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Norddeutschland Ein Besuch auf der Mega-Baustelle
Nachrichten Norddeutschland Ein Besuch auf der Mega-Baustelle
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16:06 03.03.2018
Vom Hubschrauber-Landeplatz aus hat man einen guten Blick auf Lübeck. Die weißen Gebäudekomplexe am Rand sind Teile des zweistöckigen „Betten-H“. Quelle: Lutz Roessler
Lübeck

Dort sollen einmal die Gäste das Krankenhaus durch den neuen Haupteingang betreten. Ein monumentales Empfangskomitee aus Beton und Glas, so wird die Halle im Prospekt gezeigt. An Ort und Stelle kann man dieses Ergebnis allenfalls erahnen. Durch die noch nicht verglaste Fassade weht Schnee und kalte Luft hinein, auf nacktem Beton stehen Paletten und Baumaterial. Doch die schieren Ausmaße sind beeindruckend und kein Vergleich zum bisherigen, bescheidenen Haupteingang.

Auf den ersten Blick ist es äußerst verwirrend, dieses Labyrinth aus Fluren, Treppenhäusern und Zimmern. Andreas Jedek (62), der Projektleiter für den Ausbau des UKSH, weiß ganz genau, welchen Weg er nehmen muss, um in die große, sieben Meter hohe Eingangshalle zu kommen.

Auf dem Campus Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) an der Ratzeburger Allee ist in den vergangenen zwei Jahren ein Koloss aus Stahl, Beton, Backstein und Glas gewachsen. Bis 2019 soll der Neubau mit dem alten Klinikgebäude verschmelzen. Rund 300 Millionen Euro kostet der Bau.

„Ein baufachlich anspruchvolles Projekt“, nannte Lübecks Bausenatorin Joanna Glogau (parteilos) den Neubau bei einem Ortstermin im vergangenen Jahr. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) sprach von einem „beeindruckenden Bauwerk, das eine deutliche Verbesserung der Krankenhausversorgung in Lübeck verspricht“.

Die Kälte hat den Norden derzeit fest im Griff. Minus 10 Grad sind es an diesem Vormittag. Die Wege auf dem Außengelände sind voller Schnee und teilweise vereist. Auf den Gerüsten, die den massiven Backsteinbau einrahmen, arbeitet niemand. „Draußen könnten derzeit keine Arbeiten stattfinden“, erklärt Bauleiter Jedek. Dort sei ohnehin fast alles fertig. „Das Wetter hat keinen Einfluss auf den Ausbau.“

Im Neubau herrscht dafür geschäftiges Treiben. Von den Minusgraden ist im Inneren nichts zu spüren. Zig Heizgeräte pusten warme Luft durch die langen Gänge. Bauarbeiter mit Warnwesten, Sicherheitsschuhen und Helmen wuseln hin und her. Sie tragen Werkzeuge und Müll, bohren Löcher oder machen einfach eine Zigarettenpause. Es riecht nach Staub, geschnittenem Metall und frischer Farbe.

Derzeit sind mehr als 300 Arbeiter auf der Megabaustelle. Bis zu 500 werden es, wenn der Innenausbau richtig losgeht, sagt Jedek.

Im Neubau sollen etliche Kliniken, die bislang über den Campus verteilt liegen, vereint werden. Kürzere Wege und eine effizientere Infrastruktur sind das Ziel. Einen „Innovations- und Wirtschaftsmotor für Lübeck“ nennt UKSH-Chef Prof. Jens Scholz das neue Großklinikum. „Für die Universität schafft das UKSH die Voraussetzungen für die klinische Forschung mit internationaler Strahlkraft. Und es ist Auftraggeber für unzählige zumeist regionale Betriebe.“

Eine bedeutende Neuerung wird im ersten Obergeschoss der zentrale OP-Bereich mit 20 Sälen sein. Schon im kommenden Jahr sollen hier sterile und hochkomplexe Eingriffe stattfinden. Jetzt wirbelt noch Staub hoch, als zwei Männer einen mit Dämmmaterial beladenen Hubwagen über den betonierten Fußboden schieben.

Mit dem Aufzug geht’s in die sechste Etage. „Wir fahren ins Betten-H“, sagt Jedek in der engen Kabine. Der Gebäudeteil, der die Etagen 5 und 6 umfasst, ist wie der Buchstabe H geformt. Hier werden später 285 Betten in 183 Patientenzimmern stehen.

Noch höher ist man im Neubau nur an einer Stelle – auf dem Hubschrauber-Landeplatz. Durch ein graues Treppenhaus geht es auf das vereiste Dach, dann über eine provisorische Metalltreppe auf die Plattform in rund 30 Metern Höhe. Hier pfeift der Wind eisig durchs Gesicht, man steht knöcheltief im Schnee. Doch die Aussicht auf Lübeck und seine sieben Türme ist wohl an nur wenigen Orten besser als von dem höchsten Punkt der Mammutbaustelle.

Der Bau in Zahlen: Ein Eiffelturm in Lübeck

Mit dem Neubau wächst das Klinikum um 65000 auf 288000 Quadratmeter – das ist die Fläche von rund 40 Fußballplätzen. 6600 Tonnen Stahl machen den Bau standhaft. So viel Stahl wurde auch im Eiffelturm verbaut.

Das Klinikum soll hell werden und viel Tageslicht hereinlassen. Die vierstöckige Sockelfläche aus Backstein wird durchzogen von Fensterbändern, die eine Fläche von 9250 Quadratmetern haben – also mehr als ein Fußballfeld aus Glas.

 Jan Dresing

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