Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Dürre macht die Butter teuer
Nachrichten Norddeutschland Dürre macht die Butter teuer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 16.09.2018
Butter – gut, aber nicht mehr günstig. Quelle: LN-Archiv
Anzeige
Lübeck

Diesmal sind es nicht die Chinesen, das Extremwetter ist schuld: Butter in Deutschland wird immer teurer, die Preise nehmen Kurs auf das seit mindestens 50 Jahren nicht mehr überschrittene Allzeithoch von 1,99 Euro für das 250-Gramm-Päckchen. Der Grund: Die Milch ist nicht fett genug. Was an fettiger Milch auf dem Markt ist, geht in die Käseproduktion.

Mit dem Butterpreis ist es in etwa wie mit dem Spritpreis an den Zapfsäulen: Verbraucher registrieren sehr sensibel, wenn sich etwas verändert. In diesen Wochen staunen sie nicht schlecht, wenn sie in Supermärkten oder bei den Discountern wie Aldi und Lidl – die die Preisspirale in Gang setzen – nach einem halben Pfund Butter greifen. 1,79 Euro kostete das günstigste Päckchen noch vor wenigen Wochen, und das schien nach einem Preissprung im Mai um 20 Cent oder 12,6 Prozent schon viel. 2015 gab es das Päckchen Butter beim Discounter noch für 1,29 Euro. Jetzt werden vielerorts bereits 1,95 Euro verlangt. Die Rekordmarke von 1,99 Euro aus dem vergangenen Herbst werde wohl in Kürze geknackt, prognostiziert der schleswig-holsteinische Bauernverband.

Viehfutter hatte schlechte Qualität

Klaus-Peter Lucht, Vizepräsident des Bauernverbands und Milchviehhalter, erklärt, warum das so ist. „Durch den verregneten Sommer 2017 hatten wir weniger Futter für unsere Tiere, und das Wenige war auch noch von schlechter Qualität.“ Die lang anhaltende Trockenheit in diesem Sommer habe Gras und Mais schließlich den Rest gegeben. Resultat: Die Milchleistung der Kühe ging aufgrund der Dürre zurück, die Fettwerte der Rohmilch seien rapide gesunken. Zudem sei sehr viel Milchfett in die lukrativere Käse-Produktion gegangen. Milchfett aber ist Hauptbestandteil von Butter. Durch die internationalen Märkte würden die Defizite nicht aufgefangen, sagt Lucht. Denn die Trockenheit – und damit Futterknappheit – herrschte zuletzt europaweit. „Die Verbraucher müssen sich tendenziell auf weiter steigende Preise bei Milchprodukten einstellen“, prognostiziert der Bauernvizepräsident.

Bei den Bauern kommt vom Geld wenig an

Bei den Milchbauern bleibe vom höheren Preis jedoch wenig hängen. Hohe Futterkosten brächten viele Betriebe im Norden in Existenznot. „Die Preise steigen, aber unsere Margen werden nicht besser“, behauptet Lucht. Die Milchwirtschaft im Norden werde deshalb weiter ausgedünnt. Vom Milchpreis, den Verbraucher an der Supermarkt-Kasse bezahlen, bekommen die 90 000 deutschen Milchbauern nicht einmal die Hälfte. 13 Prozent des Preises entfallen auf die Molkereien, 11,5 Prozent auf die Verpackung und rund 10 Prozent auf den Einzelhandel. Der Rest geht in Logistik, Lagerung und Mehrwertsteuer. Milchviehhalter Lucht klagt: „Unser Anteil ist in den vergangenen zehn Jahren immer kleiner geworden.“

Der Verbraucher hat nur ein Druckmittel: Was beim Tanken das Ausweichen auf die günstigste Tankstelle ist, ist beim Discounter der Wechsel auf die deutlich günstigere Margarine. Margarinepreise sind weitgehend unverändert. Sollte Butter aufgrund ihres Preises in den Kühlregalen liegen bleiben, dürften die großen Handelsketten nach Einschätzung von Experten unter Druck geraten und reagieren.

Curd Tönnemann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Neuere Behandlungsmethoden bieten bessere Chancen, den Infarkt zu überleben. Dieter Süchting (76) fährt heute täglich wieder mindestens 30 Kilometer mit dem Rad.

16.09.2018

Der trockene Sommer ist schuld: Städte warnen vor Grünastabbruch. Schon 500 Fälle sind in Brandenburg registriert. Lübeck meldet 20 abgefallene Äste.

16.09.2018

Seit Jahren geht es den Handwerksbetrieben in Schleswig-Holstein gut. Dennoch verzeichnete das Ausbaugewerbe im ersten Halbjahr laut Statistikamt noch einmal einen deutlichen Umsatzzuwachs.

15.09.2018
Anzeige