Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland EU warnt: Zu viel Gülle im Grundwasser
Nachrichten Norddeutschland EU warnt: Zu viel Gülle im Grundwasser
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:27 25.10.2013
Kiel

Gülle und Gärreste aus Biogasanlagen gefährden laut EU das Grundwasser in Schleswig-Holstein. „Wir haben ein Nitrat-Problem“, bestätigt Umweltminister Robert Habeck (Grüne), „es wird zu viel gedüngt, und das gefährdet das Trinkwasser künftiger Generationen.“ Bei 40 Messstationen im Land überschreitet der Nitratwert im Grundwasser die zulässige Höchstmenge von 50 mg/l.

Der Kieler Professor Dr. Friedhelm Taube, Sachverständiger der Bundesregierung, fordert dringend strengere Dünge-Gesetze.

Ein breites rotes Band zieht sich von Süd nach Nord durch Schleswig-Holstein. Hier ist das Grundwasser gefährdet, weil es zu viel Nitrat enthält. Insgesamt sind es 22 von 55 Grundwasserkörpern — etwa der Hälfte der Landesfläche. Weil das Trinkwasser in vielen Gebieten Schleswig-Holsteins aus dem Grundwasser gewonnen wird, muss es an etlichen Orten mit wenig belastetem Wasser gemischt oder kostspielig aufbereitet werden. Nur so ist der Grenzwert von 50 mg/l einzuhalten. Nitrat kann beim Menschen die Funktionstüchtigkeit der Schilddrüse einschränken, vor allem aber im Körper jene Nitrosamine bilden, die als krebserregend gelten.

Fachleute wie Professor Taube, der an der Kieler Universität das Problem seit Jahren erforscht, überraschen die Nitratwerte nicht. Schließlich wird nicht nur mit der Gülle aus der Tierhaltung gedüngt, sondern auch mit den Gärresten aus den Biogasanlagen. Allein in Schleswig-Holstein sind das 630. Der Dünger aus diesen Biogasanlagen entspreche der Gülle von 150 000 Kühen. Eine riesige Menge, die die Betreiber möglichst kostengünstig loswerden wollen. Deshalb werden die Gärreste meist als Dünger in der Umgebung eingesetzt. Angesichts der Mengen führt das immer noch viel zu oft zu Überdüngungen, kritisiert Taube.

Dass Deutschland mit seinen Nitratwerten im Grundwasser EU-weit an vorletzter Stelle steht, wird auch im aktuellen Bericht der EU-Kommission beanstandet. Die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie seien so nicht einzuhalten. In Schleswig-Holstein haben Bauernverband und Umweltministerium eine Allianz für Gewässerschutz initiiert. Ein Ergebnis: Landwirte sollen freiwillig auf einem breiten Schutzstreifen an Gewässern gegen eine Entschädigung aufs Düngen verzichten. Auch die Gewässerschutzberatung wurde intensiviert. Doch ohne ein strengeres Düngerecht auf Bundesebene ist das Problem für Habeck nicht zu lösen.

Heike Stüben

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!