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Norddeutschland E-Bikes: Mehr Nutzer, mehr Unfälle
Nachrichten Norddeutschland E-Bikes: Mehr Nutzer, mehr Unfälle
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21:16 10.01.2017
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Lübeck/Kiel

Sie sausen beinahe geräuschlos dahin und werden von Fußgängern, anderen Radfahrern und Autofahrern in ihrem Tempo unterschätzt: Die Zahl der Unfälle mit Pedelecs hat einen neuen Rekordwert erreicht. Die E-Bikes, die mit Tretunterstützung funktionieren, waren von Januar bis September vergangenen Jahres in 3214 Unfälle verwickelt. Dabei kamen 46 Menschen ums Leben. Das entspricht einer Steigerung um 39 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Die Zahl der Fahrradunfälle stieg im selben Zeitraum „nur“ um rund sechs Prozent auf bundesweit knapp 65000.

Ein Grund für die steigenden Unfallzahlen sei die Tatsache, dass wegen der Elektrounterstützung mehr ältere Menschen aufs Rad umsteigen, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV). „Gerade Senioren bilden eine neue Nutzergruppe, die – anders als im Auto – nun wieder ungeschützt auf dem Fahrrad sitzt.“ Die E-Bikes könnten den Fahrer auf Geschwindigkeiten beschleunigen, die er mit reiner Muskelkraft nie erreicht hätte. Viele Pedelec-Fahrer seien völlig ungeübt. Andererseits stiegen Unfallzahlen allein deshalb, weil immer mehr solcher Fahrräder verkauft würden. Mittlerweile sind es über eine halbe Million jährlich.

In Schleswig-Holstein schnellten die Unfallzahlen mit E-Bikes noch über dem Bundesschnitt in die Höhe. In den ersten neun Monaten des Vorjahres wurden 218 Unfälle registriert, 63 mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei verletzten sich nach Angaben des Statistik- amtes Nord 23 Menschen schwer. Die meisten Unfälle ereigneten sich im Juni (44). Die Fahrer könnten selbst für mehr Sicherheit sorgen, indem sie Trainings besuchten, heißt es beim ADFC. Der Fahrradclub und auch Verkehrswachten bieten sie an.

Nils Weiland, Fahrradbeauftragter der Stadt Lübeck, bricht eine Lanze fürs E-Bike. Ökologisch betrachtet seien Pedelecs sehr sinnvoll. Studien zufolge sei man in der Rush Hour bei Entfernungen bis fünf Kilometer mit einem Fahrrad schneller als mit dem Auto. Bei E-Bikes verschiebe sich dieser Grenzwert auf neun bis zehn Kilometer. Aus planerischer Hinsicht sei es nun wichtiger denn je, Radwege auf zwei Meter Breite auszubauen, „um ein sicheres Überholen zu ermöglichen“. Die Stadt Lübeck stellt ihren Mitarbeitern am Verwaltungszentrum Mühlentor neuerdings drei Pedelecs für dienstliche Fahrten zur Verfügung. Bei Bedarf werden persönliche Einweisungen angeboten – für mehr Sicherheit. Die städtische Klimaschutzmanagerin Andrea Witt betont: „Für mich überwiegen die positiven Aspekte. Ich komme schnell und unverschwitzt an mein Ziel, die zeitraubende Parkplatzsuche entfällt. Dabei tue ich nebenbei etwas für meine Gesundheit.“

Das Fahren mit Akku-Unterstützung habe seine Tücken, sagt Vivien Rehder von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Häufig seien auf diesen gar nicht so langsamen Rädern Menschen unterwegs, denen aufgrund ihres Alters die schnellen Reflexe fehlten. Die Verbraucherschützer legen E-Bike-Fahrern deshalb ans Herz, unbedingt mit Helm aufs elektrounterstützte Rad zu steigen. Wer einen Schaden verursacht, ist nach Auskunft der Verbraucherzentrale über die Privathaftpflicht versichert. Gegen Diebstahl bietet die Hausratversicherung Schutz. Die Verbraucherschützer empfehlen aber, genau zu klären, ob der Versicherungsschutz für das teure Gerät im Einzelfall erweitert werden muss.

Curd Tönnemann und Cosima Künzel

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