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Duell auf dem Bauerntag: Habeck wirbt um Verständnis

Rendsburg Duell auf dem Bauerntag: Habeck wirbt um Verständnis

Das Pfeifkonzert dauert nur kurz. Präsident Schwarz pocht im Knickstreit auf Eigentumsrechte.

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Bauernpräsident Werner Schwarz (li.), Grünen- Landwirtschaftsminister Robert Habeck.

Rendsburg. Showdown in der dunklen Deula-Halle. Nur die Bühne liegt im Licht. Wochenlang haben sich Kiels Grüner Landwirtschaftsminister Robert Habeck und Bauernpräsident Werner Schwarz in den Medien beharkt — wegen Habecks Knickschutzverordnung, gegen die die Bauern klagen, wegen des Verbots des Grünlandumbruchs, wegen grüner Attacken auf Massentierhalter. Nun treffen sie in Rendsburg auf dem Landesbauerntag zusammen. Zwei Männer, zwei Reden. Und 1300 Bäuerinnen und Bauern hören zu.

Aufschlag Werner Schwarz. Der Bauernpräsident langt kräftig hin. Mit dem Knickerlass entreiße Habeck das Eigentum der Eigenverantwortung der Bauern. „Ich halte das für unverantwortlich!“ Auf 50 Zentimetern beidseits des Knicks dürfen sie künftig nichts mehr anbauen. Man schränke die Nutzung ein, „lässt uns aber auf den Kosten sitzen“. Und dann drohten den Landwirten auch noch ein Filtererlass für Ställe und die Vermögenssteuer. Gerade der Druck auf Tierhalter führe aber dazu, dass es immer größere Betriebe gebe, weil sich die Investitionen nur dort lohnten, so Schwarz. Wegen niedriger Fleischpreise müsste ein Bauer, um auf die gut 7300 Euro Diäten eines Landtagsabgeordneten zu kommen, schon jetzt 3800 Schweine-Mastplätze bewirtschaften. Tatsächlich sind es im Durchschnitt pro Mastbetrieb im Land nur 930. Man sei enttäuscht vom Minister. Der von Habeck versprochene Dialog finde nicht statt. Wenn es aber ums Eigentum gehe, „um unsere Betriebe, die Zukunft unserer Familien, dann kennen wir kein Pardon“, rief Schwarz. Donnernder Applaus.

Auftritt Habeck. Das Pfeifkonzert ist überraschend kurz. „Ich habe mein Manuskript weggelegt.“ In freier Rede will er kontern, erklärt als erstes, dass die Attacken auch grüner Bundestagswahlkämpfer niemanden weiterbrächten — zuletzt hatte Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin die Landwirte wegen des Antibiotika-Einsatzes des „Drogenhandels im Stall“ bezichtigt. „Von mir“, sagt Habeck, „werden sie solche Vorwürfe nie gehört haben.“ Erster Applaus.

Der Knickschutz sei sehr wohl im Dialog entstanden, sagt Habeck. Er habe viele Höfe besucht, gelernt und gerade nicht einfach die Forderung der Naturschützer umgesetzt — die forderten einen Ein-Meter-Schutzstreifen. Er müsse als Minister eben beide Seiten zusammenbringen, die betriebswirtschaftlichen Interessen der Höfe und den Erhalt der Artenvielfalt.

Dann fordert Habeck auch vom Bauernverband ein Leitbild ein, wie denn die bäuerliche Landwirtschaft erhalten bleiben solle, die alte Politik habe das Sterben kleiner Höfe jedenfalls nicht verhindert.

Es seien eben weite Teile der Bevölkerung, die plötzlich ein Umdenken verlangten, die gegenwärtige Produktionsweise ablehnten. Dass das aber nicht damit zusammenpasse, sich als Verbraucher von Billig-Fleisch-Angeboten der Discounter locken zu lassen, sei vielen Bürgern noch nicht klar. Die Lebensmittelproduktion mit dem Erhalt der Lebensgrundlagen zu versöhnen und dennoch wirtschaftlich erfolgreich zu sein, das hat Habeck als Aufgabe ausgemacht, darüber wolle er mit den Bauern den Dialog führen.

Der Schluss: versöhnlich. Schwarz dankt Habeck für die Distanzierung von den Grünen-Attacken. Und ja, man werde den Dialog fortsetzen. Das Publikum: gespalten. „Habeck ist ein hervorragender Rhetoriker“, sagt Landwirtschafts-Lehrerin Susanne Breiholz. Aber es bleibe ja bei den zu starken Einschränkungen für Landwirte. Alt-Bauer Hans-Jürgen Schwager hofft, dass Habeck für eine leichte Umsetzbarkeit des Knickschutzes sorgt. Immerhin: „Er stellt sich den Dingen. Man kann mit ihm reden.“

Erste Handelsketten wollen mehr für gutes Fleisch zahlen
Die Empörung vieler Kunden über in riesigen Anlagen eng zusammengepferchte Schweine und Hühner zeigt offenbar Wirkung: Die großen Handelsketten wie Edeka, Rewe und Real wollen Bauern ab dem kommenden Jahr direkt dafür bezahlen, wenn sie ihre Masttiere unter artgerechteren Bedingungen halten. Sie wollen dafür einen offenbar millionenschweren Fonds einrichten und hoffen, dass die Verbraucher ihre Initiative honorieren. Laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ soll ein Bauer 20 Cent bis 8 Euro mehr für ein Schwein bekommen, das 20 bis 40 Prozent mehr Platz, Auslauf und eine weiche Liegefläche hat. Es solle schon 2014 ein vermutlich dreistelliger Millionenbetrag in den Fonds fließen. Eine spezielle Kennzeichung der Ware für die Kunden soll es aber nicht geben. Der Tierschutzbund reagierte ablehnend, die Lösung scheine die Verbraucherverwirrung zu fördern.

Wolfram Hammer

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