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Norddeutschland E-Zigaretten sind gefährlicher als ihr Ruf
Nachrichten Norddeutschland E-Zigaretten sind gefährlicher als ihr Ruf
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10:23 18.10.2017
Neuen Studien zufolge können die elektronischen Glimmstängel genauso schädlich sein wie klassische Zigaretten. Quelle: Gentsch/dpa

Das Kieler Gesundheitsministerium warnt vor den E-Zigaretten genauso wie die Landesstelle für Suchtfragen. In der Werbung werden sie als ideale Lösung gepriesen, um von der Nikotinsucht loszukommen. Seit ihrer Erfindung im Jahr 2004 ist die angeblich so gesunde Alternative auf dem Vormarsch. Drei Millionen Bundesbürger sollen bereits „Dampfer“ sein. Nun fanden Forscher am Dandery Universitäy Hospital (Schweden) heraus, dass bei Probanden, die E-Zigaretten mit einem Restanteil von Nikotin im Liquid konsumierten, ein erhöhter Puls und Blutdruck auftraten. Die Gefahr für Gefäßerkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall steige. Männer erhöhten beim Verdampfen des Aerosols ihr Risiko für Potenzstörungen.

Dampfen ist "in"

In einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gaben 5,5 Prozent der 18- bis 25-Jährigen an, in den letzten 30 Tagen eine E-Zigarette gedampft zu haben. 2012 waren es noch 3,9 Prozent. Unterdessen ist das konventionelle Rauchen bei Jugendlichen nicht mehr „in“. Studien zufolge sank die Raucherquote bei 12- bis 17-Jährigen seit 2001 von 27,5 auf 7,4 Prozent.
Krankenkassen müssen keine Nikotin-Entwöhnung bezahlen. Das entschied das Landessozialgericht in Schleswig (Az: L5KR62/15).

„Wir haben uns sehr gewundert, dass E-Zigaretten ohne ausreichende Forschungsergebnisse überhaupt zugelassen wurden“, sagt Mathias Speich, Geschäftsführer der schleswig-holsteinischen Landesstelle für Suchtfragen. Egal was verbrannt werde: Die erhitzte Flüssigkeit einer E-Zigarette werde viel tiefer inhaliert als bei einer herkömmlichen Zigarette und stehe genauso im Verdacht, die Lunge zu schädigen. Das Kieler Gesundheitsministerium stuft den Konsum von E-Zigaretten ebenfalls als kritisch ein. Sie würden das Risiko bergen, dass die Gesundheitsgefahr aus Unwissenheit unterschätzt wird, sagt Ministeriumssprecher Christian Kohl. In Norwegen und der Schweiz ist der Verkauf nikotinhaltiger Liquids bereits verboten.

Doch selbst Liquids, die kein Nikotin erhalten und scheinbar harmlose Aromastoffe wie Erdbeere, Karamell oder Schokolade haben, sind offenbar nicht harmlos. Die Basis der Liquids nämlich besteht aus Propylenglykol, einem Stoff, der als Diskonebel eingesetzt wird. Der Dampf kann Augen und Atemwege irritieren. Feinste Partikel können bis in die Lunge gelangen. Beim besonders starkem Erhitzen der Flüssigkeit entstehen zudem krebserregende Substanzen wie Formaldehyd und Acetaldehyd. Britische Forscher wiesen in dreiviertel aller aromatisierten Liquids den Stoff Diacetyl nach, der die umgangssprachlich als „Popcorn-Lunge“ bekannte schwere Atemwegserkrankung auslösen kann. 

Christina Hansen-Wester, ärztliche Leiterin der Pneumologie in den Sana-Kliniken Lübeck, beobachtet das Umsteigen von Rauchern auf E-Zigaretten mit Skepsis. Weil die langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit noch nicht genau untersucht sind, sei ein Umstieg vom herkömmlichen Glimmstängel auf die E-Zigarette aktuell nicht zu empfehlen.

Von Curd Tönnemann

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