Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Duo vor Gericht: Massenhafter Betrug mit Bahn-Tickets
Nachrichten Norddeutschland Duo vor Gericht: Massenhafter Betrug mit Bahn-Tickets
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:36 20.09.2016
Seit Dienstag müssen sich in Hannover zwei junge Männer wegen Computerbetrugs vor Gericht verantworten - sie sollen mit gestohlenen Kreditkartendaten rund 600 Online-Tickets ergaunert und deutlich unter dem eigentlichen Fahrpreis weiterverkauft haben. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Unschlagbar günstig, aber illegal: Betrüger bieten im Internet immer wieder billige Zugtickets an und bescheren der Deutschen Bahn so jährlich Millionenschäden. Seit Dienstag müssen sich in Hannover zwei junge Männer wegen Computerbetrugs vor Gericht verantworten - sie sollen mit gestohlenen Kreditkartendaten rund 600 Online-Tickets ergaunert und deutlich unter dem eigentlichen Fahrpreis weiterverkauft haben. Beim Prozessbeginn zeigte sich einer der Männer weitgehend geständig, auch sein Mitangeklagter kündigte ein Geständnis an.

Für 30 Euro in der zweiten und 50 Euro in der ersten Klasse verschickten die beiden Tickets an leichtgläubige Reisende, der Gesamtschaden soll sich auf 342 000 Euro belaufen. Ob der Schaden alleine an der Bahn, den abgezockten Kreditkarteninhabern oder ihren Banken hängen blieb, konnte die Anklage im Einzelnen nicht klären.

Wie Berufskriminelle wirken die beiden 25 und 29 Jahre alten Angeklagten nicht, die sich am Dienstag in Jeans und Freizeitschuhen auf die Anklagebank des Landgerichts schieben. Einbrechen oder prügeln, sich die Hände schmutzig machen, all das taten sie nicht - die beiden jungen Männer hatten gewissermaßen einen Schreibtischjob. In einschlägigen Internetforen, so die Anklage, beschaffte das Duo sich gestohlene Kreditkartendaten und warb dann im Netz mit den günstigen Tickets.

Zunächst ließen die Gauner sich laut Anklage per Post mit Bargeld bezahlen, das an präparierte Briefkästen geschickt wurde. Später ließen sie sich das Geld auf Bankkonten überweisen, die sie unter falschem Namen eingerichtet hatten oder per Paysafe- oder Ukash-Codes. Mit derselben Masche begann einer der Angeklagten später auch, vergünstigte Flüge und Pauschalreisen zu verkaufen. Auch shoppte er mit den gestohlenen Kreditkartendaten im Internet - eine Kamera, eine Uhr, Parfum und Kondome listet der Staatsanwalt auf. Ferner soll das Duo bei zwei Gebrauchtwagen den Tacho manipuliert und dann Unfälle verursacht haben, um die Versicherung abzuzocken.

Der Betrug mit gestohlenen Kreditkartendaten beschäftigt die Bahn in größerem Stil seit 2011, immer wieder kamen ertappte Täter vor Gericht. Fünf Jahre und drei Monate Haft erhielt zuletzt im Juni ein 33-jähriger Berliner für 1600 Betrugsfälle.

Davon erhofft die Bahn sich eine abschreckende Wirkung - und davon, dass sie die Käufer der Tickets aus dubiosen Quellen zur Kasse bittet. Weil bei den Buchungen immer der Name und die Adresse des Reisenden genannt werden müssen, schickt sie den Betroffenen eine Rechnung. Wer sich also auf vermeintliche Schnäppchen im Netz einlässt, muss im schlimmsten Fall doppelt zahlen. Zunächst an den Betrüger und dann - wie es sich gehört - an die Bahn.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige