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Norddeutschland Drohnen oft ohne Versicherung: Das Risiko fliegt mit
Nachrichten Norddeutschland Drohnen oft ohne Versicherung: Das Risiko fliegt mit
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21:09 10.05.2016
Viele Drohnenmodelle sind mit einer Kamera für hochauflösende Video- oder Fotoaufnahmen ausgestattet. Hierfür benötigt der Hobby-Pilot eine Aufstiegserlaubnis. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Lübeck

2015 wurden in Deutschland geschätzt etwa 300 000 solcher ferngesteuerten Flugobjekte verkauft, weltweit waren es vier Millionen. Aber was ist bei einer Kollision oder einem Absturz? Wenn die Batterien einer Drohne zu schwach werden, sie abstürzt und dabei etwa einen Verkehrsunfall verursacht oder einen Menschen trifft und verletzt.

„Das Risiko fliegt mit. In der Regel sind Drohnen nicht durch die Private Haftpflichtversicherung abgedeckt“, sagt Heiko Wischer, Sprecher der Provinzial Nord in Kiel. „Zehn bis 20 Unfälle werden uns jährlich gemeldet, bei denen Personen verletzt wurden.“ In Schleswig-Holstein würden Drohnen und Modellflugzeuge gerne in Ostseenähe am Strand genutzt. Nach einer aktuellen Umfrage von YouGov im Auftrag der Provinzial unter mehr als 2000 Personen gaben sieben Prozent an, privat eine Drohne zu nutzen, und jeder vierte private Nutzer habe bereits einen Schaden verursacht.

Idealerweise lasse man Drohnen auf geeignetem Gelände wie Modellflugplätzen steigen. „Wer seine Drohne aber im eigenen Garten oder in öffentlichen Grünanlagen fliegen lässt, riskiert Schäden an Gegenständen und schlimmstenfalls an Menschen“, warnt Hauke Möller, Schadenverhütungsexperte der Provinzial Nord. Wer Unfälle verursache, hafte für Schäden bis zu einer Million Euro, auch wenn er sie nicht verschuldet hat.

„Ein außer Kontrolle geratenes Flugmodell ist eine Gefahr für Unbeteiligte. Das Luftverkehrsgesetz (LuftVG) verpflichtet die Halter daher, zur Deckung ihrer Haftung eine spezielle Luftfahrzeug-Haftpflichtversicherung abzuschließen“, erklärt Hasso Suliak vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV). Konkrete Schadenszahlen lägen dem Verband nicht vor.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) sieht die Entwicklung mit Sorge. „Wir stellen fest, dass es verstärkt Drohnen in Lufträumen gibt, wo sie auf keinen Fall sein dürften“, sagt DFS-Sprecherin Ute Otterbein. Das Problem sei, dass Fluglotsen die Flugobjekte nicht auf dem Radar erkennen können, weil die Drohnen dafür zu klein seien. Im Jahr 2015 habe es zwölf Sichtungen von Drohnen im vollkontrollierten Luftraum rund um Flughäfen gegeben, in diesem Jahr seien es bisher bereits sechs.

Teilweise hätten Piloten von Passagiermaschinen die Flugobjekte in drei Kilometer Höhe gesehen. Die DFS unterstelle keinen bösen Willen, es gehe eher um Unwissenheit. „Unser Appell: Bitte passt auf! Wer eine Drohne fliegt, ist ein Teilnehmer im Luftverkehr“, erklärt Otterbein. Ihr Rat: Die Flugobjekte immer nur in Sichtweite benutzen, um bei Gefahr auch ausweichen zu können. Die DFS fordert im Gesetzgebungsverfahren einen „Drohnen-Führerschein“, um die Sicherheit zu verbessern, und hält auch eine Registrierung für sinnvoll.

Nachbarn nicht ohne Erlaubnis fotografieren

Viele Drohnenmodelle sind mit einer Kamera für hochauflösende Video- oder Fotoaufnahmen ausgestattet. Hierfür benötigt der Hobby-Pilot eine Aufstiegserlaubnis. So schön Luftaufnahmen auch sein mögen: Hier sollten Drohnennutzer vorsichtig sein, rät die Provinzial-Versicherung. Generell dürfen Drohnen nicht über großen Menschenmengen, Unglücksorten, militärischen Anlagen oder Einflugschneisen von Flughäfen genutzt werden.

Zusätzlich kann man durch Aufnahmen anderer ohne deren Einwilligung deren Persönlichkeitsrechte verletzen – etwa, wenn man ungefragt in Privatsphären eindringt. „Dazu gehört auch das Überfliegen des Nachbargartens“, sagt Hauke Möller von der Provinzial. Ohne Erlaubnis drohen hohe Kosten.

Von Christian Risch

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