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Norddeutschland Dürre-Folgen: Futternot spitzt sich zu
Nachrichten Norddeutschland Dürre-Folgen: Futternot spitzt sich zu
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13:49 27.10.2018
Das Futter für die Milchkühe wird aufgrund des Dürre-Sommers knapp. Quelle: dpa
Kiel/Rendsburg

Böse Folge des Dürre-Sommers: In vielen landwirtschaftlichen Betrieben fehlt es an Futter für die Tiere. Die Preise für Stroh und Heu schnellen in die Höhe. Wer noch Grundfutter hat, will es nicht mehr abgeben. Ältere Kühe werden früher als vorgesehen zur Schlachtbank geführt, um ausreichend Futter für den jüngeren Tierbestand zu haben. Zugleich kritisiert der schleswig-holsteinische Bauernverband, dass staatliche Dürrehilfen nicht ankommen.

Futterengpässe erwartet

„Aufgrund der Trockenheit sind derzeit Futtermittel sehr knapp. Aus dem Ringgebiet liegen uns zahlreiche Gesuche für Mais ab Platte, Mais ab Feld, Heulage und Grassilage vor“, heißt es auf der Internetseite des Maschinenrings Lübeck-Eutin, einer Selbsthilfeeinrichtung der Landwirtschaft. Bei Grundfutter-Nord ist von „dramatischen Engpässen“ die Rede. „Die Probleme sind massiv“, sagt Stephan Gersteuer, Generalsekretär des Bauernverbands Schleswig-Holstein, „vor allem im Südosten des Landes.“ Dort sei wegen monatelang fehlenden Regens der dritte und vierte Grasschnitt zum Teil ausgefallen. Damit sei die erzeugte Menge an Heu erheblich kleiner. Beim Stroh sieht es nicht besser aus. Erste Landwirte würden Stroh aus anderen Teilen Deutschlands oder Polen zukaufen, auch wenn dies unwirtschaftlich ist, sagt Gersteuer. Richtig große Futterengpässe kommen nach Verbandsangaben im Januar bis März nächsten Jahres auf die Landwirte zu – wenn alle Reserven aufgebraucht sind. „Dann könnten Betriebe zur Aufgabe gezwungen sein“, befürchtet Gersteuer.

Preisexplosion

Weil es auch im Herbst wenig regnet, finden Weidetiere kaum mehr Futter. Sie müssen eher als üblich mit Winterfutter zugefüttert werden. Die Versorgungslage verschärft sich, die Preise für Heu und Stroh im Oktober steigen. Die von den Landwirtschaftskammern erfassten Preise für Heu lagen Mitte Oktober im Bundessschnitt bei 150 Euro je Tonne, lagen damit 40 Prozent höher als im Mai. Für den Großballen Stroh wurden 103 Euro gezahlt (+30 Prozent). Mit Abstand am teuersten war Stroh laut „agrarheute“ mit 150 Euro in Schleswig-Holstein. Für die Tonne Heu mussten 160 Euro hingeblättert werden.

Angst vor Diebstahl

Schon jetzt dramatisch ist die Lage im Nordosten, in Brandenburg und Teilen Mecklenburg-Vorpommerns. „Suche große Mengen Heu und Stroh“, schreibt ein verzweifelter Bauer auf der Website des Südbrandenburger Bauernverbands. Diebstähle von Futtermittel sind dort an der Tagesordnung. „Wo Strohballen an Feldrändern lagern, können schon mal ein paar Ballen verschwinden“, sagt Lutz Schlünzen, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ostholstein-Lübeck. Nicht jeder seiner Kollegen habe angesichts der Notlage rechtzeitig Vorsorge getroffen.

Weil sie nicht mehr genug Gras- und Maissilage zur Verfütterung haben, sahen sich Landwirte gezwungen, ihren Tierbestand zu reduzieren. Alte und schwache Tiere, die ohnehin wenig Milch produzieren, hätten im Sommer vorzeitig geschlachtet werden müssen, berichtet Gersteuer – damit das Futter für die übrigen Tiere reicht. Folge: Im Juli brach der Preis für Schlachtkühe innerhalb kürzester Zeit ein.

Landwirte müssen Finanzierung überdenken

Aktuelles Problem der Milchviehhalter sei, dass die Qualität des zugekauften Futters nicht immer gut sei, sagt Daniela Rixen, Sprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Die Milchleistung der Kühe werde vermutlich zurückgehen. Zudem bedeute der Zukauf an Futter erhebliche Mehrkosten. Ein Großteil der Landwirte versuche, finanzielle Engpässe durch Steuerstundung beim Finanzamt oder Liquiditätskrediten bei der Bank zu überbrücken.

Kritik an staatlicher Dürrehilfe

Unterdessen kritisiert der Bauernverband den Weg, staatliche Dürrehilfe zu beantragen, als zu bürokratisch und kaum praktikabel. „Das Verfahren ist zu kompliziert, die Ausschlusskriterien sind zu zahlreich“, sagt Bauernpräsident Werner Schwarz. Eine endgültige Bewilligung der Gelder erst im nächsten oder übernächsten Jahr komme zu spät, um zu helfen. Viele Betriebe, die die Dürrehilfe dringend nötig hätten, entzögen sich deshalb einem solchen Antragsverfahren.

Im Kieler Landwirtschaftsministerium versteht man die Beschwerde nicht. „Wir haben uns auf Basis der Bund-Länder-Vereinbarung zunächst darauf konzentriert, ein schlankes Online-Verfahren zu etablieren“, sagt Sprecherin Jana Ohlhoff. Man wolle so sicherstellen, dass existenzgefährdete Betriebe noch in diesem Jahr Soforthilfe in Form einer Abschlagzahlung erhalten.

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Curd Tönnemann

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