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Ein Bett im Strandkorb

Scharbeutz Ein Bett im Strandkorb

Einsamkeit, Sternenhimmel und das Rauschen der Wellen: Das bietet der neue Schlafplatz direkt am Meer.

Scharbeutz. Um fünf Uhr morgens lugt die feuerrote Halbkugel über den Horizont, die Sonne taucht das Meer in Morgenlicht. Die Schaumkronen der Wellen verbinden sich zu einem rosafarbenen Glitzerteppich, bis sie am Strand sanft brechen. Gleich nach dem Erwachen dieses Bild vor Augen zu haben – das macht glücklich. Wenn die Gäste der Hotels in der ersten Reihe am Ostseestrand früh genug aufstehen, können sie dieses Farbenspiel des beginnenden Tages erleben. Doch es gibt hier in Scharbeutz – und anderen Orten – jetzt ein Bett, aus dem man den erwachenden Strand nicht nur sehen, sondern mit allen Sinnen spüren kann.

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Einsamkeit, Sternenhimmel und das Rauschen der Wellen: Das bietet der neue Schlafplatz direkt am Meer.

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Die ersten warmen Sonnenstrahlen kitzeln im Gesicht, sie leuchten auf Strandkörbe, die aufgereiht im Sand stehen. Mit ihrem zugeklappten Sonnenschutz sehen sie aus, als hätten sie die Augen geschlossen. Sie schlafen noch, bis die ersten Gäste kommen. Einige Meter entfernt rauschen und glucksen die Wellen am Ufer. Beim ausgedehnten Strecken im Schlafstrandkorb tasten sich die Füße langsam an den noch kalten Sand heran. Der Blick schweift über den menschenleeren Strand.

Eine Nacht im Strandkorb. Einfach liegen bleiben, wenn am Abend alle anderen den Strand verlassen und in ihre Unterkünfte zurückkehren. Der Schlafstrandkorb ist eine Neuheit – nicht nur am Scharbeutzer Strand. Wer gerade an der Ostseeküste verweilt und Lust auf eine Nacht am Meer hat, kann sich jetzt für dieses Erlebnis in der Natur an verschiedenen Küstenorten anmelden.

Beim ersten Betrachten sieht das graue, rundliche Ding, das etwas versteckt hinter dem Dünengras liegt, wie eine Raumschiffkapsel aus. Oder ein überdimensionaler Retro-Kinderwagen. Der Korb ist durch eine große Plane geschützt. Neugierig wird das Bett am Strand vor der ersten Nacht inspiziert und für gemütlich befunden. „Kann ich Ihnen helfen?“, ruft es aus dem Hintergrund. Die Strandkorbvermieterin kommt herbeigeeilt. Sie zeigt mit einer flüchtigen Handbewegung, wo man den Korb öffnet. Alles andere stehe auf einer Bedienungsanleitung. Bevor sie geht, wünscht sie noch eine angenehme Nacht. Und an der Bar ständen zwei Begrüßungssekt bereit. Unter dem grauen Verdeck mit rundem Sichtfenster zur See kommt ein gemachtes Bett zum Vorschein. Auf den weißen Laken kann man sich fallen lassen und mit dem prickelnden Getränk in der Hand beobachten, wie die Badegäste nach und nach den Strand verlassen. Es ist windig, aber warme 20 Grad. Ein kleines Mädchen mit weißer Schirmmütze bleibt neugierig vor dem Schlafstrandkorb stehen. Ihre aufgeweckten Augen leuchten, als sie das Bett im Sand entdeckt. „Na, da würdest du dich doch gleich am liebsten in die Mitte legen“, sagt ihre Mutter und nimmt sie auf dem Weg zur Promenade vorsichtshalber an die Hand.

Mit gemütlicher Trägheit vergehen die Abendstunden, bis die Sonne langsam im Meer versinkt und den Strand in ein bernsteinfarbenes Gewand taucht. Auch der Wind schläft langsam ein. In der Dämmerung spazieren ein verliebtes Pärchen, ein älterer Herr und zwei Jugendliche mit Ghetto-Blaster und Dosenbier durch den Sand.

Der Strand ist gegen Mitternacht wieder für sich. Bis auf leise Club-Musik einer Bar und das Rauschen des Meeres ist es ruhig. Im Korb schützen Pullover, dicke Socken und lange Hose vor der hereinkriechenden Kälte. Trotzdem schläft man offen, das Verdeck bleibt nach hinten geklappt. Schließlich präsentiert der Himmel sein prachtvolles Sternenkleid. Sogar Sternschnuppen blitzen immer wieder kurz auf. Der Blick verliert sich in der Tiefe des Universums. Die kleinen und großen Sorgen des Alltags sind weit weg.

Beim Hin- und Herdrehen kriecht der Sand in die Klamotten und klebt an der Haut. „Sand World“ im Schlafstrandkorb lässt sich nicht vermeiden. Aber das bequeme Bett tröstet darüber hinweg. Zwei Personen können ohne Probleme auf den 1,30 Metern Breite schlafen. Das Meeresrauschen wiegt in den Schlaf.

Nach ein paar gemütlichen Stunden wird die Nachtruhe durch ein dringendes Bedürfnis gestört. Im Camping-Outfit und mit Flip Flops geht’s möglichst unauffällig an den Beach-Bars mit aufgehübschten Frauen und Männern in Lederjacken vorbei zur öffentlichen Toilette. Wieder unter der Bettdecke übermannt erneut die Müdigkeit.

Aufwachen am Meer: Mit dem Sonnenaufgang kommt Leben an den Strand. Jogger hecheln die Promenade entlang, Frühaufsteher schlendern zum Bäcker, Hundebesitzer werfen Blicke in den Korb. Es wird wärmer, die Sonne brennt schon jetzt vom Himmel. Das Meerwasser kühlt die Füße. Nach einer Nacht unter freiem Himmel bleibt das Ostsee-Gefühl haften.

• Ein Video zur Nacht im Strandkorb finden Sie auf www.ln-online.de/Videos

Standorte an der Ostseeküste

100 000 Strandkörbe gibt es schätzungsweise an Nord- und Ostsee. Die genaue Zahl ist nicht bekannt, andere Schätzungen gehen sogar von rund 300000 Strandkörben aus.

8 Orte entlang der Ostsee vermieten einen Schlafstrandkorb: Scharbeutz , Travemünde, Timmendorfer Strand, Niendorf, Weißenhäuser Strand, Eckernförde und Fehmarn. Der Korb in Scharbeutz zieht im Laufe des Sommers nach Pelzerhaken um. Gäste, die bereits eine Unterkunft in dem jeweiligen Ort gebucht haben, können dort eine Nacht im Schlafstrandkorb mieten. Die Preise pro Korb reichen von 15 bis 95 Euro – je nach Ort und Zusatzleistungen. Mehr Informationen zur Buchung gibt es unter www.ostsee-schleswig-holstein.de

 Beke Zill und Alessandra Röder

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