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Norddeutschland EU will kostenlosen Wasserausschank im Lokal – Wirte sind dagegen
Nachrichten Norddeutschland EU will kostenlosen Wasserausschank im Lokal – Wirte sind dagegen
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14:20 11.03.2019
Kathrin Soltwisch (69) und Sieghard Neumann (75) lassen sich im Wiener Caféhaus in Lübeck von Kellner Frank Richter (39) ein Glas Leitungswasser bringen. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Brüssel plant eine neue Trinkwasserrichtlinie. Ein Ziel sei, dass mehr Wasser aus dem Hahn und weniger aus Plastikflaschen getrunken werde. Damit soll Müll reduziert werden. Sie stimme dem Vorhaben grundsätzlich zu, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) in Berlin.

Leitungswasser umsonst im Restaurant? Was Gastronomen nachdenklich macht, scheint viele Kunden zu freuen.

Bei Gastronomen im Norden stößt der Vorschlag auf Skepsis. „Wenn mal ein Gast ein Glas Leitungswasser möchte, bekommt er es“, sagt Thomas Röger (55), Inhaber des Restaurants „Fischkiste“ in Timmendorfer Strand. Das gehe aber nur, solange das nicht überhand nehme. „Wenn die Leute wissen, dass sie ein Anrecht darauf haben, bestellen viele nur noch Leitungswasser“, befürchtet der Wirt. „Dabei entstehen uns doch auch Kosten.“ Das Glas müsse gespült, Personal vorgehalten werden. „Wir bekommen das Wasser ja auch nicht umsonst.“

Wasser zum mitgebrachten Teebeutel

„Was soll der Quatsch?“, ärgert sich ein anderer Gastronom aus Travemünde, der aber nicht genannt werden will. „Es gibt auch Leute, die ihren Teebeutel mitbringen und dann kostenlos ein Glas heißes Wasser dazu wollen.“ Für so etwas sei er nicht zu haben.

„Wenn jemand einen Wein bestellt oder einen Kaffee, bringen wir natürlich auch ein Glas Leitungswasser dazu“, hält Bernhard Rappold (35) vom Café und Bistro „Sutsche“ in Heiligenhafen fest. Solle dies aber für jeden gelten, der möglicherweise auch ohne etwas anderes zu bestellen, Wasser umsonst verlange, müsse er sich wundern.

„Für Gäste ja“, meint auch Kathrin Büttner (37), Inhaberin des „Lütthus“ in Travemünde. „Dann ziehe ich nichts ab. Aber wenn jemand so reinkommt?“

Uneingeschränkt für die geplante Neuregelung ist Otto Rothe (60), Inhaber des Restaurants „Hubertus am See“ in Ratzeburg. „Ich bin selbst Wassertrinker“, begründet er. „Ich finde das gut.“ Schon jetzt gebe es Leitungswasser zum Espresso oder zum Cappuccino. Rothe will nicht knauserig sein. „Wenn jemand fragt, kriegt er es.“

Eine Leistung, die kostet

Und was denken Kunden? Karin Soltwisch (69) sitzt im Wiener Caféhaus in der Lübecker Innenstadt und lässt sich Leitungswasser zum Kaffee bringen. „Früher war ich oft in Amerika, da ist das selbstverständlich“, erinnert sie sich.

Für Lübeck-Besucher Rainer Stephan (64) ist die neue Trinkwasserrichtlinie „eine wunderbare Idee“. „Ich finde das sehr angemessen.“

Stefan Strauß (53) ist Flugbegleiter. „Auf Flügen sollte das auch Pflicht werden“, findet er. Nicht jede Fluglinie schenke Wasser umsonst aus.

„Ein Glas Leitungswasser zum Essen im Restaurant würde mir oft reichen“, überlegt Detlef Becker (65), der beruflich viel unterwegs ist. „Alkohol darf ich sowieso nicht trinken, und ein alkoholfreies Bier oder so ist mir meistens auch schon zuviel.“

„Ob ich zur Toilette gehe und da Wasser trinke oder es mir bringen lasse, das sollte doch egal sein“, ist die Meinung von Michelle Groeneveld (24). „Aber nur für die Leute, die etwas zu essen bestellen.“ Schließlich habe der Gastronom auch Kosten, das sieht sie ein.

Selbst der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Schleswig-Holstein mag das Argument nicht einfach wegwischen. „Eine gesetzliche Regel auf den Weg zu bringen, halte ich in diesem Zusammenhang für überflüssig“, erklärt Hauptgeschäftsführer Stefan Scholtis in Kiel. Die EU verlange eine Leistung, die den Betrieb etwas koste. „Mit welchem Recht?“ Die Entscheidung müsse jedem Gastgeber selbst überlassen bleiben. Das funktioniere bislang recht gut. „Ich habe es bei uns im Norden noch nicht erlebt, dass mir als Gast der Wunsch nach einem Glas Leitungswasser nicht erfüllt wurde.“

Marcus Stöcklin

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