Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland „Dunkle“ Radler leben gefährlich
Nachrichten Norddeutschland „Dunkle“ Radler leben gefährlich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:29 19.10.2015
„Ich habe eine helle LED-Lampe an meinem Fahrrad, damit ich nicht übersehen werde.“ Dirk Dausel, Lübeck
Anzeige
Lübeck

Nebel, Nieselregen, die Tage werden kürzer — schlechte Sichtverhältnisse gehören zum Herbst und Winter. Trotzdem sind nach wie vor zahlreiche Radfahrer auf den Straßen unterwegs. Viele von ihnen fahren sogar im gesamten Winterhalbjahr mit dem Drahtesel. Dabei gilt es einiges zu beachten, um unfallfrei durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.

„Das Wichtigste ist, dass das Licht funktioniert“, sagt Stefan Muhtz, Polizeisprecher in Lübeck. „Reflektoren oder Warnwesten — alles, was der Markt hergibt, kann nicht schaden, wenn Radfahrer damit besser gesehen werden.“ Auch das Tragen eines Helms sei wichtig, um im Falle eines Unfalls am Kopf geschützt zu sein. „Wir müssen auch immer wieder sagen: Bitte auf der richtigen Fahrbahnseite fahren“, ergänzt Muhtz. In diesem Jahr waren nach Statistik des Landespolizeiamts in Schleswig-Holstein bisher bei 3214 Verkehrsunfällen Radfahrer beteiligt. Dabei wurden 2648 leicht und 421 schwer verletzt. Sieben Unfälle verliefen tödlich.

Um Unfälle bei Dunkelheit zu vermeiden, sollten sich Radler laut ADFC die Zahl Acht merken: Genau so viele Stellen sollten am Drahtesel beleuchtet sein. Gesetzlich vorgeschrieben sind ein Frontscheinwerfer und ein weißer Reflektor, ein Rücklicht und zwei rote Reflektoren, Reflexstreifen an den Reifen oder Reflektoren in den Speichen sowie je zwei gelbe Reflektoren an den Pedalen. Die Beleuchtung darf per Dynamo, Batterie oder Akku betrieben sein.

„Es reicht nicht, eine gute Lichtanlage am Rad zu haben — man muss sie auch einschalten — am besten schon in der Dämmerung!“, mahnt ADFC-Verkehrsreferent Wilhelm Hörmann. Der ADFC empfiehlt, neben der Standlicht-Funktion auf eine möglichst wartungsfreie Lichttechnik zu achten. „Nabendynamos rutschen auch bei Nässe nicht durch und erzeugen jederzeit genügend Strom, deshalb sind die gegenüber Seitenläufer-Dynamos klar im Vorteil“, sagt der Experte.

Die Händler in der Region beobachten, dass die Verbraucher immer mehr auf das Thema Sicherheit beim Radfahren achten. „Hochwertige Scheinwerfer sind bei uns die Verkaufsschlager“, sagt Jutta Wittich vom Fahrradgeschäft Wittich in Plön. „Auch Nabendynamos sind gefragt.“ Für Kinder werden Helme mit Reflektoren immer beliebter. Auf Fehmarn setzen Radfahrer weniger auf die reflektierende Bekleidung. „Bei uns steht eher die qualitative Beleuchtung im Fokus“, sagt Susanne Lafrentz, Mitarbeiterin bei 2-Rad-Marquardt. „Viele Kunden bestehen mittlerweile auch auf ein Standlicht.“

Diese Erfahrungen kann auch Oliver Spohr, Inhaber der „Drahtesel“-Geschäfte in Bad Schwartau, Lübeck und Kempen, teilen. „Reflektierende Helmabdeckungen laufen ebenfalls sehr gut“, sagt Spohr. „Das Fahrrad ist mittlerweile ein Verkehrsmittel für das ganze Jahr — da achten die Leute auf die Sicherheit.“ Im Geschäft „Rückenwind“ in Lübeck sind neben den LED-Strahlern vor allem Warnwesten gefragt.

„Autofahrer sehen im Rückspiegel etwas Gelbes heranfahren und gucken dann genauer hin“, sagt Geschäftsinhaber David Nolte.

Helle Kleidung und zusätzliche Reflektoren an Jacke, Hose oder Helm sind laut ADFC ein Sicherheitsplus. Warnwesten stuft der Verband dagegen als weniger wirksam ein. „Neuere Erfahrungen zeigen: Bei Dunkelheit tragen die an Unterarmen und Unterschenkeln positionierten Reflexstreifen maßgeblich dazu bei, Personen frühzeitig zu erkennen und adäquat zu reagieren“, sagt ADFC-Sicherheitsexperten Roland Huhn. „Dagegen sind die Reflexstreifen am unbewegten Oberkörper weniger wirksam.“ Sie seien vergleichsweise hoch angebracht und damit nicht mehr im Scheinwerferkegel des Abblendlichts. Auf Landstraßen können sie dagegen im Fernlicht eines Autos sichtbar sein. Der Experte warnt: „Wer wegen seiner Warnweste mit dem Bewusstsein fährt ,Jetzt muss mich ja jeder sehen‘ und die eigene Aufmerksamkeit oder die Fahrradbeleuchtung vernachlässigt, wird nicht sicherer unterwegs sein, sondern ist eher stärker gefährdet.“

Leuchtende Ideen
Das „Cyclee“ ist ein Projektor, der ans Fahrrad montiert wird. Er projiziert, gesteuert mit dem Handy, Hinweise wie den Abbiege-Pfeil auf den Rücken.


Das farblose Spray der Firma Albedo100 und das „Life Paint“ des Autoherstellers Volvo können auf beliebige Untergründe gesprüht werden. Sie reflektieren dann Scheinwerferlicht.


„Revolights“ sind LEDs, die an den Speichen befestigt werden. Beim Fahren erscheinen die Reifen wie leuchtende Ringe. Die LEDs des Hinterreifen blinken beim Bremsen zudem rot auf.

Kim Meyer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige