunsicherter Lastwagenfahrer, im Schritttempo an der Baustelle mit Polizisten vorbeifahrend, „iss nu' frei?“ und gab beim lauten „Ja“ sichtbar erleichtert kräftig Gas.

„Es ist eine tolle Leistung aller Beteiligten, dass die Bauarbeiten so zügig abgeschlossen werden konnten“, sagte Meyer. Mit Sonder- und Nachtschichten der Bauarbeiter gingen die 2,7 Millionen

Euro teuren Arbeiten drei Wochen früher zu Ende als geplant. Der Minister dankte Autofahrern und Truckern für ihre Geduld. Ende Juli war bei Sanierungsarbeiten entdeckt worden, dass die Pfeiler der Brücke marode waren.

Meyer lobte auch den aufwendigen Einsatz der Polizei. Sie hatte die Einhaltung des Fahrverbots für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen seit dem 26. Juli Tag und Nacht überprüft. Der Minister überreichte Polizeioberrat Axel Behrens als Dankeschön und Souvenir einen „Pokal“ — auf einem Holzsockel ein Stück Spannstahl mit Schraubmutter.

Es wurden alle 28 Pfeilerköpfe der Brücke durch eine äußere Stahlgurtung und Spritzbeton verstärkt. Sämtliche Risse an den zuvor maroden Pfeilern sind inzwischen verschlossen. Meyer bestätigte, dass beim Bau der 1972 fertiggestellten Brücke ungeeigneter Beton verwendet worden war. Bis Mitte 2014 sollen Fachleute nun klären, wie lange die Autobahnbrücke überhaupt noch nutzbar sei oder ob der Bund einen Neubau finanzieren müsse, erklärte Meyer. Eigentlich seien noch 40 Jahre geplant gewesen, aber der Fernverkehr bringe deutlich höhere Belastungen als früher prognostiziert.

Die uneingeschränkte Tragfähigkeit der 28 Pfeilerköpfe nach der Instandsetzung ist laut Verkehrsministerium nachgewiesen. In welchem Ausmaß künftig Großraum- und Schwertransporter über die Brücke dürfen, soll nach weiteren Berechnungen in einigen Wochen entschieden werden. Die Standstreifen bleiben zunächst gesperrt.

„Die Rader Hochbrücke ist in den vergangenen Monaten zum Symbol für den Zustand der Infrastruktur in Deutschland geworden“, sagte Meyer. Die Koalitionäre in Berlin sollten das Problem anpacken, dass Straßenprojekte wie zum Beispiel ein Brückenneubau in Zukunft schneller als bisher möglich würden.

Matthias Hoenig

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